Illegale Smartphones im Gefängnis: Auch Wilfried W. wird fotografiert Fotos aus der Zelle

Detmold (WB). Mithäftlingen versuchen offenbar, den Untersuchungsgefangenen Wilfried W. (47) zu Aussagen zu bewegen, die sie mit Handys filmen und verkaufen wollen.

Von Christian Althoff

Darüber hat sich Wilfried W., einer der Angeklagten im »Horror-Haus«-Prozess, beklagt. Er sitzt seit April vergangenen Jahres in der Justizvollzugsanstalt Detmold. Inzwischen kursieren Fotos des Häftlings im Internet. Eines zeigt, wie Wilfried W. eine Zellenwand geschmückt hat – mit Katzen-, Hunde und Pferdefotos und einem großen Wandkalender.

Handys sind im Gefängnis verboten. »Ebenso wie Drogen gelangen sie aber immer wieder in Haftanstalten«, sagt Oliver Burlage, Leiter der JVA Detmold, in der vor allem Verurteilte mit langen Haftstrafen sitzen. »Wir haben in diesem Jahr vier gefunden.« Die JVA (140 Häftlinge) besitze einen zigarettenschachtelgroßen Funkscanner, mit dem man abends, wenn telefoniert werde, durch die Flure gehe. »Ist ein Handy eingeschaltet, zeigt der Scanner das an.« Sanktioniert werde das zum Beispiel mit der Streichung von Freizeitmaßnahmen. »Außerdem setzen wir künftig bei jedem Besuch einen Beamten dazu.«

»In Körperöffnungen geschmuggelt«

Wie kommen die Telefone in die Haftanstalten? »Vor allem kleine Geräte können von Besuchern in Körperöffnungen geschmuggelt werden«, sagt Burlage. Zwar müssten alle Besucher durch einen Scanner gehen, und sie würden auch abgetastet, aber das biete keine hundertprozentige Sicherheit. »Wer geschickt ist, kann ein kleines Gerät während des Besuchs übergeben – auch wenn die Besuchskontakte mit Kameras überwacht werden.«

Kriminelle Rechtsanwälte sind eine weitere Schwachstelle, aber auch Justizvollzugsbeamte geraten gelegentlich in Verdacht. So hatte vor einiger Zeit ein Häftling der JVA Detmold, bei dem ein Telefon gefunden wurde, einen Beamten beschuldigt, ihm das Gerät besorgt zu haben. Da das Handy einen Wert von 70 Euro hatte, der Häftling aber das Doppelte bezahlt haben will, geriet der Häftling in den Verdacht der Bestechung. Das Ermittlungsverfahren gegen ihn und den Beamten wurde aber schließlich von der Staatsanwaltschaft Detmold eingestellt, weil der Gefangene die Aussage verweigerte.

Zehn Handys sichergestellt

Häftlinge dächten sich immer neue Möglichkeiten aus, Telefone zu verbergen, sagt Burlage. »Manche kleben sie unter die Tischplatte oder verstecken sie im Kaffeepulver. Wir haben aber auch schon eine ausgehöhlte Schranktür entdeckt.«

In der deutlich größeren Justizvollzugsanstalt Bielefeld-Brackwede (550 Gefangene) wurden im vergangenen Jahr zehn Handys sichergestellt. JVA-Leiter Uwe Nelle-Cornelsen: »Anfang des Jahres haben wir Handys gefunden, die von außen über die Mauer geworfen worden waren. Der Bereich ist aber für normale Häftlinge gar nicht zu erreichen.«

Burlage sagte, Gefangene besäßen in der Regel Handys nicht, um Fluchtpläne zu schmieden, sondern um Kontakt mit ihrer Familie zu halten.

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