Früherer Rapper (27) aus Bünde unter schwerem Verdacht Sollten Streifenpolizisten mit Bombe getötet werden?

Bünde (WB). Ein Afghane (27) aus Bünde, früher Mitglied der gewalttätigen Rappergang »First Class Kanacks«, soll sich bereiterklärt haben, Polizisten in eine Falle zu locken, um sie von einem Komplizen mit einer Bombe töten zu lassen.

Von Christian Althoff
Schwer bewacht und in Handschellen: zwei der vier Angeklagten, darunter Masie S. (3.v.l) aus Bünde mit seinem Verteidiger Peter Wüller. Der 27-jährige Afghane sitzt seit April in U-Haft und bestreitet, ein Terror-Helfer zu sein.
Schwer bewacht und in Handschellen: zwei der vier Angeklagten, darunter Masie S. (3.v.l) aus Bünde mit seinem Verteidiger Peter Wüller. Der 27-jährige Afghane sitzt seit April in U-Haft und bestreitet, ein Terror-Helfer zu sein. Foto: dpa

Landgericht Braunschweig, Staatsschutzkammer. Die vier Angeklagten tragen Hand- und Fußfesseln, die mit einem Gürtel verbunden sind, um die Bewegungsfreiheit weitgehend einzuschränken. Die Generalstaatsanwaltschaft Celle ist sich sicher, eine Unterstützerzelle des »IS« ausgehoben zu haben, die Polizisten umbringen wollte .

»Feinde Allahs bekämpfen«

Der Hauptangeklagte Sascha L. (27) aus Nordhorn hatte nach eigener Aussage Chemikalien gekauft, um eine Bombe zu bauen. Um sie fernsteuern zu können, bestellte er bei einem Versand für knapp zehn Euro einen Elektronikbausatz.

Nach Angaben des Angeklagten war folgendes Szenario geplant: Am Tatort wollte er in einen Karton eine LED-Weihnachtsbaumkette und die Elektronik legen. Mit einer Fernbedienung hätte er dann aus 15 Metern Entfernung die Weihnachtslichter eingeschaltet. Diese Helligkeitsänderung in der Kiste wäre von einem Lichtsensor registriert worden, und die Elektronik hätte einen Schalter betätigt. So hätte der Zünder der Bombe aus sicherer Entfernung ausgelöst werden können.

Als potentielle Opfer hatte er Polizisten, Bundeswehrsoldaten und Politiker ausgemacht. »Das sind Leute, wo ich hundertprozentig sicher sein kann, dass ich Feinde Allahs bekämpfe«, heißt es in einer Sprachnachricht.

Diese Elektronik mit ihrem Lichtsensor (unten) hätte die Bombe zünden sollen.

Bünder bereits wegen versuchten Totschlags verurteilt

Die anderen drei Männer sind als Helfer angeklagt, darunter Masie S. aus Bünde. Spezialeinheiten hatten ihn im April im Stadtteil Hunnebrock überwältigt. Der Afghane ist vorbestraft: Das Landgericht Bielefeld hatte den Medientechniker 2011 wegen versuchten Totschlags zu einer Jugendstrafe von dreieinhalb Jahren verurteilt. Zusammen mit seinen Freunden von »First Class Kanacks« hatte er 2010 in Bünde in zwei Nächten unbescholtene Bürger angegriffen und fast getötet.

Mit 50 Euro Mordkomplott finanziell unterstützt

Nach Ansicht der Generalstaatsanwaltschaft soll der Mann aus Bünde die islamistische und antisemitische Überzeugung sowie den Polizistenhass des Hauptangeklagten geteilt haben. Er soll bereit gewesen sein, Polizisten in eine Falle zu locken, und von seinem Konto bei der Sparkasse Herford 50 Euro an den Hauptangeklagten überwiesen haben, um das Mordkomplott zu fördern.

50 Euro – das klingt nicht nach viel Geld, doch brauchte der Hauptakteur nach eigenen Angaben jeden Euro. So sagte er in einer Vernehmung, der Plan sei wegen Geldnot verzögert worden: Er habe einen Lötkolben für 9,90 Euro kaufen müssen, um den Bausatz zusammenzusetzen, und eine Batterie, um ihn zu betreiben. Mit diesen Ausgaben habe er nicht gerechnet. Seine Geldgeber wolle er aber nicht nennen.

Vorgetäuschter Streit als Falle

Der Afghane aus Bünde soll einem Zeugen zufolge bereit gewesen sein, Polizisten zu einem »Streit« zu rufen. Dann hätte eine Bombe unter ihren Streifenwagen gelegt werden sollen. Den Anschlag habe man filmen wollen, um ein »IS«-Propagandavideo daraus zu machen.

Rechtsanwalt Peter Wüller, der Masie S. verteidigt: »Er bestreitet die Vorwürfe.« Masie S. habe den Hauptangeklagten nie getroffen. »Er sagt, er habe sich auf der Suche nach einer Ehefrau im Internet an eine Islamische Heiratsvermittlung gewandt, deren Administrator Sascha L. gewesen sei. Er sagt, er habe dessen islamistische Haltung gekannt, aber nie zugestimmt, Polizisten in eine Falle zu locken.«

Die 50 Euro habe er an Sascha L. überwiesen, weil der ihm leid getan habe. Der Prozess wird fortgesetzt.

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