Frühere Freundin von Wilfried W. sagt nach 24 Jahren aus Frau von ihrer Vergangenheit eingeholt

Paderborn (WB). Der 42. Verhandlungstag im »Horror-Haus«-Prozess – er geriet für den Angeklagten Wilfried W. (48) zu einem schwarzen Tag.

Von Christian Althoff
Mit diesem Urteil wurden Wilfried W. und seine damalige Freundin 1995 zu Haftstrafen verurteilt. Gestern musste die Frau vor dem Landgericht Paderborn zu den Taten von damals aussagen, was sie zuerst nur widerwillig tat. Dann belastete sie Wilfried W.
Mit diesem Urteil wurden Wilfried W. und seine damalige Freundin 1995 zu Haftstrafen verurteilt. Gestern musste die Frau vor dem Landgericht Paderborn zu den Taten von damals aussagen, was sie zuerst nur widerwillig tat. Dann belastete sie Wilfried W. Foto: Christian Althoff

Das Gericht hatte jene Frau als Zeugin geladen, die vor 23 Jahren vom Amtsgericht Paderborn zusammen mit Wilfried W. verurteilt worden war . Nach den damaligen Feststellungen des Amtsgerichts hatten die beiden die erste Ehefrau von Wilfried W. in der ehelichen Wohnung über Wochen eingesperrt und auf unvorstellbare Weisen gequält. Wilfried W. musste für 33 Monate ins Gefängnis, seine Komplizin kam mit einer einjährigen Bewährungsstrafe davon.

Nach mehr als zwei Jahrzehnten wurde diese Frau nun gestern von ihrer Vergangenheit eingeholt. Der Vorsitzende Richter Bernd Emminghaus ahnte, wie schwer die Situation für sie sein würde. Er ließ sie deshalb abseits der Öffentlichkeit durch eine Nebentür in den Saal bringen, und die Zeugin durfte vor Gericht Kapuze und Sonnenbrille aufbehalten. »Sie fürchtet um ihren Ruf und ihre Arbeitsstelle, wenn ihre Identität bekannt werden sollte«, sagte ein Anwalt, der als Rechtsbeistand neben ihr saß.

Zeugin weicht allen Fragen aus

Wilfried W. mit zwei Frauen in einer Wohnung, von denen eine bereit ist, zusammen mit ihm die andere Frau zu quälen – die äußeren Umstände von 1994 erinnern an das, was 20 Jahre später im »Horror-Haus« in Höxter-Bosseborn geschah. Die möglichen Parallelen interessierten das Gericht und die übrigen Prozessbeteiligten, doch die erste halbe Stunde der Verhandlung wich die Zeugin allen Fragen aus. Sie zuckte mit den Schultern, sagte, sie könne sich nicht erinnern, erklärte, sie habe »mit der schlimmsten Zeit« ihres Lebens abgeschlossen und längst alles verdrängt. »Das ist schließlich mehr als 20 Jahre her.«

Gutes Zureden nutzte nichts, so dass Oberstaatsanwalt Ralf Meyer der Frau schließlich mit einem Ermittlungsverfahren drohte, falls sie weiterhin behaupte, sich nicht zu erinnern.

Das wirkte. Die Zeugin taute langsam auf und überraschte mit einer Aussage, die die Taten von 1994 in einem anderen Licht erschienen ließ.

»Ich konnte nicht weg, weil da immer sein Schäferhund vor der Tür saß«

Damals sei sie die Freundin von Wilfried W. gewesen, sagte sie. Das erste halbe Jahr sei er normal gewesen, dann sei er gewalttätig geworden. Dass Wilfried W. im Sommer 1994 geheiratet habe, habe sie überhaupt nicht mitbekommen. Eines Tages habe er sie auf der Straße getroffen und mit sich gezogen. »Aus seiner Wohnung musste ich meine Eltern anrufen und ihnen sagen, dass ich bei Wilfried bleibe.« Sie habe dann mehrere Wochen mit ihm und seiner Frau in deren Wohnung gelebt. »Ich konnte nicht weg, weil da immer sein Schäferhund vor der Tür saß.« Außerdem habe Wilfried ihr gedroht, ihren Eltern und ihrer Schwester etwas zu tun, sollte sie fliehen. »Er wollte seine Regeln durchsetzen und zeigen, dass er der Stärkere ist. Es drehte sich alles nur um ihn. Wenn er morgens bestimmt hat, dass es abends Nudeln geben sollte und ich Kartoffeln gekocht habe, wurde er sauer.«

Übliche Misshandlungen seien gewesen, ihr den Arm auf den Rücken zu drehen, ihr die Finger umzubiegen und sie zu schlagen. »Er hat sich auch auf mich gesetzt und mich gewürgt.«

Auf Nachfragen sagte die Zeugin, sie habe sich an den Misshandlungen der Ehefrau beteiligt, um nicht selbst Opfer von Wilfried W. zu werden. »Er hat seine Frau auch mal über Nacht an der Heizung angebunden.« Anders, als im Prozess 1995 von den beiden Angeklagten behauptet, sei die erste Frau von Wilfried auch nicht gewalttätig gewesen. »Nein, da war überhaupt nichts«, sagte die Zeugin.

Je länger die Frau aussagte, um so mehr schien es, als sei es befreiend für sie, das alles einmal loszuwerden. Vielleicht war es gestern ja sogar das erste Mal, dass sie überhaupt über diese Zeit gesprochen hat.

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