Skandal-Rapper bleiben Headliner beim Asta-Festival – Uni diskutiert über Sexismus »Strassenbande« wird nicht ausgeladen

Paderborn (WB). Das Uni-Festival wird am 17. Mai wie geplant über die Bühne gehen. Die Veranstalter haben sich darauf verständigt, die Skandal-Rapper der Formation »187 Strassenbande« nicht auszuladen. Asta und Uni-Präsidium kündigten aber für das kommende Jahr eine sorgfältigere Auswahl der Bands an.

Von Manfred Stienecke
Foto: Manfred Stienecke

In einer von der Studierendenvertretung organisierten Podi-umsdiskussion zum Thema »Gewalt und Sexismus im Rap« verteidigte Uni-Präsidentin Prof. Dr. Birgitt Riegraf am Mittwochabend die Entscheidung des Asta. »Es wäre keine gute Strategie, das Festival jetzt zu verbieten«, sagte sie vor 450 Zuhörern im rappelvollen Hörsaal G. Obwohl die Texte der Hamburger Rap-Formation nur schwer erträglich seien, komme man an einer Auseinandersetzung mit ihnen nicht vorbei. Riegraf kündigte an, dass die Hochschulleitung im nächsten Jahr mit dem Asta die Band-Auswahl besprechen werde.

Eine Absage des jetzigen Festivals sei für den Asta nicht in Frage gekommen, betonte Kulturreferent Dominik Nösner. Man hätte mit unabsehbaren Folgen schließlich auch 15 000 Besucher enttäuscht, die sich für das Sommerfest bereits Karten gekauft hätten und sich auf die Headliner freuten. Der Asta-Vorsitzende Julius Erdmann gab aber zu verstehen, dass man aus dem Proteststurm gegen die »Strassenbande«-Rapper gelernt habe. »Ich werde mir so etwas nicht noch einmal antun. Künftig muss einiges anders laufen.«

Juniorprofessorin Beate Flath (Populäre Musik und Medien) denkt in dieselbe Richtung. »Ich wünsche mir Mut, das Festival ganz anders als bisher zu denken. Die Menschen werden trotzdem kommen«, sagte sie unter dem Beifall der Zuhörer.

Die Rapperin Jennifer Gegenläufer verteidigte provokante Texte in der Rap-Musik, sieht aber bei den Festival-Headlinern klare Frauenfeindlichkeit. Sexismus habe auch im Rap nichts zu suchen. »Man darf in den Texten nicht auf Frauen eintreten.« Am weitesten zeigte noch die wissenschaftliche Mitarbeiterin im Fach Musikwissenschaft, Sarah Schauberger, Verständnis für grenzwertige Rap-Texte. »Das sagt etwas aus über unsere sexistische Gesellschaft. Das ist keine Provokation, sondern harte Realität.«

Der in den Kreis der Diskussionsteilnehmer eingeladene Bildhauer Wilfried Hagebölling unterstützte die Einladung an »187 Strassenbande« mit dem Hinweis darauf, dass die Kunst ohne eine gewisse Schockwirkung nicht auskomme. »Ordnung, Sauberkeit und Anstand sind in der Kunst nicht zu gebrauchen und sogar schädlich«, sagte er zur Überraschung manchen Zuhörers. Die Diskussion empfand er als »moralin und ein bisschen harmlos – eine lahme Veranstaltung!«

Eine vom Fach Musikwissenschaft eingebracht Petition gegen den Auftritt der Rapper fand bislang 1250 Unterstützer.

Die Hamburger Formation »187 Strassenbande« hat sich mit ihren respektlosen Bühnenauftritten und provokanten Texten in den vergangenen zwölf Jahren in die Spitze der Hip-Hop-Szene geboxt. Die Auftritte der fünf Musiker und zwei Sprayer werden dem »Gangsta-Rap« zugerechnet. Rapper Gzuz musste bereits eine dreijährige Haftstraße absitzen. Erst vor gut vier Wochen waren mehrere Wohnungen und ein Lager der Band von der Polizei nach Waffen und Drogen durchsucht worden.

In den oft frauenverachtenden und gewaltverherrlichenden Texten der »187 Strassenbande« geht es im Idiom und Macho-Gehabe von Jugendlichen aus Problembezirken immer wieder um Sauf-, Drogen- und Sex-Exzesse. Offen wird gegen den Staat, die Polizei und die Justiz polemisiert. Die Rapper rufen in ihren gehämmerten Songs die Männer ungeniert dazu auf, »Schlampen zu nageln« und »Dorfschnecken flachzulegen«. »Früher war’n die Weiber hässlich, heute alles Säue«, heißt es in dem Song »High Life«.

Wer sich den Rappern in den Weg stellt, läuft Gefahr, die »Axt ins Bein« zu kriegen oder einen Angriff auf die Gurgel zu riskieren. »Wir schnappen in die Kehle und lassen nicht los.« Dabei lässt die Band durchblicken, dass ihre Bühnen-Show vor allem ein kalkuliertes Geschäft ist. »Reim an Reim gesetzt. Ich glaube, die Scheiße hier macht mich reich«, wird in einem Song gerappt.

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