Bombenfund: Wer kann, sollte Paderborn am 8. April verlassen So soll die Evakuierung in Paderborn ablaufen

Paderborn (WB). »Ich habe immer geahnt, dass mal so ein dickes Ding gefunden wird«, sagt Udo Olschewski. Der Bombenfund sei eine ernste, ja, sogar eine sehr ernste Situation. Panik sei aber nicht angebracht, betont Paderborns Ordnungsamtschef. Der Krisenstab und er bereiteten alles vor, damit die größte Evakuierung der Nachkriegszeit in der Stadtgeschichte möglichst reibungslos verläuft.

Von Per Lütje
In der Nähe der Paderborner Universität wurde bei Gartenarbeiten die 1,8 Tonnen schwere Fliegerbombe entdeckt. Ein Minibagger des Kampfmittelbeseitigungsdienstes steht bereits parat. Im Umkreis von 1,5 Kilometern wird evakuiert..
In der Nähe der Paderborner Universität wurde bei Gartenarbeiten die 1,8 Tonnen schwere Fliegerbombe entdeckt. Ein Minibagger des Kampfmittelbeseitigungsdienstes steht bereits parat. Im Umkreis von 1,5 Kilometern wird evakuiert.. Foto: Jörn Hannemann

WB verbindet am 8. April

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Eine Räumung in dieser Dimension sei auch für den 63-Jährigen bislang beispiellos: In den 60er Jahren seien nach dem Fund einer Fliegerbombe im Bereich der Borchener Straße etwa 4000 Menschen im Evakuierungsbereich gewesen. »Das ist jetzt aber nochmal eine ganz andere Hausnummer.«

In einem Krisenstab, in dem unter anderem Feuerwehr, Polizei, Stadt und Kreis Paderborn sowie Hilfsorganisationen wie Johanniter, Malteser und Rotes Kreuz vertreten sind, wird der 8. April – der Tag der Bombenentschärfung – ­akribisch geplant. »Wir haben Glück, dass von der Bombe keine unmittelbare Gefahr ausgeht und sich die Bevölkerung auf die Evakuierung vorbereiten kann«, sagt der Ordnungsamtschef.

Um 8 Uhr soll es losgehen

An dem besagten Sonntag in einer Woche soll das Prozedere voraussichtlich um 8 Uhr morgens anlaufen. »Dann werden die Straßen gesperrt und die Bewohner aufgefordert, ihre Häuser und Wohnungen zu verlassen«, sagt Udo Olschewski. Dies werde anschließend auch von Sicherheitsdiensten kontrolliert.

Das Räumungsgebiet ist mit drei Kilometern Durchmesser riesig und reicht nach Angaben von Stadtsprecher Jens Reinhardt von der B64 bis zum Paderwall in der einen und von der Borchener Straße bis zum Dörener Feld in der anderen Richtung.

Die Bombenentschärfung, die am Nachmittag erfolgen soll, dürfte laut Olschewski etwa 1,5 bis zwei Stunden dauern. Der Abtransport sei für den Abend geplant, und erst dann dürfen die Anwohner wieder zurückkehren. »Wer kann, soll sich also für diesen Tag etwas Schönes vornehmen, aber möglichst nicht in Paderborn«, sagt der 63-Jährige.

Auch Bahnen und Flüge betroffen

Betroffen ist – zumindest für die Zeit der Entschärfung – auch der Bahn- und Flugverkehr. So werden sowohl die Bahnstrecken im Evakuierungsbereich als auch der komplette Luftraum über der Stadt Paderborn gesperrt.

Dass praktisch unter ihren Füßen eine Bombe tickt, dürfte auch für die Bewohner des Einfamilienhauses, auf deren Grundstück – südlich der Uni – die gefährliche Kriegslast gefunden wurde, ein Schock gewesen sein.

Danach befand sich der Blindgänger lediglich in 80 Zentimetern Tiefe und wurde am Mittwochnachmittag während Gartenbauarbeiten gefunden. »Sie wurde zunächst für einen alten Gasboiler gehalten«, sagt Ordnungsamtschef Olschews­ki. Doch zum Glück noch rechtzeitig dämmerte es den Beteiligten, auf welch hochexplosiven Fund sie da gestoßen waren.

Flugblätter an Betroffene

Den genauen Ablauf der Evakuierung am 8. April will die Stadt Mitte nächster Woche bekannt geben. Auch sollen alle betroffenen Haushalte noch mit Flugblättern informiert werden. Ein nächstes Koordinierungstreffen ist für Dienstag geplant.

Kommentare

Also, ich könnte jetzt nicht mehr ruhig schlafen.
Jeden Tag der Gedanke, in meinem Garten liegt eine
scharfe Bombe mit gleich 3 Zündern. Zündet einer, zünden
auch die anderen, es gibt einen Knall, und alles rund um den
Garten fällt in sich zusammen - gruselig.

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