NRW-Umweltminister Johannes Remmel befeuert mit Naturschutzgesetz Diskussion um die Senne Neuer Anlauf zum Nationalpark

Paderborn (WB). Die Landesregierung richtet die Naturschutzpolitik neu aus. Das Kabinett hat Eckpunkte für ein neues Naturschutzgesetz verabschiedet. Einer davon ist die Ausweisung eines zweiten Nationalparks in NRW – in der Senne.

Von Bernd Bexte
Die Senne ist nicht nur Truppenübungsplatz, sondern eine der schönsten Landschaften in Nordrhein-Westfalen.
Die Senne ist nicht nur Truppenübungsplatz, sondern eine der schönsten Landschaften in Nordrhein-Westfalen. Foto: Paderborner Land Tourismus

Das neue Landes-Naturschutzgesetz sieht unter anderem vor, die Fläche weiträumiger Biotope in NRW von derzeit 10 auf 15 Prozent zu erhöhen. »Dazu zählt auch, dass wir neben dem Nationalpark Eifel einen zweiten Nationalpark vorantreiben wollen, wie dies vom Landtag bereits beschlossen wurde«, kündigte NRW-Umweltminister Johannes Remmel (Grüne) gestern an. Gemeint ist die Senne. Ein Nationalpark sichere dort Artenvielfalt und eröffne Chancen für wirtschaftliche Entwicklung.

Entsprechende Pläne für die Senne sollen auch in den neuen Entwurf für einen Landesentwicklungsplan (LEP) aufgenommen werden. Das hatte ein Vertreter der Staatskanzlei bereits in der vergangenen Woche im Regionalrat Detmold angekündigt. Bislang wurde das Vorhaben im LEP noch nicht berücksichtigt.

Vor Jahren scheiterten die Pläne

Die Bezirkskonferenz für Naturschutz und der Förderverein Nationalpark Senne-Eggegebirge begrüßen diesen Schritt. »Mit dem bevorstehenden Abzug des britischen Militärs und einer drastischen Reduzierung der Bundeswehr besteht die reale Chance, in absehbarer Zeit einen Nationalpark Senne zu realisieren.« Widerstand vor Ort ist allerdings programmiert: Pläne für einen Nationalpark Teutoburger Wald waren vor etwa dreieinhalb Jahren krachend gescheitert.

Remmel sieht dennoch großen Handlungsbedarf. Bereits Ende Januar hatte das Kabinett Kraft eine sogenannte Biodiversitätsstrategie beschlossen, die unter anderem von Waldbauern heftig kritisiert wird. Sie bildet die Grundlage für die Neuausrichtung der Naturschutzpolitik.

Fokus liegt auf dem Naturschutz

Auch der Naturschutz-Etat wurde von 18 auf 36 Millionen Euro verdoppelt. Denn in NRW, so Remmel, stehe inzwischen fast die Hälfte der Arten auf der Roten Liste. »Mit dem neuen Landesnaturschutzgesetz wollen wir dem entgegenwirken.«

43.000 Tier- und Pflanzenarten seien derzeit im Land beheimatet. Der Artenverlust sei »neben dem Klimawandel die größte Bedrohung für uns und die Art und Weise, wie wir leben werden«. Auch ein weiterer Rückgang des Grünlandes müsse verhindert werden.

Flächen sollen an Stiftungen gehen

Laut Remmel schrumpfen die Flächen seit Jahren, zudem würden 80 Prozent davon landwirtschaftlich intensiv bearbeitet und seien deshalb nicht besonders artenreich. Man wolle kein weiteres Grünland in Ackerland umwandeln lassen. Zur Sicherung der Naturschutzgebiete behält sich das Land ein Vorkaufsrecht für diese Areale vor. Diese Flächen sollen Stiftungen übergeben werden. Das ist umstritten.

Kritiker befürchten, dass die Flächen der politischen Kontrolle entzögen würden. Das Naturschutzgesetz geht jetzt in die Verbändeanhörung. Im kommenden Frühjahr soll es verabschiedet werden.

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