Komplett neues Innenleben Spieltisch der Domorgeln wird technisch aufgerüstet

Paderborn (WB). Nach den Glocken werden im Paderborner Dom nach Ostern auch für zwei Wochen die Orgeln verstummen. Grund ist der Austausch der Technik im Hauptspieltisch des Instruments.

Von Manfred Stienecke
Der Generalspieltisch der Domorgeln ist für den Abtransport in eine Spezialwerkstatt vorbereitet. Das komplette technische Innenleben wird erneuert.
Der Generalspieltisch der Domorgeln ist für den Abtransport in eine Spezialwerkstatt vorbereitet. Das komplette technische Innenleben wird erneuert. Foto: Jörn Hannemann

Der 300 Kilogramm schwere Generalspieltisch der Domorgeln ist gestern in einer aufwändigen Aktion aus dem Chorraum gehievt und zur Überarbeitung in eine Spezialfirma nach Weikersheim bei Würzburg transportiert worden. Bis zur Rückkehr und der Neuinstallation werden jetzt nur noch entweder die Chororgel oder die Turmorgel erklingen. Rund zwei Wochen lang wir das zu den größten Kirchenorgeln Europas zählende Instrument sogar komplett schweigen müssen.

Acht Möbelpacker der Spedition Hartmann waren nötig, um den hölzernen Generalspieltisch anzuheben und über drei Stufen auf die untere Ebene des Chorraums zu tragen. Mit Hilfe eines Hubwagens konnte der Tisch dann am Chorgestühl vorbei gerollt werden, wobei hier bei kaum einem Zentimeter »Luft« echte Maßarbeit gefordert war. An der Seite des Chorraums wartete schon ein mobiler Kran, der den Tisch an den Haken nahm und über das Geländer hievte. Erst jetzt konnten sich Dompropst Joachim Göbel und Domorganist Tobias Aehlig als Zuschauer des spektakulären Manövers die Schweißperlen von der Stirn wischen.

Von der technischen Aufrüstung des Spieltischs, der seit 1981 seinen Dienst im Dom verrichtet, erhofft sich Aehlig (37) eine deutlich verbesserte Bespielbarkeit der Orgeln im Chorraum, im Turm und in der Krypta. »Von hier aus können alle drei Orgel zentral disponiert werden. Das war bislang aber mühsam, weil das Bedienelement für die Register extrem klein und unübersichtlich und zudem an der falschen Seite, nämlich rechts, angebracht ist«, erläutert der Domorganist. »Wenn man beim Spielen überhaupt für einen Moment mal eine Hand frei hat, dann ist das die linke.«

Künftig wird der Spieltisch also ermöglichen, von der »richtigen« Seite aus die Einstellung der jeweiligen Orgelstimmungen vorzunehmen. Außerdem wird der ertüchtigte Spieltisch dann über weit mehr als die zuletzt 4000 Speicherplätze verfügen, die Aehlig zwangen, bei der Einspielung eines Werks jeweils einen Teil des Speicherplatzes zu löschen, um Platz für etwas Neues zu haben. Größere Orgelwerke erfordern allein rund 100 Registrierungen.

»Künftig werde ich jedes Stück, das einmal registriert worden ist, präsent halten können«, freut sich Aehlig über die technische Aufrüstung, für die das Generalvikariat rund 400.000 Euro bereit gestellt hat. Wenn der Generalspieltisch Ende Mai wieder komplett zur Verfügung steht, wartet allerdings erst mal eine Menge Arbeit auf den Domorganisten. »Leider lassen sich die bisherigen Einstellungen des Tisches nicht ins das neues System übernehmen«, so Aehlig. »Ich muss wieder bei Null anfangen. Da werde ich wohl so manche Nachtschicht einlegen müssen.«

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