Ermittlungen nach Mord an Libanesen in Hille immer komplexer Familie des Mordopfers sollte erpresst werden

Hille (WB). Der Mordfall Fadi S . – er wird immer komplexer. Dienstag wurde bekannt: Nach dem Verschwinden des Libanesen sollen Trittbrettfahrer gegenüber der Familie eine Entführung vorgetäuscht und Lösegeld verlangt haben.

Von Christian Althoff
Die Spurensicherung des Bielefelder Polizeipräsidiums war gestern auf dem Hof des Mordverdächtigen Jörg W. in Hille.
Die Spurensicherung des Bielefelder Polizeipräsidiums war gestern auf dem Hof des Mordverdächtigen Jörg W. in Hille. Foto: Christian Althoff

Die Chronik:

Am Sonntag, dem 4. März, fährt der Maurer Fadi S. (30) aus Stadthagen nachmittags nach Hille, wo er Jörg W. (51) treffen will. Beide sollen vorgehabt haben, sich in der Baubranche selbstständig zu machen.

Die Ehefrau und die beiden Kinder warten vergeblich auf die Rückkehr von Fadi S. Angehörige erstatten Vermisstenanzeige und bitten auf Facebook um Hinweise.

Zwei Libanesen aus Bad Oeynhausen lesen den Facebookeintrag und nehmen Kontakt mit der Familie auf. Sie behaupten, Fadi S. schulde ihnen 45.000 Euro und sei in ihrer Gewalt. Wenn die Familie das Geld in einer Bielefelder Shisha-Bar übergebe, werde Fadi S. freigelassen. Die Familie verlangt ein Lebenszeichen. Ihr wird eine Videoverbindung zu Fadi S. versprochen, die aber immer wieder hinausgeschoben wird – weil die Männer Fadi S. ja nicht haben.

Die Polizei wird hellhörig. Denn inzwischen liegt nicht nur eine Vermisstenanzeige für Fadi S. vor, auch Jörg W. ist von seiner Frau als vermisst gemeldet worden.

Einem der Trittbrettfahrer aus Bad Oeynhausen wird die Sache zu heikel. Sein Anwalt Mario Prigge rät, zur Polizei zu gehen und reinen Tisch zu machen. Dort gibt der Mann den Erpressungsversuch zu. Er hat nach Überzeugung der Polizei mit dem Verschwinden von Fadi S. nichts zu tun.

Am Freitag finden Polizisten in Hille auf einem verlassenen Bauernhof den Audi von Fadi S. und seine Leiche – er soll erschlagen worden sein. Die Mordkommission findet heraus: Der 71-jährige Hofbesitzer Gerhard F. ist seit Monaten verschwunden. Stattdessen hat sich sein Nachbar des Hofes angenommen – Jörg W.

Samstagabend wird Jörg W. im bayerischen Reit im Winkel gefasst. Er kommt wegen Mordes an Fadi S. in Untersuchungshaft und bestreitet die Tat.

Die Polizei hat jetzt mehrere Baustellen:

  • Sie muss den Mord an Fadi S. aufklären. Bis heute kenne man das Motiv nicht, sagt eine Polizeisprecherin.
  • Sie muss Licht ins Verschwinden des Hofbesitzers bringen. Wurde Gerhard F. von Jörg W. ermordet? Oder starb er eines natürlichen Todes und wurde von Jörg W. versteckt, damit der den Hof nutzen konnte?
  • Die Polizei muss wegen versuchter Erpressung gegen die beiden Libanesen aus Bad Oeynhausen ermitteln.
  • Und sie muss versuchen, eine Fehde zwischen den beiden libanesischen Familien zu unterbinden. Es soll bereits vermehrt Streifenfahrten vor dem Haus eines Trittbrettfahrers in Bad Oeynhausen geben.
  • Auch auf den Hof von Jörg W., auf dem noch seine Frau und seine Stieftochter leben, haben Streifenbeamte ein Auge, um mögliche Racheaktionen zu vereiteln.

Dienstag Morgen:

Die Mordkommission ist mit einem Großaufgebot in Hille. Drei Hundeführer suchen auf dem verlassenen Hof mit Leichenspürhunden nach Hinweisen auf Gerhard F., während sich Beamte der Spurensicherung die Gebäude vornehmen.

Gut 100 Meter Luftlinie entfernt nimmt die Spurensicherung auch den verwahrlosten Bauernhof von Jörg F. unter die Lupe. Die Polizisten hoffen auf Hinweise, die den Mord an dem Libanesen erklären können.

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