»Schaufel, Förmchen, Panzer«: Stadtmuseum zeigt Ausstellung zu umstrittenem Thema Krieg spielen – und ihn später führen?

Gütersloh (WB). Während in Wohnvierteln von Aleppo (Syrien) Fassbomben explodieren und Kinder zerfetzen, beginnt im Stadtmuseum Gütersloh eine neue Ausstellung zum – Kriegsspielzeug.

Von Carsten Borgmeier
Foto: Carsten Borgmeier

Ein Miniatur-Schlachtschiff im Maßstab 1:1250 steht mitten im Raum auf einem echten Stück Kanonenrohr des gewaltigen Kalibers von 150 Millimetern, eine alte, aber entschärfte Panzergranate aus dem Zweiten Weltkrieg »schmückt« ein Ensemble von winzigen, grünen Militärfahrzeugen aus Plastik: Von Samstag, 15. Oktober, an können sich Besucher an der Kökerstraße 7 bis 11 mit Kriegsspielzeug aus mehr als 100 Jahren auseinandersetzen.

Exponate aus mehr als 100 Jahren

»Dies ist keine Ausstellung für Fans von Militaria, es ist keine Sammler- oder

Modellbau-Ausstellung«, betont Dr. Rolf Westheider (60) als Leiter des Museums in Trägerschaft des Heimatvereins. »Die neue Schau soll zeigen, in welchem Ausmaß Kriegsspielzeug im Laufe von Jahrhunderten in vielfältiger Weise produziert wurde und auch im familiären Alltagsleben Akzeptanz fand«, führt Dr. Westheider weiter aus.

Dadurch sollten Zugänge und Verständnis für das Militär angebahnt werden, meint Dr. Westheider. »Einmal mehr möchten wir das Museum zum Ort der Selbstreflexion machen, Diskussionen pro und contra Kriegsspielzeug sind ausdrücklich erwünscht.«

Konzipiert hat die Ausstellung mit dem Titel »Schaufel, Förmchen, Panzer« der Bielefelder Frank Föste (62). Der gelernte Bankkaufmann und Hobby-Landwirt setzt sich seit mehr als 40 Jahren mit dem Kalten Krieg auseinander, sammelte einst alles, was damit in Zusammenhang stand – also auch Spielzeug.

Thema soll zur Diskussion anregen

»Ich bin an einer britischen Kaserne in Bielefeld aufgewachsen«, berichtet der Kurator, »da interessiert man sich schon früh dafür, was dort so alles passiert.« Nach dem Fall der Mauer vor gut 26 Jahren reiste Föste mehrfach in die neuen Bundesländer, um Exponate rund um die frühere Armee der untergegangenen Deutschen Demokratischen Republik (DDR) oder der Roten Armee zu ergattern.

Genau solche originalen Stücke wie eben das abgeschnittene Kanonenrohr oder Taktik-Dioramen aus dem Unterricht der Nationalen Volksarmee (NVA) machen aus der neuen Ausstellung eine Schau mit Realitätsbezug.

Pazifistischer Gegenpart zeigt Kriegsspielzeug in darstellender Kunst

Föste hat die Präsentation quasi in die Bereiche Marine, Luftwaffe, Heer und Kunst gegliedert: Zu sehen ist beispielsweise ein hölzerner Schlachtschiff-Nachbau des Kreuzers »Emden«, auch der Flugzeugträger USS »Enterprise« mit zahlreichen kleinen Fliegern auf dem Oberdeck ist zu bestaunen.

Gleich nebenan beweist der Bielefelder, dass auch Erwachsene noch im »Sandkasten« spielen: Das Taktik-Diorama (1:35) wurde von Soldaten in der Ausbildung genutzt. Mehr zur Ausstellung unter Tel.: 0 52 41/2 66 85.

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.