Tausende begaben sich am Samstagabend auf Entdeckertour Marathon durch die Museen

Paderborn (WB). Von Karl Valentin ist das Zitat überliefert: »Kunst ist schön, macht aber viel Arbeit.« Für Paderborn gilt die Ergänzung, dass Kunst  auch viel Spaß macht. Zumindest in der Museumsnacht, wenn tausende Menschen unterwegs sind, um Ausstellungen und Programme in allen Museen und Galerien der Stadt zu erleben. 

Von Andrea Pistorius
Im Schulmuseum biegen sich die Balken: Beim beliebten Lumpentheater »Max und Moritz« von Christina Seck bleibt kein einziger Sitz frei.
Im Schulmuseum biegen sich die Balken: Beim beliebten Lumpentheater »Max und Moritz« von Christina Seck bleibt kein einziger Sitz frei. Foto: Besim Mazhiqi

Die Auswahl war wieder so groß, dass unmöglich alle Häuser und Veranstaltungen besucht werden konnten – auch wenn von 18 bis 24 Uhr Zeit dafür war, ein detaillierter Plan die Orientierung erleichterte und ein Bus zwischen den zentralen Erlebnisorten pendelte. Und wenn tatsächlich jemand den Ehrgeiz gehabt haben sollte, einen Museumsmarathon hinzulegen, dann musste zwangsläufig die Gelassenheit, ein Theaterstück oder ein Konzert zu genießen, auf der Strecke bleiben.

»Was ist Kunst?«: Das fragten Akteure des Kulturamtes auf den bunten Stühlen vor der Franziskanerkirche die Passanten. Die Stadt hatte die Installation »Chairs to share« von Dorothee Golz gekauft, die im vergangenen Jahr Teil der »Tatort«-Ausstellung in der Innenstadt gewesen war. Die Antworten reichten von: »Ich verstehe nichts davon« bis »Alles, was auffällt« oder »Jeder Mensch ist Kunst, er kann sich individuell gestalten«. Die Zwei-Minuten-Gespräche wurden gefilmt und werden in einem Zusammenschnitt demnächst auf der Internetplattform Youtube zu sehen sein.

Kunstgespräche auf den bunten Stühlen vor der Franziskanerkirche: Kabarettistin Antje Huißmann (rechts) plaudert mit Passantinnen. Foto: Besim Mazhiq

Kunst – das waren auf jeden Fall die zu ihren Aufführungsorten passenden Kurzkonzerte. Darunter perlende Harfenmusik an den Quellen der Pader in der Kaiserpfalz, italienischer Belcanto vor den Barockgemälden in der Reithalle und die Gesänge zu ausgewählten Exponaten der »Caritas»-Ausstellung im Diözesanmuseum.

Bei den Ausstellungen in den jungen Paderborner Galerien entspann sich dagegen häufig ein Disput, ob das denn Kunst sei, wenn man Schubladen aufeinandertürmt und dann mit Sachen füllt (Schaulade) oder bei einer Zigarette über Gott und die Welt plaudert (Raum für Kunst).

Viel Beifall erhielt jedenfalls die Performance im Gewölbesaal des Schloß Neuhäuser Bürgerhauses zum Thema »Verborgene Träume« mit den Elementen Malerei, Text, Tanz und Film. Die Stühle reichten dort ebensowenig wie in der Galerie am Abdinghof bei der szenischen Darstellung von Episoden aus der Paderborner Stadtgeschichte.

Die Provisorien gehörten zum besonderen Charme der Museumsnacht – fast alles war umsonst, vieles draußen und nirgendwo gab es eine Hemmschwelle, sich mit Kultur zu befassen.
Den größten Zulauf hatte erwartungsgemäß das Heinz-Nixdorf-Museumsforum mit seinen Technikprogrammen zum Ausprobieren. Wenn dort Kunst Arbeit machte, dann war das Tüfteln aber auf jeden Fall ein Spaß.

Hier spricht die Polizei: Felix Hoffmann zeigt anhand historischer Geräte im HNF-Foyer, wie die alte Funktechnik der Polizei funktioniert. Foto: Besim Mazhiqi

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