Artothek bietet Auswahl von 700 Originalen Kunst zum Ausleihen

Paderborn (WB). Sie wollten schon immer mal ein Plakat von A.R. Penck ins Wohnzimmer hängen oder das Modell einer Stahlplastik von Wilfried Hagebölling auf die Kommode stellen? Auch bei normalem Einkommen kein Problem: Die Artothek macht’s möglich.

Von Andrea Pistorius
Was darf es sein? Vielleicht ein Plakat von Keith Haring oder eine Skulptur aus schwarzem Diabas von Ernst Gotthardt? Alle Kunstwerke der Artothek sind Originale. Gisela Grumpe-Aßmann (links) und Claudia Prinzler gehören zum Team.
Was darf es sein? Vielleicht ein Plakat von Keith Haring oder eine Skulptur aus schwarzem Diabas von Ernst Gotthardt? Alle Kunstwerke der Artothek sind Originale. Gisela Grumpe-Aßmann (links) und Claudia Prinzler gehören zum Team. Foto: Jörn Hannemann

Die Kunst-Ausleihe der Stadtbibliothek ist ein Kulturangebot, um das kunstsinnige Bürger anderer Städte die Paderborner beneiden. Denn selbstverständlich ist solch eine Einrichtung nicht. In der Heimatstadt vieler renommierter Künstler aller Epochen, vom Kupferstecher Heinrich Aldegrever bis zur Designerin Emell Gök Che, sollten alle Bürger die Möglichkeit haben, Kunst zu besitzen – und sei es auf Zeit. Und so wurde vor 30 Jahren die Artothek gegründet.

Eigener Etat ermöglichte zunächst die Anschaffung von Kunstwerken

Damals hatte der Stadtrat der Einrichtung noch einen eigenen Etat zugestanden, so dass ein Basisbestand von 200 Bildern, vier Kleinplastiken und etwa 1000 Künstlerkatalogen angeschafft werden konnte. Das alles fand Platz im Obergeschoss der Zen­tralbibliothek am Rothoborn. Barbara Linnenbrügger leitete die Artothek und zog auch mit ihr um ins Bürgerhaus von Schloß Neuhaus, neben die Schlossbi­bliothek.

Als es der Stadt Paderborn zu Beginn der 2000er Jahre wirtschaftlich schlechter ging, wurde im Rathaus überlegt, die Artothek zu schließen. Doch kulturbeflissene Ratsmitglieder und engagierte Bürger konnten das Ende ambitionierter Kunstvermittlung verhindern. 2010 übernahm eine Gruppe von ehrenamtlichen Mitarbeitern die Aufgaben, für die bisher Angestellte der Stadtbibliothek zuständig waren: Sie organisieren Ausleihe und Rückgabe, pflegen Bestand und Katalog und beraten die Kunden. Die Stadt stellt nach wie vor den Raum zur Verfügung, und Bibliothekarin Gisela Grumpe-Aßmann ist feste Ansprechpartnerin der Ehrenamtlichen. Sie hatte bereits 2004 die Leitung der Artothek übernommen.

Einen eigenen Etat hatte die Kunst-Ausleihe schon vor der Neuorganisation, seit 2001, nicht mehr. Wenn neue Kunstwerke aufgenommen werden, dann handelt es sich um Spenden oder Dauerleihgaben. Die Sammlung kann sich dennoch sehen lassen: Sie besteht inzwischen aus 113 Künstlerplakaten, 430 Gemälden, 106 Grafiken und 43 Plastiken. »Und das sind alles Originale«, verweist Grumpe-Aßmann auf die besondere Qualität des Angebots, das sich auf moderne Kunst nach 1960 konzen­triert.

Viele Werke regionaler Künstler sind vorhanden

Die meisten Arbeiten sind von regionalen Künstlern, darunter Peter Amici, Wolfgang Brenner, Renate Kastner, Werner Schlegel und Edith Wulf. Etwas Besonderes sind die Papierarbeiten der ehemaligen Uni-Dozentin Dorothea Reese-Heim sowie die Zeichnungen von Wilfried Hagebölling oder Walter Schrader. Alle Arbeiten sind in einem Blattkatalog mit Foto und Textinformationen verzeichnet. Ein Großteil der Bilder ist gerahmt.

Wer ein Kunstwerk ausleihen möchte, meldet sich in der Stadtbibliothek an und kann dann im Bestand stöbern. Die Mitarbeiter der Artothek helfen bei der Auswahl. »Manchmal fragen die Kunden nach einem bestimmten Künstler oder sie suchen einfach etwas, was zuhause übers braune Sofa passt«, erzählt Grumpe-Aßmann. Zehn Ehrenamtliche sind zur Zeit aktiv im Einsatz. Eine von ihnen ist Cordula Prinzler. »Mir gefällt, dass Kunstfreunde beim Parkspaziergang durch die großen Fenster in die Artothek schauen und dabei schon mal etwas auswählen können«, sagt sie. Und ein besonders schönes Erlebnis sei es, wenn Kunden sich in ein Bild verlieben und dann die Ausleihfrist mehrfach verlängern.

Wieviele Kunden die Artothek hat, ist schwer einzuschätzen, da diese allgemein bei der Stadtbi­bliothek registriert sind. »Es sind jedoch 200 Kunstwerke immer unterwegs«, sagt Gisela Grumpe-Aßmann. Demnach schätzen die Paderborner ihre Artothek: Denn knapp ein Drittel des Bestands ziert ihre Wohnungen.

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