Willi Hagemeier seit 30 Jahren am Theater – Preise für Bontemps und Lukowczyk »Der letzte bunte Vogel«

Paderborn (WB). Die Schauspieler Anne Bontemps und David Lukowczyk sind am 4. Februar in der Theater-Matinee für ihre herausragende Leistung in der vergangenen Spielzeit geehrt worden. Den meisten Jubel gab es für Willi Hagemeier. Er ist seit nunmehr 30 Jahren im Kammerspiel-Ensemble und bekam dafür einen Ehrenpreis.

Von Manfred Stienecke
Intendantin Katharina Kreuzhage, die Schauspieler David Lukowczyk und Willi Hagemeier sowie der Vorsitzende der Theaterfreunde, Rainer Rings (v.l.), bei der Preisverleihung.
Intendantin Katharina Kreuzhage, die Schauspieler David Lukowczyk und Willi Hagemeier sowie der Vorsitzende der Theaterfreunde, Rainer Rings (v.l.), bei der Preisverleihung. Foto: Stienecke

Zum zweiten Mal hatten die Paderborner Theaterfreunde ihren Theaterpreis ausgelobt, der jeweils an einen männlichen Darsteller und eine weibliche Darstellerin verliehen wird, die der Preisjury im Verlaufe einer Spielzeit durch besonders einprägsames Rollenspiel aufgefallen sind. Theaterintendantin Katharina Kreuzhage lobte die »wunderbare Neuerung« mit der Möglichkeit, verdienten Mitarbeitern des Theaters Dank auszusprechen. »Ich bin mit der Wahl der Jury sehr einverstanden.«

Anne Bontemps zum zweiten Mal in Folge geehrt

Nachdem im Vorjahr die Wahl des besten männlichen Darstellers auf Alexander Wilß gefallen war, glückte jetzt David Lukowczyk der Griff nach dem Preisgeld in Höhe von 1000 Euro. Der 47-jährige Mime, der 2012 an das Paderborner Theater gekommen ist, gefiel der Jury besonders gut in der Hauptrolle des Max-Frisch-Stücks »Homo faber« sowie in der Musical-Inszenierung »The Blues Brothers«, in der er gleich mehrere Rollen übernommen hatte.

Bei den Damen fiel die Wahl der besten Schauspielerin auch im zweiten Jahr nacheinander auf Anne Bontemps. Mit ihrer Verkörperung der Judy Belushi im Musical »The Blues Brothers« und der gefeierten Rolle der Lola im Freilichtstück »Der blaue Engel« konnte die 31-Jährige nicht nur ihre Schauspielfähigkeiten zeigen, sondern auch ihre prima Gesangsstimme unter Beweis stellen. Da Anne Bontemps mittlerweile an der Schaubühne in München engagiert ist und am Tag der Matinee dort spielen musste, konnte sie ihren Preis nicht selbst entgegennehmen. Sie hatte ihn bereits v eine Woche zuvor in Empfang genommen und bedankte sich mit einer Videoeinspielung für die Auszeichnung.

Kabarettist Stani hält die Lobrede auf Willi Hagemeier

Die Laudatio auf die beiden Preisträger hielt Theaterfreund Josef Hackfort. »Weil wir die Identifikation und auch die Gegenposition suchen, schätzen wir das Theater«, sagte er. »Wir freuen uns, dass die Spieler in Paderborn dies so gut machen, dass wir gerne kommen.« Die Wahl der Jury sei »überraschend eindeutig« ausgefallen. Mit David Lukowczyk und Anne Bontemps habe sie »zwei wunderbare Mimen« ausgezeichnet.

Die Lobrede auf Willi Hagemeier (63), der seit nunmehr 30 Jahren ununterbrochen im Paderborner Theater auf der Bühne steht, hielt sein langjähriger Weggefährte Michael Greifenberg, der als Kabarettist unter seinem Künstlernamen Stani bekannt ist. Er erinnerte an die gemeinsamen Schauspiel-Anfänge an der Uni-Studiobühne. Hagemeier wurde vom damaligen Intendanten Friedrich Bremer 1988 ins Ensemble der Kammerspiele geholt. »Willi Hagemeier ist der letzte bunte Vogel im Ensemble, sozusagen der Archaeopteryx Kammerspielensis«, scherzte Stani.

Stadt und Kreis Paderborn sagen weitere Finanzierung zu

Als Mitglieder des Theater-Aufsichtsrates würdigten Bürgermeister Michael Dreier und Landrat Manfred Müller die Arbeit der Paderborner Bühne. Die Platzauslastung von 85 Prozent sei bundesweit ein Spitzenwert, meinte Dreier. Sowohl Stadt- wie Kreis-Chef sagten zu, das Theater finanziell weiterhin zu fördern – eine wichtige Aussage vor dem Hintergrund, dass Stadt und Kreis neben dem jährlichen Zuschussbedarf in Höhe von derzeit 2,4 Millionen Euro vom Jahr 2020 an auch einen zusätzlichen Betrag von 950.000 Euro schultern müssen, der momentan noch von der Paderborner Stadtstiftung (Eon) kommt. »Wenn alle zusammenwirken, bin ich zuversichtlich, dass das Theater auch in der Bevölkerung eine Mehrheit dafür findet, dass es auf demselben Niveau weitergeht«, sagte Müller.

Eine Lanze für das öffentlich geförderte Ensemble- und Repertoiretheater brach in seiner Festrede auch der ehemalige Vorsitzende des Deutschen Bühnenvereins, Rolf Bolwin. Er hatte sich am Vorabend die Paderborner Inszenierung »Das schweigende Mädchen« von Elfriede Jelinek angesehen und bescheinigte dem heimischen Theater »eine hervorragende Arbeit«. Bundesweit besuchten Jahr für Jahr mehr als 30 Millionen Zuschauer eine Theateraufführung. Bolwin: »Die Fußball-Bundesliga wäre stolz auf diese Zahl.«

Das Ensemble des Paderborner Theaters zeigte in der Matinee Ausschnitte der musikalischen Produktion »Modern Jukebox«. Die Preissumme von je 1000 Euro stiftete die Firma Mediaprint. Die Glasmalerei Peters und die Firma Özel finanzierten die mit dem Preis verbundenen Glasstelen.

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