Die Prinzen gastieren in St. Dionysius – 700 Konzertbesucher feiern die Popstars »Küssen verboten« in der Kirche

Preußisch Oldendorf (WB). Ihre großen Hits heißen »Küssen verboten« oder »Alles nur geklaut«. Doch in der St.-Dionysius-Kirche von Preußisch Oldendorf haben sie ihr Konzert vor ausverkauftem Haus mit »Ein feste Burg ist unser Gott« eröffnet.

Von Arndt Hoppe

Und direkt stellte die Gruppe, die seit 26 Jahren mit ihrem vielstimmigen Gesang Tausende Fans gewonnen hat, unter Beweis, dass sie gesanglich nichts an Harmonie, Präzision und Timing eingebüßt haben. Gelernt ist halt gelernt, denn alle fünf Sänger waren als Kinder Mitglieder im Leipziger Thomanerchor oder im Dresdner Kreuzchor.

Das Leben ist grausam

Und obwohl das Konzert in einem Gotteshaus veranstaltet und von der Stiftung der Preußisch Oldendorfer Kirchengemeinde organisiert wurde, legten die Männer um die beiden Frontleute Sebastian Krumbiegel und Tobias Künzel sofort richtig los. Nahtlos schlossen sie ihre Hits »Oben«, »Mann im Mond« und »Das Leben ist grausam« an. Das Publikum ging sofort mit und kam schnell in Fahrt. Die Zuhörer jeden Alters bewiesen bei vielen Liedern während des zweistündigen Konzerts ihre Textsicherheit und Begeisterungsfähigkeit. Immer wieder ließen sie sich gern zum Mitklatschen animieren.

Plaudereien mit Krumbiegel

Künzel und Krumbiegel plauderten zwischendurch immer wieder über Musik, das Leben oder über ihre Tour. So begrüßte Tobias Künzel das Publikum mit: »Hallo Preußisch Oldendorf, wir sind die Prinzen aus Sächsisch Leipzig.« Begeistert zeigte er sich von der Gastlichkeit im Ort. »Anderswo bekommen wir Essen aus der Box. Hier stand der Pfarrer zur Begrüßung höchst selbst am Grill. Hier willst du alt werden.«

Wer die Prinzen kennt, weiß, dass sie mit ihren Hits nicht nur die Spaßfraktion a lá »Malle« bedienen, sondern ihre Songs mit viel Wortwitz, Ironie und oft politischen Botschaften versehen. So durften Lieder wie »Du musst ein Schwein sein in dieser Welt«, »Bombe« oder auch »Deutschland« nicht fehlen. In letzterem beziehen die Musiker eindeutig Position gegen rechtsradikale Tendenzen.

Emotionalität und Tiefgang

Wer nur mit den bekanntesten Hits vertraut ist, konnte in der Dionysius-Kirche von der Emotionalität und dem Tiefgang der Sachsen überrascht werden. Zum Beispiel von »Er steht im Regen«, das Krumbiegel als sein Lieblingslied des neuen Prinzen-Albums »Familienalbum« bezeichnete. Wolfgang Lenk, der auch für die Arrangements der Band verantwortlich zeichnet, beeindruckte die Zuhörer mit seinem Lied »Backstagepass ins Himmelreich«, in dem er seine tiefe Gläubigkeit zum Ausdruck bringt.

Drei Zugaben

Bei aller Abwechslung wussten die Prinzen aber, was die Show verlangt. Am Ende rissen sie mit »Ich wär so gerne Millionär« oder »Küssen verboten« restlos alle 700 Zuhörer von den Kirchenbänken. Diese erklatschten sich drei Zugaben. Das Kirchenlied »Bewahre uns Gott, behüte uns Gott«, a cappella ohne Mikros, rundete den gelungenen Konzertabend ab.

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