Paderborner Notfallseelsorger suchen neue Mitstreiter Mit Zeit und Mitgefühl

Paderborn (WB). Der plötzliche  Tod  eines geliebten Menschen lässt die Angehörigen oft ratlos zurück. Wenn die Haustür hinter Sanitätern oder Polizisten ins Schloss fällt, bleibt nichts als  große Leere. Dann sind Notfallseelsorger gefragt. »Wir bleiben, wenn andere gehen müssen« – so lautet ihr Leitgedanke.

Von Ronja Hannebohm
Das Team der Notfallseelsorger in Paderborn braucht dringend neue Mitglieder: (vorne von links) Stefan  Westhoff, Franz-Josef  Otto, Gabriele  Merschmann, Wolfgang Kirchner, Peter  Dalheimer, Sybille Kirchner, Heinz Ruland, Hiltrud Droll, Heino von  Groote,  Hauptkommissar  Stefan Fisahn, Hauptkommissar  und Opferschutzbeauftragter Peter  Gall  sowie (hinten von links) Rettungsassistent Michael Klaholz, Rettungsassistenzpraktikantin Vanessa Häusler und   Michael Beivers, Sachgebietsleiter Rettungsdienst.
Das Team der Notfallseelsorger in Paderborn braucht dringend neue Mitglieder: (vorne von links) Stefan Westhoff, Franz-Josef Otto, Gabriele Merschmann, Wolfgang Kirchner, Peter Dalheimer, Sybille Kirchner, Heinz Ruland, Hiltrud Droll, Heino von Groote, Hauptkommissar Stefan Fisahn, Hauptkommissar und Opferschutzbeauftragter Peter Gall sowie (hinten von links) Rettungsassistent Michael Klaholz, Rettungsassistenzpraktikantin Vanessa Häusler und Michael Beivers, Sachgebietsleiter Rettungsdienst. Foto: Besim Mazhiqi

»Ich bin jetzt seit 15 Jahren dabei und habe natürlich zwischendurch darüber nachgedacht aufzuhören«, erzählt Franz-Josef Otto. »Aber dann kommt wieder ein Einsatz, bei dem man merkt, dass wir wirklich gebraucht werden.« So wie Otto geht es  18 Ehrenamtlichen der Notfallseelsorge Paderborn. Die 1998 gegründete ökumenische Arbeitsgemeinschaft hat es sich zur Aufgabe gesetzt, Polizisten bei der Überbringung von Todesnachrichten zu unterstützen und die Hinterbliebenen direkt  nach dem Todesfall zu betreuen.

Die Anforderungen sind hoch

Wie genau diese Betreuung aussieht, kann ganz unterschiedlich sein, berichtet Stefan Westhoff, der die Initiative gemeinsam mit Pfarrer Peter Scheiwe leitet. »In der Regel sind wir einfach da und hören zu. Ab und zu wird auch gemeinsam gebetet. Und manchmal hilft es schon, eine Tür zuzumachen und so Ruhe zu schaffen.« »Wir können Zeit und Mitgefühl geben«, sagt Heino von Groote. Mitgefühl, das  gerade von einem Außenstehenden viel ausmache: »Manchmal öffnen sich die Leute eher einem Fremden als der eigenen Familie«, weiß Franz-Josef Otto aus Erfahrung. »Ich habe schon stundenlange Gespräche mitten in der Nacht erlebt.«

Markenzeichen lila Jacke: Notfallseelsorger sind bundesweit an diesem Kleidungsstück erkennbar.

Die Anforderungen an einen Notfallseelsorger sind hoch. 65 Einsätze gab es im vergangenen Jahr, ständig haben zwei Helfer Bereitschaft, um in höchstens 30 Minuten vor Ort zu sein – das kann schnell zu viel werden. Vor allem, wenn es um Kinder geht, komme man an seine Grenzen, gibt Westhoff zu: »Wenn ein plötzlicher Kindstod geschehen ist und man sieht die Mutter mit ihrem toten Baby  in den Armen, ist es schon schwer.« Doch die Dankbarkeit, die von den  Hinterbliebenen kommt, motiviert die Ehrenamtlichen  weiterzumachen. »Man erfährt direkt, dass es gut ist, dass wir da waren«, berichtet Hiltrud Droll über die positiven Rückmeldungen. Und auch der Teamgeist halte die Notfallseelsorger zusammen, die Gruppe gebe ihren Mitgliedern den nötigen Rückhalt.

Allerdings sei die Gruppe  zuletzt  merklich geschrumpft: »Häufig sind es persönliche Schwierigkeiten, neben denen die Notfallseelsorge dann einfach nicht funktionieren kann«, berichtet Peter Dalheimer. »Für diese Aufgabe muss man selbst stabil sein«, betont der dienstälteste Ehrenamtliche der Gruppe. Neue Mitglieder ab 25 Jahren, die sich die Herausforderung  zutrauen, werden gesucht. Konfessionen spielen keine Rolle. Muslimische Helfer werden besonders gebraucht, da die Notfallseelsorge auf Hinterbliebene mit islamischem Glauben besser eingestellt sein möchte. Am Donnerstag, 10. September, findet von 18.30 Uhr an im großen Lehrsaal der Feuerwache Süd in der Breslauer Straße eine Informationsveranstaltung zum nächsten Ausbildungskursus statt.

Weitere Informationen gibt es hier.

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