36-Jährige soll von Alexander Prinz zu Schaumburg-Lippe 235.000 Euro gefordert haben Vom »Burgfräulein« erpresst?

Paderborn (WB). 2004 machte sie Schlagzeilen als das »Burgfräulein« von Alexander Prinz zu Schaumburg-Lippe (56). Jetzt steht Tina W. (36) wegen versuchter Erpressung in Paderborn vor Gericht. Sie soll mit zwei Komplizen 235.000 Euro von »ihrem« Prinzen gefordert haben.

Von Ulrich Pfaff
Im Forsthaus  am Hermannsborn lebte das Paar.
Im Forsthaus am Hermannsborn lebte das Paar. Foto: Zapfe-Nolte

Mit Alexander Prinz zu Schaumburg-Lippe will Tina W. aus Bückeburg eigenen Angaben zufolge vor mehr als zehn Jahren eine Affäre gehabt haben. Mit möglicherweise intimen SMS auf einem alten Handy wollte sie ihn laut Anklage erpressen. Am Donnerstag begegnen sich beide vor dem Landgericht Paderborn: das »Burgfräulein« als Angeklagte, der Prinz als Zeuge.

Schon die Vorgeschichte hat das Zeug zum Krimi mit politischem Hintergrund. Im November 2014 will der Staatsschutz Bielefeld das Forsthaus in Bad Driburg durchsuchen. Es gibt Erkenntnisse über mutmaßlich rechtsradikale Aktivitäten der Bewohner. In dem Haus leben die jetzt 36-Jährige aus Bückeburg und ein 64-Jähriger aus Thüringen, allerdings ohne polizeilich gemeldet zu sein.

Bei dem Einsatz werden drei Kampfhunde erschossen, im Gebäude selbst findet der Staatsschutz eine ganze Menge brauner Devotionalien, unter anderem ein Hitler-Foto im Schlafzimmer. Strafrechtlich relevant aber werden für den Prozess, der Ende Juni begonnen hat, zwei illegale Schusswaffen: Ein Kleinkalibergewehr und ein Neun-Millimeter-Einzellader sollen griffbereit im Flur gestanden haben.

Das Pärchen soll zuvor im thüringischen Gotha schon die Staatsanwaltschaft beschäftigt haben. Tina W. ist seit Jahren in der so genannten Reichsbürgerbewegung umtriebig, die eine rechtmäßige Existenz der Bundesrepublik Deutschland bestreitet. Die Frau gilt als Holocaust-Leugnerin. Mangels polizeilicher Meldeanschrift befindet sie sich jetzt anlässlich des Prozesses in Untersuchungshaft.

Der 64-Jährige aus Thüringen firmiert unter anderem als Unternehmensberater, wurde von der 36-Jährigen werbemäßig unterstützt. Auch der Dritte im Bunde, ein 46-jähriger ehemaliger Rechtsanwalt aus Herdecke, ist in der »Reichsbürger«-Szene unterwegs. Er soll mit Tina W. zeitweise als Inhaber einer gemeinsamen Kanzlei aufgetreten sein. Das Duo wird nun beschuldigt, den Prinzen erpresst zu haben.

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.