Nach dem Bombenfund: Paderborn bereitet sich auf Evakuierung vor – mit Video Viele wollen helfen

Paderborn (WB). Ein Sicherheitsdienst bewacht jetzt  das Einfamilienhaus der Familie Werth an der Peter-Hille-Straße in Paderborn. Außerdem ordnete Bürgermeister Michael Dreier die Sperrung der kleinen Straße für fremde Autos an.

Von Christian Althoff
Katja und Stefan Werth vor ihrem Haus von 1958: Hinten im Garten steht der gelbe Bagger der Entschärfer.
Katja und Stefan Werth vor ihrem Haus von 1958: Hinten im Garten steht der gelbe Bagger der Entschärfer. Foto: Jörn Hannemann

»Der Sensationstourismus belastet die Familie seit Tagen. Das wollten wir nicht länger hinnehmen«, sagte der Bürgermeister.

Mehrere Einladungen

Der gelbe Minibagger des Kampfmittelräumdienstes, der hinter dem Haus im Garten steht, lässt erkennen, wo die 1,8-Tonnen-Bombe aus dem Zweiten Weltkrieg am vergangenen Mittwoch gefunden wurde. Lehrer Stefan Werth (40): »Einen Tag vorher hatte die Ärztin meiner Frau geraten, sich in den letzten sieben Wochen ihrer Schwangerschaft nicht mehr aufzuregen – und dann das!« Der Bombenfund belastet die Familie von Tag zu Tag mehr. »Inzwischen denken wir sogar darüber nach, was passiert, wenn am Sonntag nicht alles glatt gehen sollte«, sagt der 40-Jährige.

Wohin Stefan und Katja Werth (31) mit ihrer Tochter Mira (2) während der Entschärfung fahren werden, wollen sie am Mittwoch entscheiden. Die Lehrerin: »Wir haben mehrere Einladungen bekommen. Selbst der Arzt im Johannisstift, bei dem ich mich für die Geburt angemeldet habe, wollte uns eine Wohnung zur Verfügung stellen.«

Bürgermeister: vorbildliches Engagement

Die Hilfsbereitschaft sei unglaublich, bestätigt Bürgermeister Michael Dreier. »Es melden sich Bürger, Vereine, Kirchen und private Initiativen. Sie bieten uns Räume an, um Menschen unterzubringen, oder sie sind bereit, sich am Sonntag um Betroffene zu kümmern.« Dieses bürgerschaftliche Engagement sei vorbildlich, sagte Dreier, und die Stadt bemühe sich, alle Angebote über das Bürgermeisterbüro zu koordinieren. »Trotzdem bitte ich schon jetzt um Verständnis, wenn wir aus organisatorischen Gründen nicht jede Hilfe annehmen können.« So habe man sich über das Angebot der Hochschule Ostwestfalen-Lippe gefreut, Menschen in Lemgo, Detmold und Höxter aufzunehmen und zu versorgen. »Aber die Entfernungen sind zu groß. Wir hätten zu viele Busse benötigt«, sagte Ordnungsamtsleiter Udo Olschewski.

 Krankenhäuser in umliegenden Städten bereiten sich seit vergangener Woche darauf vor, mehrere hundert Patienten aus evakuierten Paderborner Kliniken aufzunehmen. »Wenn das medizinisch vertretbar ist, werden Entlassungen vorgezogen«, sagte Ordnungsamtschef Udo Olschewski. Außerdem werde in größere Zimmer ein Bett mehr hineingeschoben, und vielleicht müsse auch der eine oder andere ein paar Stunden auf dem Flur verbringen. »Anders geht es leider nicht.«

Polizei fährt Streife

Sorgen macht sich der Krisenstab im Moment noch um Menschen, die mehr oder weniger hilflos sind und in ihrer Wohnung von Familienmitgliedern oder auswärtigen Pflegediensten betreut werden. Ordnungsamtsleiter Olschewski: »Solche Pflegefälle werden nirgendwo zentral erfasst. Wir kennen sie nicht. Wir bitten deshalb Nachbarn und Angehörige, die um einen solchen Menschen wissen, uns unter der Nummer 05251/880 anzurufen, damit wir den Transport aus der Sperrzone organisieren können.«

Sichergestellt ist dagegen bereits, dass die Polizei am Sonntag ein Auge auf die verlassenen Häuser und Wohnungen haben wird, um Einbrüche und Plünderungen möglichst zu verhindern. Olschewski: »Die Polizei wird mit etlichen Streifenwagen in der evakuierten Sperrzone patrouillieren. Nur während der eigentlichen Entschärfung, die voraussichtlich bis zu zwei Stunden dauern wird, dürfen sich auch Polizisten nicht im Sperrgebiet aufhalten.« Dieses Restrisiko sei nicht zu vermeiden.

Hilfsangebote

»Wollen Sie helfen?« So haben wir in der Osterausgabe gefragt. Mittlerweile sind schon mehr als 30 Angebote von Privatleuten und Firmen eingegangen, die den von der Evakuierung am Sonntag betroffenen Anliegern die Wartezeit verkürzen wollen.

Alle Kontaktdaten der Personen und Unternehmen, die sich gemeldet haben,  finden Sie hier. Die Liste wird ständig aktualisiert. Angebote, für die bereits ausreichend Interessenten gefunden sind, werden entsprechend markiert.

 Die Stadt Paderborn hat am Dienstag das bürgerschaftliche Engagement für die Betroffenen der Evakuierung gelobt. Die Stadt selbst hat auf www.paderborn.de eine Kontaktbörse eingerichtet, und auf Facebook bringt die Gruppe »Bombenentschärfung Paderborn« Menschen zusammen.

www.westfalen-blatt.de/OWL/Bombenfund-Paderborn

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