»Anteil der Migranten auf 75 Prozent gestiegen« – Kritik aus OWL Essener Tafel nimmt nur noch Deutsche auf

Essen/Paderborn (epd/WB). Die Essener Tafel hat einen Aufnahmestopp für Ausländer verhängt und nimmt bis auf weiteres nur Bedürftige mit deutschem Pass als neue Kunden auf.

Symbolbild.
Symbolbild. Foto: Caroline Seidel/dpa

Der Anteil der Migranten unter den 6.000 Nutzern der Tafel sei auf 75 Prozent gestiegen, erklärte die Tafel zur Begründung. »Um eine vernünftige Integration zu gewährleisten«, sehe sich die Tafel gezwungen, »zurzeit nur Kunden mit deutschem Personalausweis aufzunehmen«. Der Landesverband der Tafeln in NRW, der im gleichen Haus wie die Essener Tafel residiert, zeigte Verständnis für den Schritt und verwies auf den großen Andrang bei den Tafeln.

Kritik übte dagegen die Partei »Die Linke«. Es dürfe »nicht von der Herkunft abhängen, ob Menschen Nutzer der Tafel werden«, sagte Jules El-Khatiber, Mitglied im nordrhein-westfälischen Landesvorstand.

Auch in Ostwestfalen-Lippe stößt das Vorgehen der Essener Tafel auf Widerspruch. »So etwas geht überhaupt nicht«, meint Uwe Hoffmann, Vorsitzender und Gründer der Tafel in Paderborn. Sie versorgt wöchentlich 3000 Kunden in der Domstadt – Tendenz steigend. »Wenn es da eine Verdrängung vor Ort gegeben hat, dann muss man das anders klären, aber nicht bedürftige Neubürger dafür bestrafen.«

Schleichender Verdrängungsprozess

In Essen sieht man das anders: »Wir wollen, dass auch die deutsche Oma weiter zu uns kommt«, sagte der Vorsitzende der Essener Tafel, Jörg Sartor, der »WAZ«. In den vergangenen zwei Jahren seien ältere Tafel-Nutzer sowie alleinerziehende Mütter offenbar einem schleichenden Verdrängungsprozess zum Opfer gefallen. Nachfragen hätten ergeben, dass sich gerade ältere Nutzerinnen von der Vielzahl junger, fremdsprachiger Männer an den Ausgabestellen abgeschreckt fühlten.

Vor dem Beginn des starken Flüchtlingszuzugs 2015 sei jeder dritte Tafel-Kunde Zuwanderer oder Flüchtling gewesen, sagte Sartor der Zeitung. Inzwischen mache diese Gruppe aber drei Viertel aller Bedürftigen aus, die von der Tafel Lebensmittel erhalten. Daher habe der Vorstand im Dezember beschlossen, nur noch deutsche Kunden neu aufzunehmen. Dies werde seit Mitte Januar umgesetzt und zwar »so lange, bis die Waage wieder ausgeglichen ist«.

Die stellvertretende Vorsitzende des Landesverbandes der Tafeln in NRW, Claudia Manousek, zeigte Verständnis für den Schritt der Essener Tafel. Der Andrang an den Tafeln im Land sei in den vergangenen Monaten einfach zu groß geworden. In Städten wie etwa Dortmund gebe es deshalb eine Warteliste, Neukunden würden dort derzeit nicht mehr aufgenommen. Die Maßnahme der Essener Tafel sei jedoch nur vorübergehend, betonte Manousek. Der Vorsitzende der Tafel habe ihr bereits erklärt, dass der Aufnahmestopp für Migranten vermutlich in sechs Wochen wieder aufgehoben werden könne.

Starke Kritik an Essener Tafel für Aufnahmestopp gegenüber Migranten

Nach dem Aufnahmestopp für Migranten bei der Essener Tafel hagelt es Kritik an der Entscheidung des Vereins. »Viele ausländische Mitbürger befinden sich in Notsituationen. Sie auszuschließen finde ich entsetzlich«, sagte der Miguel Martin González Kliefken (CDU) vom Essener Integrationsrat der »Bild«-Zeitung. Zuvor hatten die Grünen in Essen die Entscheidung der Tafel als nicht nachvollziehbar bezeichnet.

»Ausschlaggebendes Kriterium dafür, wer die Tafel nutzen darf, sollte allein die nachgewiesene Bedürftigkeit der Kunden und Kundinnen sein«, forderte Christine Müller-Hechfellner von der Ratsfraktion der Grünen. Dass der Anteil der Menschen mit Migrationshintergrund an dieser Gruppe besonders hoch sei, könne auch kaum überraschen, denn diese Zahlen spiegelten die soziale Wirklichkeit in der Gesellschaft.

Das Straßenmagazin »fiftyfifty« will Abgewiesenen eine anwaltliche Unterstützung bieten. »Es ist schon schlimm genug, dass arme Menschen in einem reichen Land wie Deutschland auf Lebensmittelspenden angewiesen sind. Dass jetzt allerdings der Pass entscheidet, ob jemand etwas zu Essen bekommt, wenn er Hunger hat, ist unhaltbar und menschenverachtend«, erklärte Julia von Lindern, Sozialarbeiterin bei »fiftyfifty«. Die Essener Tafel verstoße gegen die eigenen Statuten.

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.