Politikwissenschaftlerin Judith Cramer (32) sucht entschlossen 500 Bewerbungen: »Niemals aufgeben«

Paderborn (WB). Wer nach der Ausbildung oder nach dem Studium einen »Job fürs Leben« sucht, muss erst einmal durch die Bewerbungsmühle. Die Lehrstelle war vielleicht noch über gute Beziehungen leicht zu bekommen. Beim Studium zählte zunächst der Zeugnisschnitt fürs Weiterkommen. Doch dann beginnt der Ernst des Lebens, an dem manche schier verzweifeln.

Von Rüdiger Kache
Judith Cramer (32) weiß nach 500 Bewerbungen und 50 Vorstellungsgesprächen: Der Weg zum Traumjob ist weit.
Judith Cramer (32) weiß nach 500 Bewerbungen und 50 Vorstellungsgesprächen: Der Weg zum Traumjob ist weit. Foto: Besim Mazhiqi

Da kennt jeder einen Uni-Absolventen, der einen dicken Ordner mit Bewerbungsunterlagen und Absagen im Schrank stehen hat. Nicht so für Judith Cramer (32), die einen wahren Bewerbungs-Marathon hinter sich hat und zurzeit immer noch auf der Suche nach einem geeigneten Arbeitgeber ist. »Mehr als 500 Unternehmen habe ich in den vergangenen zwölf Monaten angeschrieben. Mehr als 50 Mal wurde ich zu persönlichen Vorstellungsgesprächen eingeladen«, zieht sie eine eigentlich ernüchternde Bilanz.

Sie studierte von 2003 bis 2008 in Würzburg und Freiburg Politikwissenschaften, Soziologie und Öffentliches Recht und machte ihren Zweier-Abschluss als Politikwissenschaftlerin, M.A. mit den Schwerpunkten Wahlen, Wahlrecht, Wahlsoziologie, Parteiensystem in Deutschland, Rechts- und Linksextremismus und Organisierte Kriminalität.

Ein gutes Startkapital, um sich den Lebenstraum zu erfüllen, dachte sie damals, zumal sie bereits zwei interessante Praktika in der Botschaft der Republik Ruanda in Berlin und in der FDP-Bundesgeschäftsstelle, ebenfalls in der Bundeshauptstadt, absolviert hatte. So lag es nicht fern, bei einem Bundestagsabgeordneten in Pforzheim eine Anstellung zu finden, dessen Wahlkreisbüro Judith Cramer zwei Jahre lang leitete, inklusive Redenschreiben, Veranstaltungen organisieren und der inhaltlichen Aufbereitung von Themen. Es folgten neun Monate als Social Media Managerin in einer Betriebsberatung und fast zwei Jahre als Referentin für externe Kommunikation in einem großen Unternehmen.

Im April 2014 suchte sie neue Herausforderungen und fand sich urplötzlich in dem Heer von Arbeitssuchenden wieder. »Und das mit fast 32, da wird´s immer kniffliger«, musste sie feststellen. 500 Bewerbungen, 50 Vorstellungsgespräche. »Oft gab es 300 Bewerber, selbst für nicht ganz so attraktive Stellen auf dem Lande, und man konnte schon froh sein, unter die besten zehn zu kommen, die eingeladen wurden.«

Sie hat Bewerbungsratgeber studiert, Coachings absolviert, die geforderten Praktika nachgewiesen und auch kein schlechtes Examen vorzuweisen. Ihre heutigen Schwerpunkte setzt Judith Cramer in den Bereichen Politik, Kommunikation und Marketing.

Sie ist zwar etwas frustriert, dass nach Bergen von Bewerbungen (über 70 Prozent per Mail) noch nichts Passendes dabei war. »Aber ich möchte auf diesem Wege auch anderen, die vor dem gleichen Problem stehen, Mut machen, nicht zu verzagen. Wenn es bei den Praktika und den anderen Bewerbungen geklappt hat, kann es ja an mir allein nicht liegen«, so ihre positive Sichtweise. 30 Bewerbungen sind noch unterwegs. »Ich warte jeden Tag auf Antwort, schreibe jeden Tag neue, ausgewählte Bewerbungen. Ich bleibe zuversichtlich.«

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