Fall Hille: Mordverdächtiger besaß EC-Karten der Opfer – Jörg W. sitzt im Hochsicherheitstrakt Konten der Toten leergeräumt

Hille (WB). Der Verdacht ist zur Gewissheit geworden: Der mutmaßliche Dreifachmörder Jörg W. (50) aus Hille hat die Konten der beiden Männer, deren Leichen auf seinem Hof vergraben waren, geplündert und sich seit geraumer Zeit ihre Renten angeeignet. Das haben umfangreiche Finanzermittlungen der Mordkommission ergeben.

Von Christian Althoff
Der mutmaßliche Dreifachmörder Jörg W. sitzt in der Justizvollzugsanstalt Bielefeld-Brackwede.
Der mutmaßliche Dreifachmörder Jörg W. sitzt in der Justizvollzugsanstalt Bielefeld-Brackwede. Foto: Thomas F. Starke

Jörg W.

Staatsanwalt Christopher York aus Bielefeld sagte gestern: »Wir besitzen inzwischen Aufnahmen von Überwachungskameras, die den Beschuldigten in zwei Fällen beim Geldabheben an Automaten zeigen.« Wie Jörg W. an die Geheimzahlen für die Karten gekommen war, wurde nicht bekannt.

York bestätigte, dass Jörg W. bei seiner Festnahme am 9. März in Bayern die EC-Karten der beiden Toten bei sich gehabt habe. Der Staatsanwalt sagte, der Beschuldigte habe die Girokonten der beiden Männer leergeräumt. Zur Gesamthöhe der Beute und zum Tatzeitraum konnte York noch keine Angaben machen.

»Wir können jetzt zwar die Abhebungen nachweisen. Wir wissen aber noch nicht, ob die Renten auch das Motiv für die Morde waren«, sagte York weiter. Die Ermittlungen der Mordkommission dauerten an.

Todesursache massive Gewalt

Der Staatsanwalt sagte, er werde demnächst beim Amtsgericht beantragen, den Haftbefehl von Mord auf Mord in drei Fällen zu erweitern. Bisher hat Jörg W. nur gestanden, am 4. März den Maurer und Familienvater Fadi S. (30) aus Stadthagen (Niedersachsen) mit einem Hammer erschlagen zu haben. Zu den anderen beiden Toten hat er noch keine Aussage gemacht.

Nachdem Spürhunde angeschlagen hatten, hatten Polizisten heute vor einer Woche in Hille die Leichen des Nachbarn Gerhard F. (71) und des landwirtschaftlichen Helfers Joachim K. (65) auf dem Hof des mutmaßlichen Dreifachmörders ausgegraben. Die Obduktion ergab als Todesursache massive Gewalt, die den Opfern nach unbestätigten Informationen mit einer Waffe zugefügt worden sein soll.

Angehörige hatten mit Rache gedroht

Jörg W. sitzt seit dem Wochenende in der Justizvollzugsanstalt Bielefeld-Brackwede, wo er am Montag von seiner Anwältin Nicole Friedrich aus Minden besucht wurde. Er ist im Hafthaus 6 untergebracht – dem Hochsicherheitstrakt mit 26 Plätzen, der nach dem »Deutschen Herbst« 1979 zur Inhaftierung von Linksterroristen gebaut worden war.

Diese besonders sichere Unterbringung soll einerseits verhindern, dass der frühere Fremdenlegionär möglicherweise zu fliehen versucht. Andererseits soll sie seinem Schutz dienen. Denn Angehörige des ermordeten Fadi S. hatten im Internet mit Rache gedroht, und es kann nicht ausgeschlossen werden, dass die libanesische Großfamilie zu dem einen oder anderen Häftling in Bielefeld-Brackwede eine Verbindung hat. Im Moment ist dem Untersuchungshäftling Jörg W. deshalb jeder Kontakt zu anderen Gefangenen verboten.

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