Paderborner Tabea-Theater zeigt »Genug ist nicht genug« Große Komödie

Paderborn (WB). Der Geburtstagsabend ist von Anfang an verkorkst, es geht schief, was nur schief gehen kann. Doch Bühnenautor Nick Walsh dreht in seiner Komödie »Genug ist nicht genug« stets weiter an der Eskalationsschraube, bis am Ende der festlich gedeckte Tisch und sämtliche Paar- und Familienbeziehungen in Trümmern liegen.

Von Andrea Pistorius
Die exzentrische Schwiegermama aus Amerika hat Dauernörgler Erich bei seiner ohnehin verhassten Geburtstagsparty gerade noch gefehlt: Szene aus der Tabea-Theater-Produktion »Genug ist nicht genug« mit Friedhelm Kirst und Simone Radhoff.
Die exzentrische Schwiegermama aus Amerika hat Dauernörgler Erich bei seiner ohnehin verhassten Geburtstagsparty gerade noch gefehlt: Szene aus der Tabea-Theater-Produktion »Genug ist nicht genug« mit Friedhelm Kirst und Simone Radhoff. Foto: Andrea Pistorius

Mit enormer Spielfreude stürzt sich das Tabea-Theater in diese Schlacht beim feinen Diner: Die Darsteller liefern sich einen Dauerbeschuss aus verbalen Attacken und Kontern, sie enthüllen mit grausamem Vergnügen Peinlichkeiten und Immer-Verschwiegenes – und das alles in rasantem Tempo und mit pointensicherer Präzision. Das Publikum amüsierte sich bei der Premiere am Freitag in der Kulturwerkstatt aufs Beste, doch oft genug blieb manchem Zuschauer das Lachen im Halse stecken, wenn die Bosheit zu mächtig wurde und zu lange unwidersprochen blieb.

Das Stück bezieht seinen Reiz auch aus aufeinander prallenden Gegensätzen, die Regisseur Bruno Mersch und sein Ensemble genüsslich ausspielen. So ist es gleich klar, dass es kein harmonisches Familienfest geben wird, wenn Dauernörgler Erich schlecht gelaunt das Wohnzimmer mit dem festlich dekorierten Esstisch betritt, an dem Hausfrau Helga noch die Blumen arrangiert. Das einzige Gästepaar besteht aus der selbstbewussten Evelyn und dem tollpatschigen, schüchternen Hagen. Und als am Ende die exaltierte Schwiegermama aus den Vereinigten Staaten unangemeldet hereinplatzt und den bürgerlichen Alltag ihrer Töchter durch ihren Snobismus in Frage stellt, da lösen sich alle Konventionen im familiären Umgang auf. Die Herren liefern sich eine Schlägerei, und die Damen sprechen aus, was längst hätte gesagt werden sollen.

Alle fünf Darsteller – Cordula Block, Friedhelm Kirst, Simone Radhoff, Martin Schneider und Kornelia Sommer-Sowa – zeigen großartige Charakterstudien in einem aufwändig gestalteten Bühnenbild. Und sie zeigten Nervenstärke: Denn erst am Nachmittag war klar, dass die Premiere tatsächlich stattfinden konnte, da es Probleme in der Haustechnik der Kulturwerkstatt gab.

Weitere Vorstellungen finden am kommenden Wochenende statt.

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