Entwurf für öffentlich geförderten Wohnraum im Kuhbusch geändert Grüne: »Chance verschenkt«

Salzkotten (WB). Für die Grünen ist es eine verschenkte Chance auf modernen, öffentlich geförderten Wohnungsbau, für die CDU ein Kompromiss. In der jüngsten Sitzung des Bau- und Planungsausschusses gab es ein zähes Ringen darum, wie die städtische Freifläche zwischen Wellebach und Nelkenweg bebaut werden soll. Die ursprünglichen Planungen waren bei den Anwohnern auf Kritik gestoßen.

Von Marion Neesen
Auf dieser Freifläche unterhalb des Wellebachs soll öffentlich geförderter Wohnungsbau realisiert werden. Da es in diesem Wohngebiet im Vergleich zu anderen Bereichen im Stadtgebiet nur wenige Grünflächen gibt, sollen 600 Quadratmeter unberührt bleiben.
Auf dieser Freifläche unterhalb des Wellebachs soll öffentlich geförderter Wohnungsbau realisiert werden. Da es in diesem Wohngebiet im Vergleich zu anderen Bereichen im Stadtgebiet nur wenige Grünflächen gibt, sollen 600 Quadratmeter unberührt bleiben.

Der Druck auf dem Wohnungsmarkt ist groß. Auch in Salzkotten mangelt es an günstigem Wohnraum. Bereits im Juli 2017 hatte der Bau- und Planungsausschuss einen Entwurf zur Änderung des Bebauungsplanes Kuhbusch beschlossen, um die Freifläche dem öffentlich geförderten Wohnungsbau zur Verfügung zu stellen. Angedacht waren zwei Mehrfamilienhäuser in zweigeschossiger Bauweise samt Sattelgeschoss und insgesamt etwa 17 Wohneinheiten; ähnlich denen im Baugebiet Bümers Grund. In einer Anwohnerversammlung im Januar stellte sich allerdings heraus, dass den Nachbarn eine solche Bebauung zu klotzig erschien und in dem Wohngebiet als Fremdkörper wirke. Gleichzeitig kritisierten die Anwohner den Verlust der Grünfläche und die unbefriedigende Parksituation auch mit Blick auf die Kindertagesstätte Kuhbusch.

Bau von Reihenhäusern

Daraufhin hatte die CDU-Fraktion für die Sitzung am Dienstag einen Antrag auf Überarbeitung der Pläne gestellt und als mögliche Lösung den Bau von Reihenhäusern vorgeschlagen. Fachbereichsleiter Ludwig Bewermeier stellte in der Sitzung bereits einen ersten Entwurf mit fünf Reihenhäusern vor. Eine Grünfläche von 600 Quadratmetern soll erhalten bleiben, zwölf Stellplätze sollen für die Bediensteten der Kindertagesstätte eingerichtet werden. Auf eine ursprünglich angedachte Tiefgarage soll aufgrund schwieriger Grundwasserverhältnisse verzichtet werden. Ebenso findet ein Wendehammer keine Berücksichtigung mehr.

Wolfgang Dehlinger, Fraktionsvorsitzender der Bündnisgrünen, hätte sich allerdings gewünscht, »mehr aus der Fläche herauszuholen«. Dabei schwebten ihm Wohnmöglichkeiten für alle Generationen von älteren Menschen bis zu Studenten und Familien vor. Auch den Grünen lägen klotzige Wohngebäude fern, vielmehr gehe es darum, auf der relativ großen Fläche modernes Wohnen zu entwickeln. Alfons Ernst (Linke) pflichtete dem bei. Er empfahl, die Pläne noch einmal zu überarbeiten. Denn hier werde ein Städtebaukonzept aus den 1960er/70er Jahren ins Jahr 2020 transportiert. »Reihenhäuser plus Garten entsprechen nicht moderner Städtebauplanung«, sagte Ernst und forderte mehr Lebensqualität.

Wohneinheiten: »etwas dünn«.

Christoph Sonntag (FDP) stimmte ebenfalls den Grünen zu und hielt zudem fünf Wohneinheiten für »etwas dünn«.

»Kann man aus dieser Fläche, die sehr wertvoll ist, nicht noch etwas mehr machen«, stellte Ulrike Weißenborn (SPD) ebenfalls zur Debatte. Möglicherweise ließe sich noch eine andere Variante entwickeln.

Betty Keuper (CDU) erinnerte daran, dass für das Gebiet bereits Baurecht bestehe und man nicht mit den Planungen bei Null anfangen müsse. »Ich kann die Anwohner sehr gut verstehen, wenn sie sich die Entwicklung der Fläche in einer Art und Weise wünschen, wie sie in der Umgebung bereits vorhanden ist«, sagte Keuper. Und ein Wohnen aller Generationen sei im Wohngebiet Kuhbusch längst vorhanden. Wie viele Wohneinheiten letztlich entstünden, müsse der künftige Eigentümer mit dem Kreis Paderborn nach den Richtlinien des geförderten Wohnungsbau aushandeln. »Es kann nicht unsere Absicht sein, ein Wohnobjekt zu errichten, das die Nachbarn schon jetzt ablehnen«, sagte die Christdemokratin.

Unternehmerische Entscheidung

CDU-Fraktionschef Michael Fechtler betonte, dass der Bau von Reihenhäusern ja noch nicht in Stein gemeißelt sei. Das sei eine unternehmerische Entscheidung nach Vorgaben des öffentlichen Wohnungsbaus. Fechtler sah in dem Entwurf eine vernünftige Grundlage.

»Ich wäre traurig, wenn es so enden würde«, bedauerte dennoch Wolfgang Dehlinger. Sein Parteikollege Marc Svensson sah durch die geänderte Planung zu viel Fläche für Verkehrswege verbraucht.

Allein mit den Stimmen der CDU beschloss der Ausschuss schließlich, die Verwaltung möge auf der Grundlage des vorgestellten Entwurfs in das Verfahren der Bebauungsplanänderung einsteigen.

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