85 »neue« Werke aufgetaucht – jetzt erstmals zu sehen Der unbekannte Willy Lucas

Paderborn (WB). Der heimische Maler Willy Lucas (1884-1918) hat viel mehr Werke hinterlassen als die Kunstexperten ahnten. Akribische Nachforschungen haben zuletzt 85 »verschollene« Bilder ans Tageslicht gebracht.

Von Manfred Stienecke
Der Impressionist Willy Lucas (1884-1918) begab sich mit der Staffelei immer wieder ans Wasser. Viele seiner Szenen und Landschaften entstanden an Flüssen und Kanälen, an Seen oder in Häfen. In seinen letzten Lebensjahren war er ständig unterwegs.
Der Impressionist Willy Lucas (1884-1918) begab sich mit der Staffelei immer wieder ans Wasser. Viele seiner Szenen und Landschaften entstanden an Flüssen und Kanälen, an Seen oder in Häfen. In seinen letzten Lebensjahren war er ständig unterwegs.

Nur acht Jahre nach der großen Ausstellung anlässlich des 125. Geburtstags von Willy Lucas zeigt die Stadt erneut eine umfangreiche Werkschau des heimischen Künstlers. Das Besondere: Keines der jetzt gezeigten Bilder war zuvor schon einmal in Paderborn zu sehen. Zum 100. Todestag erinnert das Kulturamt mit den wiederentdeckten Arbeiten an den Paderborner Impressionisten. Die Schau »Neues von Willy Lucas« wird morgen um 19 Uhr in der Städtischen Galerie in der Reithalle Schloß Neuhaus eröffnet. Sie dauert bis zum 21. Mai.

Als man für die 2009 gezeigte Jubiläumsausstellung zum 125. Lucas-Geburtstag zugleich die Erarbeitung eines lückenlosen Werkverzeichnisses des Künstlers in Angriff nahm, konnte niemand ahnen, dass die damals bekannten 509 Bilder nur ein Etappenziel bei der Auflistung des Gesamtwerks sein würden. »Kaum war das Werkverzeichnis raus, da meldeten sich von überall her Besitzer von Lucas-Bildern, die uns nicht bekannt waren«, schildert Galerieleiterin Dr. Andrea Wandschneider den Beginn einer umfangreichen neuen Recherche, die es ermöglichte, 85 weitere Gemälde dem Paderborner Maler zuzuordnen. Damit ist das bekannte Oeuvre des Malers auf aktuell 594 Bilder angewachsen.

Hinweise auf zuvor nicht erfasste Lucas-Bilder kamen nicht nur aus der Region, sondern aus ganz Deutschland und sogar aus England und Österreich. »Merkwürdig war dabei, dass gerade die Bildbesitzer aus Paderborn gar nicht selbst auf uns zugekommen sind«, berichtet Andrea Wandschneider. Hier habe oft der Zufall geholfen. Im Laufe der Jahre habe man Hinweise auf 90 unbekannte Lucas-Bilder erhalten, von denen gut die Hälfte aus der engeren Region gekommen seien.

»Natürlich waren da, wie das eigentlich immer vorkommt, auch ein paar Fälschungen darunter«, erzählt die Paderborner Kunsthistorikerin. Durch die Arbeit am 2010 erschienenen Werkverzeichnis habe man Erfahrungen gesammelt, wie man einem falschen Lucas auf die Spur kommen kann. Jeder Künstler habe seinen ganz eigenen Mal-Duktus und Pinselstrich. Wenn Lucas-ähnliche Bilder nachträglich mit seiner Signatur versehen würden, lasse sich das relativ einfach entlarven.

Mit Hilfe der Paderborner Restauratorin Marion Wolfram konnte Andrea Wandschneider 85 der 90 bekannt gewordenen Bilder dem Künstler zuordnen. »In Zweifelsfällen haben wir die Werke als ‘Zuschreibungen’ aufgeführt«, sagt sie. Der Nachtragsband zum Werkverzeichnis wurde ganz wesentlich von der Sparkasse Paderborn finanziert. Er ist rechtzeitig zur Ausstellungseröffnung fertig geworden und zum Preis von 18 Euro in der Galerie erhältlich.

Alle Werkverzeichnisse bezogen sich lange auf ein Fotoalbum mit den Ablichtungen angekaufter Lucas-Bilder, das der Künstlerfreund und Sammler Heinrich Becker angelegt hatte. Jetzt wurden zwei weitere Bilder aus dem ursprünglichen Besitz des Paderborner Bäckermeisters wiedergefunden.

Zu den Sammlern des Paderborner Impressionisten gehörte auch der jüdische Bekleidungshersteller Julius Mosberg in Bielefeld, der ins KZ Theresienstadt verschleppt wurde und dort umgekommen ist. Auch eines der Bilder aus seiner Sammlung (»Frauentorgasse, Nürnberg«) ist jetzt zu sehen.

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