Trotz Regen und herbstlicher Kühle bleibt »Kunst trifft Garten« erfolgreich Mit Genuss auf Gartentour

Paderborn (WV). Jeder Garten braucht einen anständigen Schauer Regen. Dass die Güsse aber ausgerechnet an diesem Wochenende fielen, als die Paderborner Werbegemeinschaft zu »Kunst trifft Garten« einlud, war ein ex­trem unpassender Zeitpunkt.

Von Franz-Josef Herber
Mitten in der Stadt, an der Brüderstraße, haben Hermann und Anneliese Strätling ihr kleines, aber feines Garten-Refugium gestaltet.
Mitten in der Stadt, an der Brüderstraße, haben Hermann und Anneliese Strätling ihr kleines, aber feines Garten-Refugium gestaltet. Foto: Jörn Hannemann

Trotz des mäßigen Wetters ließen sich viele Paderborner ihr »Garten-Hopping« nicht vermiesen. Sie genossen die 16 Gärten der Stadt, die auf Initiative der Werbegemeinschaft ihre Pforten öffneten und von 27 Künstlern bereichert wurden.

Einer der keinen Künstler »braucht«, ist Hermann Strätling: Der 83-jährige Friseur im Ruhestand kann beides – er ist Inhaber eines kleinen, anheimelnden Gartens an der Paderborner Brüderstraße und bekannter Maler vieler Heimatmotive. Wenn die Besucher den Weg durch Spaliere, Beete und Topfpflanzen-Galerien gefunden hatten, erreichten sie Strätlings Kunst-Arbeitsplatz: Ein Keller-Labyrinth, ausgestattet mit Gemälden, Urkunden und Zeitungsauschnitten. Dort arbeitet der »Meister« beispielsweise an seiner 29. Paderborner Weihnachtskarte. Auch zeigt er eines seiner Lieblingsmotiv: eine Innenansicht der Marktkirche. »Unbezahlbar«, schmunzelt der Heimatmaler.

Dagegen muten die Paderborner-Motive von Ilgar Sheydayev ziemlich futuristisch an. Seine Bilder von Rathaus und Westernstraße finden Regenschutz im Gewächshaus der Gärtnerei Marx. Mitgebracht hat der 31-jährige Russe auch seine Skulpturen aus Metallschrott: Da besteht eine Figur schon mal aus 250 Einzelteilen, die er zusammengeschweißt hat und die als Ganzes bescheidene 15 000 Euro kosten.

Skulpturen sind auch das Thema von Marion Bartoldus im Garten der Schwestern der christlichen Liebe. Die Paderbornerin hat unter anderem Figuren aus dem Holz eines 200 Jahre alten Fachwerkhauses geschaffen. Und die Besucher, die sich, so Schwester Christhold, trotz des auch ansonsten offenen Gartentores ansonsten nicht auf das riesige Grundstücktrauen, überwinden ihre Hemmschwelle.

Sehen, wie die Promis wohnen

Die liegt auch für den Garten der Apotheker-Familie Kesselmeier ziemlich tief: Er ist bestes Beispiel – ähnlich wie bei den Grundstücken von Altbürgermeister Heinz Paus oder des früheren Weltklasse-Leichtathleten Kurt Bendlin – dafür, dass die Veranstaltung von Besucher auch genutzt wird, um zu sehen, wie der eine oder andere Promi denn so wohnt. Der Blick über den Zaun in Nachbars Garten bleibt anscheinend immer gleichermaßen reizvoll wie suspekt.

Für die Vorsitzende der Werbegemeinschaft Anne Kersting, die diese Veranstaltung – die dritte ihrer Art – ins Leben gerufen hat, war wie für viele Paderborner , das Wetter kein Argument, die Gärten nicht zu besuchen. Sie lobte das hohe Niveau und schätze vor allem das kontrastreiche Angebot: von großer Parkanlage bis zum kleinen Hinterhof. Die vierte Auflage von »Kunst und Garten«, so Kersting sei selbstverständlich. Erste neue Bewerbungen von Garteninhabern seien schon eingegangen.

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