Ausstellung »Klang meines Körpers« kommt nach Paderborn Wenn Essen zum Problem wird

Paderborn (WB). Mit der Ausstellung »Klang meines Körpers« wird im April ein heikles Thema in den Fokus gerückt: Essstörungen. Damit die Besucher der interaktiven Ausstellung nicht allein gelassen werden, hat Kuratorin Stephanie Lahusen bereits Fachkräfte in Paderborn geschult.

Musiktherapeutin Stephanie Lahusen stellt das »Kochrezept« einer Essstörung vor.
Musiktherapeutin Stephanie Lahusen stellt das »Kochrezept« einer Essstörung vor.

Denn die Ausstellung »Klang meines Körpers«, die sich speziell an Jugendliche richtet, wird nicht einfach irgendwo gezeigt, sondern soll und muss von Fachkräften begleitet werden. Diese Fachkräfte aus Jugendämtern, Schulen und Beratungsstellen aus dem gesamten Kreisgebiet wurden einen Tag lang im Paderborner Kreishaus geschult.

Seminarleiterin ist Musiktherapeutin Stephanie Lahusen aus Düsseldorf. Sie hat die interaktive Ausstellung im Jahr 2006 mit fünf betroffenen jungen Frauen in Bamberg konzipiert. Träger der Ausstellung wurde im Jahr 2009 der Verein Lebenshunger aus Düsseldorf. Seitdem zieht Lahusen durch ganz NRW, verleiht die Ausstellung an interessierte Einrichtungen und schult Fachkräfte.

Methoden stehen im Vordergrund

In den Schulungen geht es ihr um die Methoden, nicht um die Fakten. Magersucht, Bulimie, Binge-Eating – das alles sind bekannte Begriffe für die Fachkräfte. Was sie lernen müssen ist, wie sie auf Menschen zugehen, damit diese sich öffnen und eine Essstörung früh erkannt wird oder erst gar nicht entsteht.

Ein Beispiel: Wie schafft man es kurz und knapp über die Auslöser einer Essstörung zu sprechen? Mit einem Kochrezept. »Man nehme eine weibliche Person, zur Not geht auch eine männliche, vermische sie mit einer großen Portion Selbstunsicherheit und erhitze diese Mischung. Kurz vorm Anbrennen, löschst du dann mit Perfektionismus und hohen Ansprüchen das Gemisch ab«, liest Lahusen vor. In Kleingruppen erarbeiten die Ausstellungsbesucher weitere Zutaten, schreiben sie auf Karten und werfen sie in einen Kochtopf.

Betrachter tauchen in die Welt Betroffener ein

»Das ist ganz konkretes Handwerkszeug, was wir heute mitbekommen«, sagt Seminarteilnehmerin Monika Grobe. Sie arbeitet im Beratungszentrum Nordstraße Paderborn und hat sich auf die Beratung von Familien, Eltern, Jugendlichen – vor allem Mädchen – spezialisiert. Im April wird sie und die anderen geschulten Teilnehmerinnen Schülergruppen, Betroffenengruppen, Angehörige und Interessiere durch die Ausstellung führen.

Diese gliedert sich in einen inneren und einen äußeren Kreis. Im äußeren Kreis beleuchten fünf Tafeln die Aspekte einer Essstörung. Neben den Ursachen und Auslösern geht es um die Signale, die Betroffene geben, um Tipps, wie sie es geschafft haben, die Essstörung zu besiegen. Im inneren Kreis der Ausstellung taucht der Betrachter in die Welt der Betroffenen ein.

Die Ausstellung »Klang meines Körpers« ist von Montag, 16. April, bis Donnerstag, 19. April, im großen Sitzungssaal des Paderborner Kreishauses zu sehen. Eingebettet ist sie in die »Tage der Psychiatrie, Psychotherapie und Beratung« die sich in diesem Jahr dem Thema Essstörungen widmen.

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