Paderborner Ärztin Dr. Marianne Ortner legt Gartenparadies in Holstein an Meditation im Moor

Paderborn (WB). Marianne Ortner ist eine leidenschaftliche Gartenfreundin. Als Allgemeinärztin weiß sie, dass der Aufenthalt in der Natur für Körper und Geist wichtig ist. Darüber schreibt sie in einem philosophischen Gartenbuch.

Von Manfred Stienecke
Dr. Marianne Ortner in ihrem Privatgarten an der Leostraße in Paderborn.
Dr. Marianne Ortner in ihrem Privatgarten an der Leostraße in Paderborn. Foto: Stienecke

Fast 30 Jahre lang hat die promovierte Physikerin, Philosophin und Medizinerin an der Leostraße in Paderborn ihre Praxis geführt. Seit neun Jahren befindet sie sich nun im Ruhestand – und kann sich verstärkt ihrer Passion, der Gartengestaltung, widmen. Wie sie dabei vorgeht und was die grünen Oasen dem Besucher bedeuten, hat sie in ihrem philosophischen Gartenbuch mit dem Titel »Faszination des Lebens« dargelegt. Vor einer Woche erst hat sie dafür den Deutschen Gartenbuchpreis in der Kategorie »Gartenprosa« und einen Sonderpreis »für außergewöhnliche Leistungen in der Gartenliteratur« gewonnen.

Grundlage der Ausführungen ist der von ihr selbst in Albersdorf (Kreis Dithmarschen) angelegte »Garten des Lebens«. Auf einem 7000 Quadratmeter großen, brach liegenden Grundstück schuf die 74-Jährige eine grüne Oase mit 22 »Gartenzimmern«, die jeweils unter einem bestimmten Thema stehen. Durch eine der Topografie und dem natürlichen Bewuchs entsprechende Bepflanzung und künstlerische Gestaltung mit Skulpturen und Mobiliar sind jeweils unterschiedliche Meditationsbereiche entstanden, die zum Innehalten, zum Staunen und Nachdenken einladen wollen.

Gartenparadies war ursprünglich eine alte Kiesgrube

Besucher bewegen sich in der Anlage, die mittlerweile vom Land Schleswig-Holstein in eine touristische Garten-Route aufgenommen worden ist, durch Kleinräume, die thematisch der Kindheit, der Liebe und dem Frieden, aber auch der Trauer, der Not und der Trennung zugeordnet sind. »Die einzelnen Räume bringen durch charakteristische Bäume und Pflanzen, Figuren und in Stein gemeißelte Sinnsprüche das Wesentliche des Lebens zum Ausdruck«, sagt Marianne Ortner. Zu jedem ihrer 22 »Gartenzimmer« eröffnet die Autorin in ihrem Buch meditative Zugänge.

Das heute üppig blühende und grünende Gartenparadies war ursprünglich eine Wüstung. Nach dem Abbau von Sand und Kies in den sechziger Jahren wurde die Kuhle nicht rekultiviert, sondern mit Abfall gefüllt. Als Marianne Ortner das Gelände übernahm und sich dazu entschloss, hier einen Park anzulegen, musste die Fläche zunächst eingeebnet und von Unrat befreit werden.

Immer wieder Rückschläge bei der Parkgestaltung

Auch nachdem im Winter 2006/07 die ersten Hecken gepflanzt waren, blieb das Gelände nicht von Rückschlägen verschont. Im Oktober 2008 wurde der Park nach tagelangem Dauerregen überschwemmt und stand drei Wochen lang unter Wasser. »Der Wasserstand war teilweise 1,20 Meter hoch«, erinnert sich die Autorin. »Viele Blumen und Bäume wurden zerstört.«

Doch Marianne Ortner ließ sich nicht entmutigen und setzte ihr Vorhaben fort. Heute gedeihen mehr als 150 verschiedene Bäume und Büsche in ihrem Park. Sie selbst kümmert sich in den Sommermonaten um die Anlage und führt Besucher durch ihren Garten. Inzwischen hat sie noch einen 23. Gartenraum zum Thema »Stille« in Form eines Fisches angelegt. Mit dem 24. Themenraum »Weg der Suchenden« will sie ihre Freianlage komplettieren.

Marianne Ortners Buch »Faszination des Lebens« ist 2017 in der Husum-Verlagsgesellschaft erschienen. Es hat 160 Seiten und kostet 14,95 Euro.

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