Veränderungssperre legt ganzes Viertel zwei Jahre auf Eis Scharfes Schwert gegen Bau von Studentenwohnheim

Paderborn (WB). Die Stadt Paderborn fährt neue Geschütze auf, um damit auch den Bau von 262 Studentenappartements in der Detmolder Straße zu verhindern. Diesmal sollen die Politiker eine so genannte Veränderungssperre beschließen und damit zwei Jahre lang alle Bautätigkeiten in einem großen Paderborner Viertel auf Eis legen.

Von Karl Pickardt
Von der geplanten Veränderungssperre, die alle Bautätigkeiten zwei Jahre lang lähmt, ist ein großes Viertel  beiderseits der Detmolder Straße in Paderborn betroffen.
Von der geplanten Veränderungssperre, die alle Bautätigkeiten zwei Jahre lang lähmt, ist ein großes Viertel beiderseits der Detmolder Straße in Paderborn betroffen. Foto: Jörn Hannemann

Seit vielen Monaten laufen der Paderborner Unternehmer Dietmar Knust (Zweiradhaus Peter Born und Burger King) und Investor Alexander Warkentin (K & W Immobilien) in der Stadtverwaltung und Politik mit ihren Plänen gegen die Wand, auf einem Grundstück im Bereich Cherusker-Straße/Detmolder Straße für 19 Millionen Euro den Studentenkomplex zu bauen. Nachdem anfänglich gar von 363 Appartements die Rede war, die in der Kommunalpolitik auch schon mal als »Karnickelställe« (SPD-Fraktionschef Franz-Josef Henze) abgekanzelt wurden, hatten die Investoren nach Verhandlungen mit der Stadt ihre Pläne abgespeckt.

In der Stadtverwaltung stoßen die Millionen-Baupläne auf dem Knust-Areal auf wenig Gegenliebe, weil das Projekt zu klotzig sei und dann  Wohnungscharakter in dem Viertel den Schwerpunkt setze. Das aber wollen die Planer verhindern: In dem Viertel mit Cheruskerstraße, Bahnlinie, Salierstraße, Pfälzer Weg, Detmolder-, Arminius- und Robert-Kochstraße vor den Toren der Altstadt sollen mehr Geschäfte und weniger Wohnungen angesiedelt werden. Nur noch Geschäftsinhaber oder Aufsichtspersonal der dort angesiedelten Betriebe seien erwünscht. Eine Diskothek, von der immer wieder in der Detmolder Straße gesprochen wird, sei weiterhin möglich.

Investoren bleiben hartnäckig

Im Bau- und Planungsausschuss am 21. Oktober des vergangenen Jahres ermächtigten die Paderborner Politiker die Verwaltung, die Bauvoranfrage zum Bau der Studentenappartements bis zu einem Jahr auszusetzen. Diese Frist läuft bald ab. Nicht nur die Investoren Dietmar Knust und Alexander Warkentin halten hartnäckig an ihren Bauplänen im Viertel rund um die Detmolder Straße fest: Auch andere Bürger wollen dort Wohnraum schaffen.

Inzwischen haben im Zuge der Bürgerbeteiligung viele Menschen ihren Unmut geäußert: Sie fordern  eine uneingeschränkte Wohnnutzung  und die Ausweisung eines Mischgebietes in dem Viertel, teilt Bürgermeister Michael Dreier mit.

Stadt unter Zeitdruck

Die Stadtverwaltung gerät unter Zeitdruck, weil Ende Oktober die einjährige Aussetzung der Bauvoranfrage zum Bau der Studentenappartements abläuft. Deshalb will der Bürgermeister eine starke Planungs-Waffe aus dem Schrank holen: Für das gesamte Gebiet des Bebauungsplanes »Detmolder Straße/Robert-Koch-Straße« soll eine Veränderungssperre erlassen werden.

Sollte sie zunächst im Bauausschuss in der nächsten Woche am 20. August und dann endgültig vom Rat am 3. September beschlossen werden, sind alle Bautätigkeiten (auch  Um- und Ausbau) zwei Jahre lang untersagt. Lediglich Projekte, für die vor Inkrafttreten der Veränderungssperre eine Genehmigung vorliegt, dürfen verwirklicht werden. Erlaubt sind auch Reparatur- und Unterhaltungsarbeiten. Eine Veränderungssperre kann  nochmal um ein weiteres Jahr verlängert werden

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