Insolventer Küchhersteller stoppt Produktion: 450 Jobs bei Wellmann in Enger bedroht Suche nach einem Investoren gilt als letzte Hoffnung für Alno

Enger/Pfullendorf (WB). Beim Küchenbauer Alno mit den Tochterfirmen Wellmann in Enger und Pino steht seit Freitag die Produktion still . Jetzt ruht die Hoffnung darauf, Investoren zu finden, die Alno komplett oder in Teilen übernehmen.

Von Oliver Horst
Die Alno-Tochter Wellmann in Enger: Die Hoffnungen ruhen jetzt darauf, dass ein Wettbewerber oder Investor das Werk mit rund 440 Mitarbeitern übernimmt
Die Alno-Tochter Wellmann in Enger: Die Hoffnungen ruhen jetzt darauf, dass ein Wettbewerber oder Investor das Werk mit rund 440 Mitarbeitern übernimmt Foto: Gerhard Hülsegge

Eine längere Fortführung der Produktion sei aus Liquiditätsgründen nicht sichergestellt und nicht zu verantworten, hieß es am Freitag. Solange keine Klarheit über die Zukunft bestehe, könnten weder bei Alno noch den Töchtern neue Bestellungen aufgenommen werden. Ein Schwebezustand, der zur Unzeit kommt: Von diesem Samstag bis nächsten Freitag trifft sich die Branche in OWL zu den Küchenmessen, an denen sich auch Wellmann beteiligt.

Mehrere Interessenten

Insolvenzverwalter Hörmann bezeichnete die Entwicklung als bedauerlich, »da die Sanierung und ein möglicher Neubeginn unter diesen Rahmenbedingungen deutlich erschwert werden«. Mit seinem Team wolle er nun den Mitte August gestarteten Bieterprozess forcieren, um möglichst kurzfristig einen oder mehrere Geldgeber zu finden.

Hörmann: »Mit neuen Investoren wäre der Weg frei für einen Neubeginn.« Dem Vernehmen nach gibt es mehrere ernsthafte Interessenten, die derzeit die Abgabe eines verbindlichen Angebots prüfen.

Im Rahmen einer »übertragenden Sanierung« könnte der Konzern komplett ohne Altlasten übernommen werden. Die Schulden verblieben dann im leeren Mantel der Alno AG. Hörmanns Sprecher Pietro Nuvoloni wollte sich nicht festlegen, bis wann mit einer Entscheidung gerechnet werden kann. »Es wird unter Hochdruck versucht, eine Lösung herbeizuführen«, erklärte er.

Löhne bis September gesichert

Dem Vernehmen nach dürfte der Bieterprozess aber kaum bis Ende September abzuschließen sein. Bis dahin sind noch Löhne und Gehälter der Mitarbeiter über das Insolvenzgeld gesichert. Die direkt mit Produktionsaufgaben betrauten Beschäftigten müssten bis Mittwoch nicht am Arbeitsplatz erscheinen, falls es für sie keine sinnvollen Tätigkeiten zu erledigen gebe, sagte Nuvoloni. Gearbeitet werde auch weiterhin an Lösungen für fehlende Teile bei bereits ausgelieferten Küchen.

Chancen für Wellmann gut

In Branchenkreisen hieß es, die Chancen für eine Fortführung zumindest einzelner Standorte stünden gut. Das gelte besonders für Wellmann in Enger, weil es sich um ein relativ modernes Werk mit exzellenter Anbindung an Zulieferer in der starken Küchenregion OWL handele. Spekuliert wird auch, ob wachsende Wettbewerber ihre Kapazitäten mit einer Übernahme aufstocken könnten.

Bei Wellmann überwiegt die Hoffnung auf einen Neuanfang, hieß es aus Betriebsratskreisen. Fast 50 von zuvor knapp 500 Mitarbeitern hätten aber bei der Alno-Tochter seit dem Insolvenzantrag Mitte Juli gekündigt.

Frank Branka, Gewerkschaftssekretär der IG Metall in Herford, sprach angesichts der Entwicklung bei Alno von Di­let­tan­tis­mus: »Jetzt hängen alle in der Luft.«

Kommentare

Selbstständige Küchenmontage gehen leer aus

Mir reicht es mit Alno habe als Subunternehmer als Küchenmonteur montiert.Bekomme noch Geld von Mai das interessiert die hohen Herrn noch nicht.Meine offenstehenden Rechnungen
kann ich mir einrahmen.Anderen Monteuren geht es genau so.

Kopfschütteln

Hallo......
mein Vater arbeitet dort schon seit etlichen Jahren, selbst ein damals schwerer Arbeitsunfall konnte ihn nicht davon abhalten wieder an seinen alten Arbeitsplatz zu gehen. Ich habe oft viel mit bekommen, es werden Mitarbeiter gekündigt und ein paar Wochen später komme Leiharbeiter. Das so viele vor einigen Monaten gekündigt haben, kann ich voll und ganz nachvollziehen. Meiner Meinung nach muss man nicht erst seit diesem Jahr Angst um seinen Arbeitsplatz haben. Bei Wellmann ist schon seit Jahren ein auf und ab.

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