Paderborner Universitätsleitung distanziert sich von den Texten der Rapper – mit Kommentar Straßenbande sorgt für Stress

Paderborn (WB). So viel Diskussion gab es noch nie über einen Headliner des Asta-Sommerfestivals in Paderborn. Die Hip-Hop-Crew 187 Straßenbande aus Hamburg bringt, wie berichtet, reichlich Zündstoff mit auf die Bühne des studentisch organisierten Campusfestivals, zu dem am 17. Mai wieder 14.000 Besucher erwartet werden.

Von Maike Stahl
Mit 187 Straßenbande kommt Gangsterrap auf die Bühne des Asta-Sommerfestivals. Innerhalb der Uni gibt es eine heftige Debatte. Die einen verurteilen die gewaltverherrlichenden Texte, die anderen freuen sich auf Hip-Hop. Montag: Jörn Hannemann / Fotos: Hannemann, Wikipedia
Mit 187 Straßenbande kommt Gangsterrap auf die Bühne des Asta-Sommerfestivals. Innerhalb der Uni gibt es eine heftige Debatte. Die einen verurteilen die gewaltverherrlichenden Texte, die anderen freuen sich auf Hip-Hop. Montag: Jörn Hannemann / Fotos: Hannemann, Wikipedia

Die Universitätsleitung hat sich bereits von den provokanten Texten der Gangsterrapper distanziert. »Die Texte sind menschenverachtend, sexistisch und gewaltverherrlichend«, begründet Uni-Präsidentin Prof. Dr. Birgitt Riegraf die Haltung der Hochschule. »Man kann nicht so tun, als würde man das nicht hören.« Dennoch sei die Straßenbande gerade bei dem jüngeren Publikum beliebt. »Mit dieser Frage, was die jungen Menschen daran so anziehend finden, müssen wir uns auseinandersetzen«, sagt Riegraf.

Uni-Präsidentin Prof. Dr. Birgitt Riegraf. Foto: Jörn Hannemann

Um das Phänomen aufzuarbeiten, das auch in der Debatte rund um die Echo-Verleihung an die Rapper Kollegah und Farid Bang sichtbar wurde, haben Asta und Universitätsleitung eine begleitende Aufarbeitung des Themas vereinbart. Unter anderem wird es am Mittwoch, 9. Mai, (19 Uhr, Hörsaal G) eine öffentliche Podiumsdiskussion zum Thema »Gewalt und Menschenverachtung, Homophobie und Sexismus im Gangsterrap« geben, an der auch Birgitt Riegraf und Asta-Vorsitzender Julius Erdmann teilnehmen werden.

Der Asta selbst als Veranstalter des Sommerfestivals ist von der Heftigkeit der Debatte über die Verpflichtung der Straßenbande überrascht worden. »Bei der Entscheidung für 187 Straßenbande waren wir von den Pop-Songs wie ›Ohne mein Team‹ und ›Palmen aus Plastik‹ geleitet, durch die die Gruppe bekannt geworden ist«, schreibt die Studentenvertretung in einer am Freitag veröffentlichten Stellungnahme. Man wolle nichts relativieren, müsse aber zur Kenntnis nehmen, dass der Headliner beim Publikum »gezogen« hat. Im Vergleich zu den Vorjahren seien an den ersten Tagen deutlich mehr Karten verkauft worden. Gerade deshalb sei es wichtig, jetzt zusammenzukommen und zu reden.

»Natürlich steht Gangsterrap für kalkulierte Grenzüberschreitungen in den Texten, aber man muss sich nicht alles gefallen lassen«, sagt Prof. Dr. Volker Peckhaus zu der Debatte. Er ist Dekan der Kulturwissenschaftlichen Fakultät, die eine Resolution gegen den Auftritt der 187 Straßenbande verabschiedet hat. »Deren Texte werden nach Auffassung unserer Experten nicht von der Kunstfreiheit gedeckt.« Deshalb sei ein Auftritt auf dem Campus der Uni, die für Menschenwürde und Toleranz einstehe, nicht angemessen. Er persönlich werde das Festival jedenfalls zum ersten Mal nach elf Jahren nicht besuchen.

Diese Auffassung teilt das Musikwissenschaftliche Seminar Detmold/Paderborn, das eine Online-Petition gegen den Auftritt der Straßenbande unter dem Titel »Sexismus ist keine Meinung – Sexismus ist keine Kunst« gestartet hat. Am Freitag gab es 800 Unterzeichner. Ins Leben gerufen wurde unterdessen aber auch eine Online-Petition für den Auftritt mit dem Titel »Kunstfreiheit ist Grundrecht«, die kurz nach dem Start 25 Unterstützer hatte.

Kommentar

Für die 187 Straßenbande könnte es gar nicht besser laufen: Sie hat mit ihren provokanten Texten auch in Paderborn das erreicht, was sie vermutlich mit den Grenzüberschreitungen bezweckt: maximale Publicity. Dass der Headliner angesichts der rund um die Echo-Verleihung entbrannten Diskussion über Grenzen der künstlerischen Freiheit in die Kritik geraten würde, war abzusehen. Und diese Auseinandersetzung mit dem Thema ist gut. Unileitung und Asta haben einen guten Weg gefunden, mit der Debatte umzugehen. Sie ermuntern zum Diskurs über ein gerade besonders relevantes gesellschaftliches Thema. Das steht einer Hochschule gut zu Gesicht. So kann sich jeder selbst ein Bild machen. Maike Stahl

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Mir selbst ist das Musikgenre Hiphop und Rap bekannt und ich habe nichts gegen die manchmal stark sinnfreien Battlelyrics. Diese Gruppe hat aber meiner Meinung nach jedoch nichts auf einem Uni- oder anderem Festival mit gewissem geistigen oder kulturellem Anspruch zu suchen.

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