Fachärzte informieren, warum trotzdem 30.000 Menschen pro Jahr daran sterben »Darmkrebs ist zu 100 Prozent heilbar«

Paderborn (WB). Was viele Menschen nicht wissen: Rechtzeitig erkannt, ist Darmkrebs nahezu uneingeschränkt heilbar. Warum sterben dann bundesweit trotzdem 30.000 Menschen pro Jahr daran? Diese und viele andere Fragen beantworten Prof. Jobst Greeve, Dr. Hartmut Lazar und Dr. Hubert Scheuerlein vom Vincenz-Darmzentrum im Heinz-Nixdorf-Museumsforum.

Von Besim Mazhiqi
Informieren über Vorsorge und Therapie von Darmkrebs (von links): Dr. Hartmut Lazar, Prof. Jobst Greeve und Dr. Hubert Scheuerlein. Im Falle einer Ja-Antwort beim Selbsttest (rechtes Foto), raten die Fachärzte zur Durchführung einer Darmkrebsvorsorge.
Informieren über Vorsorge und Therapie von Darmkrebs (von links): Dr. Hartmut Lazar, Prof. Jobst Greeve und Dr. Hubert Scheuerlein. Im Falle einer Ja-Antwort beim Selbsttest (rechtes Foto), raten die Fachärzte zur Durchführung einer Darmkrebsvorsorge. Foto: Mazhiqi

Darmkrebsvorsorge lohnt sich, weil...?

...man viel Zeit zur Früherkennung hat. Darmkrebs entwickelt sich langsam, meistens innerhalb von fünf bis zehn Jahren. Erkennt man ihn im Anfangsstadium, ist er sehr gut heilbar. Dann liegen die Heilungschancen bei 100 Prozent.

Warum erkranken trotzdem jährlich 70.000 Menschen an Darmkrebs, von denen mehr als ein Drittel dann auch stirbt?

Die Leute gehen nicht zur Vorsorge. Das hat vor allem drei Gründe. Es kursiert eine grundlose Furcht vor der Entleerung, die vor der Untersuchung des Darms notwendig ist. Heutige Mittel sind gut verträglich und geschmacklich einwandfrei. Zum anderen ist alles, was mit dem Darm zu tun hat, ein Tabuthema für viele. Zudem herrscht die gängige Auffassung, dass die Darmspiegelung gefährlich sei und man sich verletzen könne. Das ist Quatsch. Sie ist risikoarm und unter Bewusstseins- und Schmerzabschirmung durchführbar.

Wer kann Darmkrebs bekommen?

Jeder! Ab Mitte 50 nimmt das Risiko der Erkrankung zu. Umweltfaktoren spielen natürlich auch eine Rolle. Fleischreiche, faserarme, hochkalorische Ernährung sowie Bewegungsarmut, Rauchen und Alkoholgenuss begünstigen das Entstehen von Darmkrebs. Ist ein Familienmitglied bereits betroffen, liegt das eigene Erkrankungsrisiko sowieso bis zu dreimal höher.

Wie macht sich Darmkrebs bemerkbar?

Im Frühstadium merkt man nichts, das ist das Problem. Veränderte Stuhlgewohnheiten treten erst in fortgeschrittenen Stadien auf. Genauso wie Blut im Stuhl, Blutarmut oder Schmerzen. Dann sinken die Heilungschancen extrem.

Was also tun?

Zur Vorsorge gehen! Durch die Darmspiegelung kann der gesamte Dickdarm, der am häufigsten von Krebsgeschwüren befallen wird, gut eingesehen werden. Dazu werden heute hochauflösende Kameras eingesetzt. Polypen, Wucherungen im Darm, aus denen sich der Krebs entwickelt, können dann direkt entfernt werden, ohne dass der Patient davon etwas merkt. Nach dieser Behandlung ist er quasi vom Darmkrebs befreit.

Viele erwägen die Computer-Tomografie als Alternative. Warum bevorzugen Sie die Darmspiegelung?

Die hohe Strahlenbelastung bei der Computer-Tomografie ist für die Vorsorge nicht geeignet. Kleine oder flache Polypen werden schnell übersehen oder missgedeutet und können nicht sofort abgetragen werden. Die Patienten müssen bei einem positivem Befund also doppelt untersucht werden. Das ist eine Belastung.

Ab welchem Alter übernimmt die Krankenkasse die Vorsorgeuntersuchung?

Nach den Richtlinien zur Früherkennung von Darmkrebs haben gesetzlich Versicherte ab dem 50. Lebensjahr Anspruch auf die jährliche Durchführung eines Schnelltests auf verborgenes Blut im Stuhl. Ab dem 56. Lebensjahr besteht die Möglichkeit zur kostenlosen Vorsorge-Darmspiegelung. Bei Symptomen jederzeit früher. Gibt es Vorerkrankungen in der Familie, dürfen Verwandte die Untersuchung auch eher in Anspruch nehmen.

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.