Bielefelder Familienunternehmen arbeitet Raubkunst in seiner Sammlung auf Oetker gibt Gemälde zurück

Bielefeld (dpa/WB). Das Bielefelder Familienunternehmen Dr. Oetker treibt die Aufarbeitung in Sachen Raubkunst voran und trennt sich von einem Bild aus seiner Kunstsammlung.

Die Firmenzentrale von Dr. Oetker in Bielefeld.
Die Firmenzentrale von Dr. Oetker in Bielefeld. Foto: Thomas F. Starke

Es handelt sich um ein Gemälde des deutschen Malers Hans Thoma (1839-1924), das zurück in den Besitz der Nachkommen des ursprünglichen Besitzers geht. Das Bild ist eines von vier Kunstwerken der Oetker-Sammlung, die von einer Provenienzforscherin als mögliche NS-Raubkunst identifiziert worden waren. Auch bei den anderen drei Objekten werde es in nächster Zeit zu Rückgaben kommen, sagte Unternehmenssprecher Jörg Schillinger.

Unter Raubkunst versteht man Kunstwerke, die vor allem jüdischen Händlern und Sammlern während der Nazi-Herrschaft weit unter Wert oder gewaltsam abgenommen wurden.

Wie das Unternehmen am Dienstag mitteilte, erstand Rudolf-August Oetker im Jahre 1954 auf einer Versteigerung das Hans-Thoma-Gemälde »Frühling im Gebirge/Kinder- reigen«. Seitdem befand sich das Gemälde in der Sammlung.

Kunstsammlerin musste Deutschland 1938 verlassen

Bei den Recherchen zur Aufarbeitung fand Dr. Oetker heraus, dass das Gemälde im Jahr 1938 von Hedwig Ullmann in Deutschland verkauft worden war. Albert (1862–1912) und Hedwig Ullmann (1872–1945) waren bekannte jüdische Kunstsammler.

Albert Ullmann starb 1912, seine Frau musste Deutschland 1938 verlassen und war gezwungen, ihren Kunstbesitz zu verkaufen.

Die Erben Ullmanns hätten keine Erkenntnisse über den Verbleib des Gemäldes gehabt, bis Oetker Kontakt mit ihnen aufgenommen habe, hieß es weiter. Der Anwalt der Erbengemeinschaft, David J. Rowland, würdigte die Rückgabe als »herausragendes Beispiel einer Privatsammlung«, die bei Nazi-Raubkunst das »Richtige« tun wolle und damit Maßstäbe setze.

Oetker lässt seit 2015 die Herkunft der Werke aus der Sammlung erforschen und hält sich als Privatunternehmen dabei an die internationalen Washingtoner Prinzipien. Diese regeln die Rückgabe der Kunstwerke oder finanzielle Entschädigungen und gelten eigentlich nur für öffentliche Häuser.

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