Birgit Kaufhold berät als Umgangspflegerin die Gerichte im Kreis Paderborn Schutzengel für Kinder

Paderborn (WB). Wenn sich Eltern scheiden lassen, dann stehen Kinder nicht selten zwischen den Stühlen. Beim Thema Sorgerecht oder bei Unterhaltszahlungen sind sie oftmals sogar Auslöser des Streits und somit schon in jungen Jahren einem hohen Druck ausgesetzt. Genau dann tritt Birgit Kaufhold auf den Plan.

Von Mark Heinemann
Im Auftrag der Kinder unterwegs: Die Diplom-Pädagogin Birgit Kaufhold vertritt seit zehn Jahren als Verfahrens- und Umgangspflegerin die Belange von Kindern vor Gericht.
Im Auftrag der Kinder unterwegs: Die Diplom-Pädagogin Birgit Kaufhold vertritt seit zehn Jahren als Verfahrens- und Umgangspflegerin die Belange von Kindern vor Gericht.

Die Dipl.-Pädagogin setzt sich als Verfahrens-, Umgangs- und Ergänzungspflegerin mit ihrem »Pro-Kind-Haus, Schutzengel für Kinder« schon seit zehn Jahren für die Rechte von Minderjährigen vor Gericht ein.

»Kinder werden vor Gericht auch heutzutage noch zu Entscheidungen gezwungen, welche sie im Normalfall gar nicht treffen können. Wie soll sich ein fünf- oder sechsjähriges Kind in einem Scheidungsfall für eine Elternseite entscheiden? Sie haben den Wunsch nach beiden Eltern und einer heilen Familie. Es geht oftmals aber nur um den Abschluss des Falls und nicht um das seelische Wohl des Kindes«, berichtet Kaufhold aus ihrem Arbeitsalltag. Gerichte ziehen die 54-Jährige als Verfahrensbeistand immer dann hinzu, wenn es zum Beispiel um die elterliche Sorge, das Umgangsrecht, eine Kindesherausgabe oder die Vormundschaft sowie eine Pflegschaft geht. Tätig ist sie unter anderem für die Amtsgerichte Paderborn, Detmold, Höxter, Blomberg, Warendorf, Brakel und das Oberlandesgericht Hamm. Dort berät sie auch als Umgangspflegerin bei schwerwiegenden Problemen im Elternhaus, die sich auf das Kindeswohl auswirken.

Das Wohl der Kinder steht an erster Stelle

»Meine ersten Ansprechpartner sind immer die Kinder. Ich versuche herauszufinden, was sie möchten und stelle das in den Kontext aktueller wissenschaftlicher Erkenntnisse«, erklärt Kaufhold. Um das Vertrauen zu gewinnen, setzt die studierte Pädagogin in ihren Büros in Bad Lippspringe und Marienmünster auch mal ihre Katze oder einen Hund als Türöffner ein. »Kinder sind dann deutlich entspannter. Ich möchte sie dort abholen, wo sie sich am Wohlsten fühlen.« Daher sind auch erste Kennenlern-Gespräche auf einem Spielplatz nicht ungewöhnlich. »Wir dürfen Kinder nicht zu Erwachsenen machen und sie in einen Konferenzraum setzen. Dann öffnen sie sich nicht«, weiß die gebürtige Lichtenauerin. Erst wenn klar ist, was das Kind möchte, werden auch die Eltern und die anderen Beteiligten einbezogen, um eine gemeinsame Lösung zum Wohl des Kindes zu finden.

»Im Idealfall gibt es eine einvernehmliche Lösung. Geht das Ganze erst vor Gericht, wird es für die Kinder zumeist qualvoll. Viele Eltern erkennen dort gar nicht mehr, was sie ihren Kindern antun, wenn man sich immer wieder vor Gericht trifft und nur noch über Anwälte kommuniziert«, betont Kaufhold. Dass sie nun schon seit zehn Jahren in dem sicherlich nicht leichten Arbeitsumfeld aktiv ist, erfüllt sie einerseits mit Stolz, andererseits aber auch mit großer Sorge.

»Es ist natürlich nicht immer einfach, mit den teilweise schweren Schicksalen umzugehen. Kollegiale Gespräche und Supervision sind unabdingbar. Wenn dann aber eine Entscheidung zum Wohle des Kindes getroffen ist, gleicht das viele Dinge aus. Besorgt bin ich allerdings, weil sich die Situation für Kinder vor deutschen Gerichten in den letzten zehn Jahren kaum verbessert hat«, fasst Kaufhold zusammen. Gestritten wird leider immer. Und die Kinder sitzen weiterhin zwischen den Stühlen.

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