Kabarettist Rainald Grebe gibt in der Paderhalle sein »Elfenbeinkonzert« Die besten Ideen kommen im Funkloch

Paderborn (WB). Der genial-außergewöhnliche Rainald Grebe (»Brandenburg«, »Der Präsident«) kommt nach Paderborn. Mit seinem Solo-Programm »Das Elfenbeinkonzert« setzt er sich wieder an sein Klavier. Zu erleben ist er am Montag, 26. Februar, um 20 Uhr in der Paderhalle. Daniela Lang hat mit dem Künstler gesprochen.

Für »Das Elfenbeinkonzert« setzt sich Rainald Grebe in der Paderhalle ans Klavier. Die Inspiration für seine Programme bekommt der Künstler vor allem auf dem Land.
Für »Das Elfenbeinkonzert« setzt sich Rainald Grebe in der Paderhalle ans Klavier. Die Inspiration für seine Programme bekommt der Künstler vor allem auf dem Land. Foto: Stephanie Pilick/dpa

Die wahre Geschichte, dass Sie für einen Workshop über deutsche Volksmusik an der Elfenbeinküste engagiert waren, klingt ja reichlich skurril. Hatte dieses Projekt in Sachen Skurrilität Auswirkungen auf das Programm?

Rainald Grebe: Der Workshop hatte seine eigene Dynamik, war letztlich aber eher ein Aufhänger für das Programm, als dass er inhaltlich eine bedeutende Rolle spielen würde.

Wenn Sie »Das Elfenbeinkonzert« selbst beschreiben sollten...?

Rainald Grebe: ...dann ist das Programm wie eine Zwiebel aufgebaut, die aus vielen Häuten besteht – und in der Mitte ist nichts, wie bei Peer Gynt. Ich habe Themen, die immer wieder kommen und die sich auch gegenseitig befruchten. Die inhaltliche Klammer des Ganzen ist sicher das Thema Digitalität.

Trifft es Sie eigentlich, wenn Reinald-Grebe-Fans sich kritisch über ihr Programm äußern?

Rainald Grebe: Das kommt darauf an, wie sie das tun. Es ist ja nicht immer gleich ein Shitstorm. Ich habe mich dafür entschieden, dass jeder, der möchte, auf meiner Homepage in mein Gästebuch schreiben darf. Die meisten schreiben ja nichts. Diejenigen, die Böses schreiben, haben sich das oft auch so vorgenommen. Das muss ich abkönnen.

Der »Stern« beschrieb sie mal als »eine Mischung aus Udo Jürgens und Helge Schneider«. Was fällt Ihnen dazu ein?

Rainald Grebe: Ich kann mit beiden Künstlern etwas anfangen. Aber ich nehme auch das nicht so ernst.

Sie haben nicht nur eine Wohnung in Berlin, sondern auch einen Rückzugsort in der brandenburgischen Pampa – Funkloch inklusive. Wie kam es dazu?

Rainald Grebe: Das ist eine Folge des Tourlebens. Ursprünglich sollte dieses Projekt wie bei den Fantastischen Vier mit der gesamten Band realisiert werden. Aber daraus wurde nichts. Dann habe ich mir alleine immer mal wieder was angeschaut – und seit ein paar Jahren habe ich dort mein eigenes Häuschen. Wunderschön, im Naturschutzgebiet. Ich habe dort gute Ideen, die mir in der Stadt nicht kommen.

Stimmt es, dass Sie beim Schreiben Ihrer Lieder manchmal weinen?

Rainald Grebe: Ja, das kommt vor.

Ihren Zivildienst haben Sie seinerzeit in einer Psychiatrischen Klinik in Bethel geleistet. Das klingt nach einer anstrengenden Zeit.

Rainald Grebe: Das war auch so gewollt! Es war eine extreme Erfahrung, die ich gebraucht habe. Ich habe daraus viel für meine künstlerische Arbeit mitgenommen. Ich habe gelernt, wie man Grenzen zieht und darüber nachgedacht, wie man Menschen beurteilt, was wohl »normal« ist. Das manisch Depressive, das ich heute auf der Bühne darstelle, habe ich mir in Bethel von Psychotikern abgeguckt. Genauso wie manche Worte, die psychisch kranke Menschen in Schüben wie Lyrik hervorbringen.

Wie geht es Ihnen gesundheitlich? Sie hatten ja nicht nur Rheumaanfälle, sondern auch einen Schlaganfall.

Reinald Grebe: Mir geht es im Augenblick ganz gut und ich hoffe, dass ich noch ein bisschen lebe. Ich arbeite etwas weniger, aber ganz aufzuhören, war für mich keine Option. Nach den Ereignissen, die hinter mir liegen, rechne ich allerdings mit nichts. Es kann jederzeit wieder passieren. Darum freue ich mich jeden Tag, wenn die Sonne wieder aufgeht.

Karten für das Paderborner Grebe-Gastspiel gibt es zu Preisen von 26,10 bis 30,50 Euro in den Geschäftsstellen des WESTFÄLISCHEN VOLKSBLATTS.

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