Lena Wilke (24) macht in ihrer Masterarbeit eine ganze Reihe kreativer Vorschläge Bahnhof wird zum Blickfang

Paderborn (WB). Der Streit zwischen der Stadt Paderborn und der Deutschen Bahn über einen Neubau des Hauptbahnhofes schwelt seit Jahren. Und immer noch ist keine Lösung in Sicht. Nur 16 Wochen hatte die 24-jährige Studentin Lena Wilke Zeit, um ihre Masterarbeit nach dem Architekturstudium in Detmold über den Bahnhof zu schreiben und abzugeben. 

Von Rüdiger Kache
Studentin Lena Wilke hat den Neubau des Paderborner Hauptbahnhofes geplant. Sie möchte, dass ihre Vorschläge zum Nachdenken anregen.
Studentin Lena Wilke hat den Neubau des Paderborner Hauptbahnhofes geplant. Sie möchte, dass ihre Vorschläge zum Nachdenken anregen. Foto: Wilke/Hannemann

Ihr ebenso ehrgeiziges wie in der Umsetzung gelungenes Thema: der Bahnhof in Paderborn als visionäre Trichterlösung. »Willkommen in Paderborn! Der Hauptbahnhof ist Ankunftsort für Besucher der Stadt, täglicher Aufenthaltsort für viele Pendler und kann im Stadtbild eine Orientierungshilfe darstellen.

Aus diesem Grund versteht sich der Hauptbahnhof als Eingang zur Stadt und übersetzt das ›Willkommensein‹ durch eine städtebaulich einladende Geste.« Dieser Grundgedanke zieht sich wie ein roter Faden durch die Arbeit. Der Bahnhof – kein ungeliebter Klotz am Rande der Stadt, kein notwendiges Übel, sondern ein Blickfang, eine für sich schon lohnenswerte Sehenswürdigkeit, die bei der Ankunft bereits Lust macht auf Paderborn.

Ausrichtung zu historischen Sehenswürdigkeiten

»Das Empfangsgebäude des Bahnhofes richtet sich nämlich nach den historischen Sehenswürdigkeiten im Stadtzentrum aus, welche sich in dem Bereich von 40-77 Grad befinden«, erklärt Lena Wilke. »Somit wird der Besucher direkt in die Stadt geleitet und hat aufgrund der Höhenentwicklung direkten Bezug zu markanten Gebäuden. Auch beim Verlassen der Stadt über die Bahnhofsstraße ist der Hauptbahnhof fester Bestandteil des Straßenbildes, und er übernimmt verkehrsführende Funktionen aller Verkehrsteilnehmer.«

Der neue Hauptbahnhof Paderborn geht mit der Zeit. Er stellt sich der Herausforderung, in den kommenden Jahrzehnten »mitzuwachsen«, um zum Beispiel dem Grundstück »Florianstraße« eine städtebauliche Integrationsmöglichkeit zu bieten. Hier wird seit mehr als zehn Jahren geplant. Zuletzt sollte hier die neue Stadtverwaltung gebaut werden, die dann doch in die Alanbrooke-Kaserne sollte und jetzt wohl ins ehemalige Orga-Gebäude zieht.

»Bislang«, so erklärt Lena Wilke ihre charmante Architektur-Idee, »wurde der Bahnreisende nach seiner Ankunft in Paderborn mit einer vierspurigen Straße und einer Ampelschaltung empfangen. Diese Situation war unter anderem dem nicht vorhandenen Bahnhofsvorplatz geschuldet. Mit meinem Entwurf eines neuen Bahnhofsgebäudes könnte das Geschichte sein: Eine großzügig gestaltete und nutzerfreundliche Rampenanlage (Steigung: leichte sechs Prozent) entwickelt sich von der gegenüberliegenden Straßenseite hin zum Empfangsgebäude, welches sich über die Bahnhofstraße schiebt und somit eine repräsentative Rolle im Stadtbild einnimmt.

Eingerahmt in ein goldenes Passpartout in Kupfer-Aluminium-Bauweise wird die Glasfassade zum Spiegelbild des vielleicht wichtigsten Erkennungsmerkmals Paderborns: den Kirchen. Aber nicht nur diese spiegeln sich in dem Haupt-Trichter wider, auch das Geschehen auf und in dem Bahnhof werden integrativer Bestandteil des städtischen Lebens wahrgenommen.«

Bahnhof der Kategorie 2

Mehr als 11 000 Reisende – den weitaus größten Anteil daran haben Berufspendler und Schüler – nutzen den Hauptbahnhof jeden Tag. Daran gemessen, das hatte die engagierte Studentin durch Auswertung von Datenmaterial der Bahn herausgefiltert, müsste Paderborn eigentlich einen Bahnhof der Kategorie 2 (von 7 möglichen) haben, vergleichbar mit Aachen, Bielefeld oder Bremen. Mit Pendlern nimmt es die Bahn aber offensichtlich nicht so genau bei der Ausstattung ihrer Bahnhöfe, wenn sie ansonsten auch penibel Statistik bei den Bahnreisenden führt. wenn es um die Rentabilität geht.

Studentische Freiheit

Lena Wilke, die nach ihrem Abschluss in der »architektur-werk-stadt« Paderborn arbeitet, wurde in Paderborn geboren, ist hier aufgewachsen und hat ihr Abi am St. Michaelsgymnasium gemacht. Den heute reichlich ramponierten Hauptbahnhof kennt sie von zahlreichen Fahrten seit Kindesbeinen. »Es hat mich einfach gereizt, hier mal einen völlig anderen Lösungsansatz zu suchen und zu Papier zu bringen.«

Dass sie dabei nicht auf die wohl horrenden Kosten ihrer Bahnhofs-Vision geachtet hat, ist wohl der studentischen Freiheit geschuldet. Am Geld dürfte auch eine Umsetzung scheitern. »Aber es wäre schön, wenn mein Entwurf noch einmal das Denken bei der Bahn beflügeln würde. Paderborn hat ganz sicher einen besseren Bahnhof verdient.«

Kommentare

Tolles Projekt

Super tolles Projekt - ich kann mich noch an meine Zeit erinnern, als ich ein Praktikum in Paderborn gemacht habe. Ich bin da auch täglich am Bahnhof angekommen und es war wirklich nicht der beste Start in den Tag ;)

Noch besser wäre es natürlich gewesen, wenn die Deutsche Bahn das Projekt selbst ausgeschrieben hätte. Schließlich kommen nur so spannende Inspirationen zusammen. Die ganze Industrie-Hochschulkooperation sollte wahrscheinlich sowieso gestärkt werden. Auf www.die-masterarbeit.de beispielsweise gibt es Themenvorschläge von Unternehmen für Abschlussarbeiten. Da sieht man, wie wichtig schon "studentische Innovationen" für den Unternehmenskontext sein können.

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