Kommentar zur Evakuierung in Paderborn Wir müssen dankbar sein

Faul, lustlos, inkompetent – wer solche und ähnliche Vorurteile über Beamte und andere Staatsbeschäftigte hat, muss an diesem Montagmorgen Abbitte leisten, wenn er es denn ehrlich meint.

Die Entschärfer strahlen vor der gebändigten Bombe: Karl-Heinz Clemens, Gerd Matthee und Rainer Woitschek.
Die Entschärfer strahlen vor der gebändigten Bombe: Karl-Heinz Clemens, Gerd Matthee und Rainer Woitschek. Foto: Jörn Hannemann

Was Stadt, Kreis, Polizei und Feuerwehr in Paderborn auf die Beine gestellt haben, um mehr als 26.000 Menschen in Sicherheit zu bringen, verdient ein riesiges Lob. Doch das große Werk konnte nur gelingen, weil auch viele Ehrenamtliche an einem Strang zogen und sich die unterschiedlichsten Menschen wie Pfleger, Hausmeister, Ärzte und Busfahrer engagierten. Nicht zu vergessen die drei Entschärfer, die den gefährlichsten Job aller Beteiligten hatten.

Blindgänger sind auch mehr als sieben Jahrzehnte nach Ende des Zweiten Weltkriegs keine Seltenheit. Vier dieser tückischen Bomben werden im Durchschnitt jeden Tag in NRW entdeckt und meistens ohne größere Beeinträchtigung der Bevölkerung entschärft. Das war in Paderborn ganz anders. Ein dicht besiedeltes Gebiet, in dem eine Universität, Krankenhäuser und Altenheime liegen – das war die Herausforderung, vor der der Krisenstab und alle Beteiligten in den vergangenen zehn Tagen standen.

Von Anfang an war da ein riesiges Wir-Gefühl. Es gab nicht nur offizielle Hilfsangebote wie das des Edith-Stein-Berufskollegs, Senioren, die sonst zu Hause gepflegt werden, zu betreuen. Menschen boten Wildfremden an, sie aufzunehmen, sich um ihre Haustiere zu kümmern, etwas mit ihnen zu unternehmen. Nicht alle Angebote – ob private oder staatliche – wurden genutzt, was aber den Dank an die vielen Hilfsbereiten nicht schmälert.

Ganz klar: Bei einem Riesenunterfangen wie dem vom Wochenende hakt es auch mal an der einen oder anderen Stelle. Es war für ältere Angehörige von Schwerkranken beschwerlich, in andere Städte fahren zu müssen, um den geliebten Menschen besuchen zu können. Und auch der Tod einer Patientin überschattete den Tag – wenn auch ihr Sterben nach allem, was bekannt ist, nichts mit ihrer Verlegung zu tun hatte. Aber es gab nun einmal keine Alternative zur Evakuierung.

Wir müssen dankbar sein, dass an diesem Sonntag in Paderborn alles gutgegangen ist, während die Menschen im nur 85 Kilometer Luftlinie entfernten Münster ein schwarzes Wochenende mit Toten und Verletzten erleben mussten.

www.westfalen-blatt.de/Bombenfund

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.