Götz Alsmann serviert in köstlicher Manier italienische Uralt-Schlager Wo Schmalz und Honig fließen

Paderborn (WB). Das ist das Schöne bei Götz Alsmann: Man bekommt Lieder serviert, die man eigentlich nie hören wollte – und ist einfach hingerissen. Das schafft nur ein Vollblut-Entertainer!

Von Manfred Stienecke
Götz Alsmann am Flügel, im Hintergrund Ingo Senst am Kontrabass.
Götz Alsmann am Flügel, im Hintergrund Ingo Senst am Kontrabass. Foto: Manfred Stienecke

Seine Größe ist unbestritten – auch wenn er sie körperlich nur durch den Trick mit der Tolle beweist. Alsmanns Markenzeichen ist die hochtoupierte Frisur, die seine Statur um geschätzte zehn Zentimeter wachsen lässt.

Musikalisch freilich braucht der Münsteraner Unterhaltungskünstler keine chemischen Zusätze. Da ist alles echt. In der nahezu ausverkauften Paderhalle war Alsmann am 29. Januar, begleitet von vier ebenfalls exzellenten Instrumentalisten, mit seinem Programm »In Rom« zu Gast, mit dem er seine Trilogie über drei der wichtigsten musikalischen Metropolen der Welt – Paris, New York und eben die Hauptstadt Italiens – beschließt.

700 Besucher hängen an seinen Lippen

Gibt es wirklich noch Leute, die sich von Italo-Schnulzen der fünfziger und sechziger Jahre in die Konzertsäle locken lassen? Bei Alsmann immer. Wenn er »Quando, quando, quando« ins Mikro haucht, fliegen ihm nicht nur Frauenherzen zu. Gut 700 Besucher überwiegend gesetzteren Alters hängen in der Paderhalle an seinen Lippen und wippen träumend im Swing- und Bossa-Nova-Stil mit.

Die meisten Namen derer, die seit 1951 beim alljährlichen Schlagerfestival in San Remo die Unterhaltungsmusik im Stiefel-Land prägen, sagen heute wahrscheinlich nur noch eingefleischten Canzone-Verehrern etwas. Doch wenn Götz Alsmann die Lieder von Fred Buscaglione und Renato Carosone, Domenico Modugno und Marino Marini anstimmt, dann merkt jeder auf. Dabei würde man die ins Deutsche übertragenen schmalzigen Texte wohl nicht mal den »Amigos« verzeihen. Aber die Musik ist einfach köstlich.

Am Flügel wird er zum hexenden Kobold

Götz Alsmann wird am Flügel zum hexenden Kobold. Bei ihm bekommt jede noch so simple Melodie Schwingen, getragen von jazzig angehauchter Brise. Die Finger huschen wie glitzernde Sonnenstrahlen über die Tasten, und wenn der Schalk mit ihm durchgeht, dann springt der Pianist während des Spiels vom Hocker auf und dreht im Takt eine Pirouette.

Unterfüttert wird der satte Revue-Sound von seinen vier kongenialen Mitstreitern. Altfrid Maria Sicking zelebriert elegische Glockenklänge am Vibraphon, Ingo Senst harmoniert traumhaft sicher mit den Kollegen am Kontrabass, und Markus Paßlick (Percussion) und Rudi Marhold (Schlagzeug) betten die Melodien in subtil konturierte Rhythmen. Besser geht’s nicht.

Italien-Abend mit den »Capri-Fischern«

Beschmust und angehimmelt werden in den ausnahmslos von männlichen Komponisten stammenden Canzone nicht nur Carina und Bambina, sondern auch Roma und Bella Napoli, das Mondlicht und das blaue Meer. Sogar Altmeister Verdi wird ins Programm geholt mit seiner Einleitungsmelodie zur Oper »Der Troubadour«. Natürlich darf Paolo Contes, von Adriano Celentano unsterblich gemachtes »Azzuro« nicht fehlen, und seinen Abschluss findet der Italien-Abend mit den »Capri-Fischern«, die von dem Deutschen Rudi Schuricke so unvergessen ins Schlagerlied gesetzt wurden.

Zwischendurch schwärmt Alsmann in seiner einnehmenden Art von den Italienern, die so herrliche Komplimente machen können, dem römischen Nachtleben und der italienischen Küche. Und schließlich streicht er auch den heimischen Konzertbesuchern noch kräftig Honig aufs Brot: »Für mich ist Paderborn ganz vorn«, reimt Alsmann, der sich gern daran erinnert, dass er vor nunmehr 46 Jahren einen seiner ersten Auftritte beim Frühschoppen-Konzert in der »Tuba« an der Kasseler Straße hatte. Zum Schluss steht das Publikum jubelnd im Saal.

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