Automatenwirtschaft macht sich für biometrische Kontrolle stark Gesichtserkennung am Eingang

Düsseldorf/Espelkamp (dpa/WB/bex). Die Spielbranche steht unter Druck: Am 1. Dezember verschärft sich die Gesetzeslage für Spielhallen. Die Automatenwirtschaft schlägt andere Maßnahmen vor – unter anderem wollen sie Spielsucht mit biometrischen Einlasskontrollen einen Riegel vorschieben.

Eine Versuchsperson steht an einer biometrischen Zutrittskontrolle.
Eine Versuchsperson steht an einer biometrischen Zutrittskontrolle.

Eine Kamera erfasst das Gesicht des Besuchers. Es dauert einen Moment, ein Ampelsystem leuchtet auf: Je nach Farbe ist der Durchgang in die Spielhalle jetzt frei oder der Zutritt bleibt verwehrt, das System schlägt dann Alarm.

Merkmalsdaten sollen nach 30 Sekunden gelöscht werden

Biometrische Einlasskontrollen wie diese sollen nach Meinung der Automatenwirtschaft in Deutschland künftig in NRW und allen anderen Bundesländern den Zutritt zu Spielhallen einheitlich regeln. Die Systeme seien datensparsam und zudem für den Spielgast niedrigschwellig, erklärten Branchenvertreter am Mittwoch in Düsseldorf.

Die Gesichter der Menschen werden dabei nicht als Bild, sondern in Form von sogenannten Templates, also Merkmalsdaten, gespeichert. Diese werden – außer bei möglichen gesperrten Spielern – nach 30 Sekunden wieder gelöscht, hieß es.

Spieler können sich in NRW nicht sperren lassen

Mit den Kontrollen soll zum Beispiel verhindert werden, dass Jugendliche in die Lokale gelangen. Das vorgestellte Face-Check-System des Espelkamper Spielautomaten-Herstellers Gauselmann soll Menschen unter 25 Jahren erkennen. Zudem soll der Gesichts-Scan gesperrte Spieler erkennen.

Derzeit können sich Spieler in NRW für Spielhallen allerdings nicht sperren lassen. Der Fachverband Glücksspielsucht (FAGS) aus Bielefeld war im März mit einer Klage gegen das Espelkamper Unternehmen Gauselmann vor dem Landgericht Bielefeld gescheitert. Für ein von Spielern selbst beantragtes Hausverbot fehle in NRW – anders als in anderen Bundesländern – schlichtweg die gesetzliche Grundlage, urteilte die 3. Kammer für Handelssachen.

Angst vor Manipulationen

Die Landesbeauftragte für Datenschutz in NRW erachtet das Face-Check-System unter bestimmten Voraussetzungen als zulässig. Anders als bei Ausweiskontrollen würden die Besucher anonym bleiben und es würden weniger Daten erhoben, heißt es im Datenschutzbericht 2017.

Laut Gauselmann ist das Face-Check-System bereits in sämtlichen 18 Spielotheken des Unternehmens in Baden-Württemberg im Einsatz. In NRW seien knapp 20 Spielhallen auf freiwilliger Basis mit den Face-Check-Systemen ausgestattet worden.

In Niedersachsen sieht man biometrische Kontrollen jedoch kritisch, weil erst mal alle Besucher gescannt würden, sagte der Pressesprecher der Landesbeauftragten für Datenschutz. Es könne durchaus manipuliert werden, bemängelte Ilona Füchtenschnieder von der FAGS. Sie bevorzugt persönliche Kontrollen durch Mitarbeiter. Es sei absurd, wenn die Branche selbst über den »Standard des Schutzes« entscheide.

Neue Abstandsregelungen in NRW

Die Branche steht unter Druck, weil sich die Gesetzeslage im Dezember etwa durch Abstandsregelungen in NRW verschärft. Nach Ansicht der Automatenwirtschaft stehen die meisten der 4000 Spielhallen vor dem Aus. Mit biometrischen Zutrittskontrollen und anderen Maßnahmen der »Qualitätsinitiative 2020« wie Zertifizierungen für Spielhallen will die Branche eine Alternative bieten.

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