Unesco-Kommission erkennt Schützentradition nun doch an – Antrag ruhte zwischenzeitlich Schützenwesen ist Kulturerbe

Paderborn (WB). Die Schützen haben ei­nen Grund mehr, zu feiern: Das Schützenwesen in Deutschland ist ins ­immaterielle Kulturerbe der Bundesrepublik aufgenommen worden.

Von Christina Ritzau
Die St.-Henricus-Bruderschaft, hier beim Umzug 2013, repräsentiert das Schützenwesen im Paderborner Stadtteil Schloß Neuhaus.
Die St.-Henricus-Bruderschaft, hier beim Umzug 2013, repräsentiert das Schützenwesen im Paderborner Stadtteil Schloß Neuhaus. Foto: Jörn Hannemann

Noch im Frühjahr sah es so aus, als ob das Schützenwesen nicht so bald den Sprung in die Unesco-Liste schaffen würde. Damals hatte die Deutsche Unesco-Kommission in Bonn den Antrag zunächst zurückgestellt. Hauptgrund waren Diskussionen um einen muslimischen Schützenkönig in Werl (Kreis Soest) und um homosexuelle Königspaare. Daran hatte der Bund Historischer Deutscher Schützenbruderschaften (BHDS) zu knacken. Er sah seine Traditionen in Gefahr.

Es gab medialen Wirbel und jede Menge Klärungsbedarf. »Das Schützenwesen ist gerade in einem wichtigen Prozess. Es geht darum, ob der Verband noch zeitgemäß ist und um die Öffnung für andere Religionen – das wird gemeinschaftlich erarbeitet«, erläuterte Manuel Teget­hoff (33), Geschäftsführer des Diözesanverbandes Paderborn im BHDS.

Erst nach erneuten Gesprächen mit der Europäischen Gemeinschaft Historischer Schützen (EGS) und dem Deutschen Schützenbund hat die Unesco-Kommission beschlossen, das Schützenwesen als immaterielles Kulturerbe anzuer­ken­nen, wie sie am Freitag mitteilte. Die Kommission würdigte das Schützenwesen als »Ausdruck lokal aktiver Kulturpraxis mit lebendiger Traditionspflege«. Gelobt werden auch das Engagement in der Jugendarbeit und im sozialen Bereich, die Pflege regionaler und europäischer Verbindungen, der integrative Charakter und die »zivile Kultur im Umgang mit Waffentechnik und Waffengebrauch«.

»Die Kommission hat nicht nur darauf geschaut, dass die Schützen ordentlich feiern können, sondern auch gesehen, dass sie sich engagieren«, freute sich Manuel Tegethoff. Peter-Olaf Hoffmann (68), Generalsekretär der ESG, begrüßte die Entscheidung als »Ausdruck der Wertschätzung für all die Schützenschwestern und Schützenbrüder, die die Traditionen des Schützenwesens in all seinen Ausprägungen in den Bruderschaften, Gilden und Vereinen vor Ort jeden Tag leben und dazu beitragen, auch in schwierigen Zeiten ein Zeichen für Gemeinschaft zu setzen.«

Den ersten Antrag bei der Unesco hatte die EGS Ende 2013 gestellt, damals noch unter dem Stichwort »Europäisches Schützenwesen in Deutschland«. Mitte dieses Jahres habe man sich noch über die Formulierung beraten, sagte Hoffmann. Im Gespräch sei gewesen, den Kulturerbe-Status für das »Deutsche Schützenwesen« zu beantragen. »Aber es hat keinen deutschen, sondern flandrischen Ursprung«, erklärte der Generalsekretär. Deshalb einigte man sich auf die Formulierung »Schützenwesen in Deutschland«.

Langfristiges Ziel des EGS ist es, auch die europäische Unesco-Kommission zu überzeugen. Die Anerkennung des Schützenwesens in Deutschland sei ein wichtiger Schritt in diese Richtung.

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