Amazon & Co. fordern den stationären Handel in OWL heraus Klingenthal: »Sonntagseinkauf wichtig«

Paderborn (WB). Widerstände gegen die gesetzlich festgelegte Ausweitung der Sonntagsöffnungszeiten im Einzelhandel in NRW sind dem Handelsverband OWL weiter ein Dorn im Auge. Das wurde Mittwochabend beim Neujahrsempfang des Verbandes in Paderborn deutlich.

Von Edgar Fels
Ferdinand Klingenthal, Vorsitzender des Handelsverbandes OWL, hat gestern Abend beim Neujahrsempfang des Verbandes in Paderborn dafür geworben, den verkaufsoffenen Sonntag als Chance für Kunden, Wirtschaft und Gesellschaft zu sehen.
Ferdinand Klingenthal, Vorsitzender des Handelsverbandes OWL, hat gestern Abend beim Neujahrsempfang des Verbandes in Paderborn dafür geworben, den verkaufsoffenen Sonntag als Chance für Kunden, Wirtschaft und Gesellschaft zu sehen. Foto: Jörn Hannemann

Ferdinand Klingenthal, Vorsitzender des Handelsverbandes OWL, hält den Sonntagseinkauf für gesellschaftlich zeitgemäß und wirtschaftlich erforderlich. Als Grund sieht Klingenthal, selbst Kaufhaus-Betreiber, den »unaufhaltsamen Boom des Versandhandels«. Dieser stelle eine »epochale Veränderung« in der Geschichte des Einzelhandels dar. »Das hat es bisher noch nie gegeben«, sagte er vor etwa 150 Gästen im Heinz-Nixdorf-Museumsforum.

Weiter sagte Klingenthal: »Außer bei Lebensmitteln sind wir kaum noch Versorger im klassischen Sinne, sondern wir werden in großen Schritten Anbieter im Bereich der Freizeitgestaltung, vergleichbar mit Gastronomie, Freizeitparks, Wochenendausflügen, Volksfesten, Ausstellungen und kulturellen Veranstaltungen.«

Einkauf über Amazon, Zalando und Co

Nicht umsonst sei der Begriff Erlebniseinkauf in aller Munde. Auch der Besuch von attraktiven Innenstädten sei Freizeitgestaltung. Wichtige gesellschaftliche Veränderungen wie die Berufstätigkeit von Frauen sowie die Digitalisierung des Einkaufs über Amazon, Zalando und Co. hätten historisch ungeahnte Veränderungen »für unsere Ladengeschäfte«, sagte Klingenthal. »Diese müssen ihre Türen öffnen, wenn die Menschen Freizeit haben. Nur zu diesen Zeiten können die Ladengeschäfte ihre Vorteile gegenüber dem digitalen Handel ausspielen.«

Daher sei eine Verschiebung der Öffnungszeiten unabdingbar. Das betreffe die Abendstunden sowie die Sonntage. Klingenthal: »Die Menschen, die Kunden mögen diese Einkaufszeiten und nutzen sie in zunehmenden Maße. Die Fragen des Entgelts klären wir mit den Mitarbeitern oder den Betriebsräten.« Wer nicht arbeiten möchte, brauche es auch nicht.

Klingenthal ist überzeugt: »Verkaufsoffene Sonntagnachmittage geben Städten und Stadtteilen die Chance, Menschen zu begrüßen, um sie von den Vorzügen der Stadt zu überzeugen, die werktags nie und nimmer kommen würden.«

Klingenthal hinterfragt auch Rolle der Kirchen

Die Kritiker der verkaufsoffenen Sonntagnachmittage bedienten sich teilweise scharfer Worte, die emotional aufgeladen vorgetragen würden, beklagt Klingenthal und geht danach auf die Haltung der Kirchen ein. »Ein jeder der sich laut und deutlich gegen die vier bis maximal acht verkaufsoffenen Sonntagnachmittage äußert, sollte sich selber darüber klar sein, ob er diese für unnötigen Konsum oder Konsumterror hält, oder ob er von der Sorge um die Werte des christlichen Abendlandes angetrieben wird.«

Klingenthal hinterfragt auch die Rolle der Kirchen. Angesichts der Tatsache, dass Millionen Christen in der Welt verfolgt werden, stellt er fest: »Keine Empörung im christlichen Abendland darüber, keine Lichterkette, keine Gedenkgottesdienste. Mir fehlt der ganzheitliche Ansatz zur Bewahrung und Stärkung der Werte unseres jüdisch-christlichen Abendlandes in der öffentlichen Aussprache. Und das macht mich skeptisch.«

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