Paderborner Einrichtung unter den zehn Finalisten – Entscheidung im Mai St. Kilian will beste Kita Deutschlands werden

Paderborn (WB). Von außen wirkt die Katholische Kita im Samtfelde eher unscheinbar. Doch was im Inneren von St. Kilian passiert, ist so bemerkenswert, dass die Einrichtung nun beste Chancen hat, den ersten Deutschen Kitapreis zu gewinnen. Von 1400 Bewerbern ist St. Kilian unter die ersten Zehn gewählt worden.

Von Daniela Lang
Eintauchen in den Kita-Alltag: Leiterin Lioba Thonemann (hinten, Mitte) begleitet Expertin Julia Schröder-Moritz (rechts) in die Bauwerkstatt. Links im Bild: Bettina Freitag, Regionalleiterin der Katholischen Kita GmbH, dem Träger von St. Kilian.
Eintauchen in den Kita-Alltag: Leiterin Lioba Thonemann (hinten, Mitte) begleitet Expertin Julia Schröder-Moritz (rechts) in die Bauwerkstatt. Links im Bild: Bettina Freitag, Regionalleiterin der Katholischen Kita GmbH, dem Träger von St. Kilian. Foto: Besim Mazhiqi

Gestern und heute haben die 45 Kinder und ihre Erzieherinnen »hohen Besuch«: Elena Läßle vom Programmbüro der Deutschen Kinder- und Jugendstiftung und Julia Schröder-Moritz, freiberufliche Auditorin und Evaluatorin für Kitas- und Jugendhilfe-Einrichtungen, tauchen als Expertinnen zum Endspurt der Bewertungen in den Alltag der Paderborner Kita ab, sprechen mit dem pädagogischen Team, interviewen Eltern und Kinder und machen sich ein lebendiges Bild von dem, was die Kita in ihren Bewerbungsunterlagen um den Deutschen Kitapreis herausgestellt hat.

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Egal wie es ausgeht: Ich finde, wir haben schon gewonnen

Lioba Thonemann

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Lioba Thonemann, die seit 2015 als Leiterin in der Kita St. Kilian arbeitet, kann es noch gar nicht so recht fassen: »Wir haben uns beworben, weil uns die Ausschreibungsunterlagen sehr angesprochen haben. Aber ich hätte niemals gedacht, dass wir soweit kommen. Egal wie es ausgeht: Ich finde, wir haben schon gewonnen«, freut sich die Pädagogin über den Finalisten-Status.

Kinderorientierung, Partizipation, Sozialraum-Orientierung und Kita als lernende Organisation – das sind die vier Themenschwerpunkte, in denen die teilnehmenden Einrichtungen bei der Bewertung um den begehrten Preis punkten müssen. Seit Lioba Thonemann die Einrichtung leitet, hat sich das gesamte pädagogische Konzept der Kita verändert. Die insgesamt 45 Kinder sind nicht festen Gruppen zugeteilt, sondern sie entscheiden sich jeden Tag aufs Neue, in welcher »Werkstatt« sie mitmachen möchten: zwischen spielen und bauen, bewegen, entspannen oder musizieren. Angenehmer Nebeneffekt: »So kommen von vornherein Kinder mit demselben Interesse in einer Werkstatt zusammen. Das gibt viel weniger Reibung und bringt deutlich bessere Lernerfolge«, freut sich Lioba Thonemann.

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Klar, 10.000 oder 25.000 Euro beim Wettbewerb um den Deutschen Kita-Preis zu gewinnen, wäre für die Kita St. Kilian ein dickes Ding. Aber auch, wenn es mit dem Geldsegen nicht klappen sollte, fühlt sich die Einrichtung als Gewinnerin. Warum? Die Aufmerksamkeit und Anerkennung, die der Arbeit mit den Jüngsten allein durch den Finalisten-Status zuteil geworden ist, könnte nachwirken. »Einen Baum, der dicke Wurzeln hat, haut so schnell nichts um«, sagt Kita-Leiterin Lioba Thonemann und wünscht sich, dass politische Entscheider künftig noch bessere Voraussetzungen für die Qualität der frühkindlichen Bildung schaffen. Dazu gehört auch, die Arbeit der Pädagogen stärker wertzuschätzen. Damit aus dicken Wurzeln stabile Äste wachsen.                        Daniela Lang

Dem Thema Partizipation trägt St. Kilian mit einem Kinderparlament Rechnung, in dem die Anliegen jedes einzelnen Kindes gehört und ernst genommen werden. Und weil in einem demokratischen Gremium Mehrheiten entscheiden, ist es den Kindern auf diesem Wege auch gelungen, den einst von der Kita-Leitung abgeschafften Spielzeugtag wieder einzuführen.

Als besondere Herausforderung erlebten Lioba Thonemann und ihr Team die Aufgabe, einigen Eltern das veränderte Konzept »schmackhaft« zu machen. Letztlich gelang dies vor allem über viele persönliche Gespräche und fortlaufend bereitgestellte Information. Thonemann: »Die größten Skeptiker sind heute sehr glücklich darüber, wie ihre Kinder sich hier bei uns entwickeln«.

Der Deutsche Kitapreis, eine Initiative des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend und der Deutschen Kinder- und Jugendstiftung wird in diesem Jahr zum ersten Mal vergeben – und er ist mit stattlichen Preisgeldern verbunden: Von den zehn Finalisten erhalten fünf eine Auszeichnung. Der Erstplatzierte kann sich auf ein Preisgeld von 25.000 Euro freuen, Die vier Zweitplatzierten werden mit je 10.000 Euro ausgezeichnet.

Sollte die Jury im Mai beschließen, dass St. Kilian einen Geldpreis gewinnt, hat Lioba Thonemann schon Ideen, wie das Geld am eingesetzt werden könnte: »Damit würden wir gerne unseren Außenspielbereich verschönern.«

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