Gutachter warnt vor Verbannung des Padersprinters aus der Fußgängerzone – Bürgermeister lehnt Bürgerentscheid ab Busfreie City kostet Geld und Kunden

Paderborn (WB). Ohne Linienbusse in der Fußgängerzone verliert die Paderborner Innenstadt jährlich 250.000 bis 320.000 Besucher und Kunden. Die Stadt müsste außerdem bis zu 1,63 Millionen Euro für neue Bushaltestellen und höheren Verlustausgleich an den städtischen Omnibusbetrieb Padersprinter zahlen. Bürgermeister Michael Dreier will noch im Juni den Rat beschließen lassen: Die Busse bleiben drin.

Von Karl Pickhardt
Es bleibt wohl dabei: Linienbusse fahren in Paderborn auch weiterhin durch die Fußgängerzone und bedinene Haltestellen am Rathaus und Am Kamp. Ein Gutachten liefert der Politik viele Gründe, an den sechs Buslinien in der Innenstadt festzuhalten.
Es bleibt wohl dabei: Linienbusse fahren in Paderborn auch weiterhin durch die Fußgängerzone und bedinene Haltestellen am Rathaus und Am Kamp. Ein Gutachten liefert der Politik viele Gründe, an den sechs Buslinien in der Innenstadt festzuhalten. Foto: Besim Mazhiqi

Verkehrsgutachter Mathias Schmechtig (Kassel) hat vor 70 Zuhörern im Rathaussaal in einer Informationsveranstaltung zum Paderborner Dauerbrenner »Busse in der Innenstadt« drei alternative Buslinien für eine busfreie Fußgängerzone vorgestellt. Sein Fazit: Bei allen Lösungen büßt die Innenstadt mit einer busfreien Fußgängerzone Besucher ein. Fallen die beiden Haltestellen am Rathaus oder am Kamp weg, drohen längere Fußwege zu Geschäften, Ärzten, Apotheken, Theater oder Lokalen. Fußwege länger  als 300 Meter würden nicht akzeptiert. Besucher blieben fern.

Bei der Variante 1 fahren sämtliche Padersprinter-Linienbusse über den Le-Mans-Wall, bei der Variante 2 auch über Friedrichstraße und Maspernplatz. Variante 3 sieht eine Mischlösung vor: Drei stark genutzte Linien (2, 4 und 9) fahren weiterhin durch die Innenstadt, die drei anderen schwächer benutzten Linien über den Ring. Bei dieser Lösung halbiere sich die Busanzahl in der Fußgängerzone (heute 400).

Die Fußwege würden weiter werden

Eine busfreie Fußgängerzone führe zu deutlich längeren Fußwegen von den Haltestellen Zentralstation und Rosentor zu Innenstadt-Zielen. Von der Zentralen Busstation und vom Rosentor zum Dom seien es 600 und zum Neuen Platz 450 Meter. Sollte die Zentrale Busstation – wie geplant – zur Westernmauer verlegt werden, verlängerten sich die Fußwege nochmals. Der Gutachter erwartet, dass bei einer busfreien Fußgängerzone mindestens jeder dritte heutige Buspassagier auf die Fahrt zur Innenstadt verzichte und lieber Geschäfte am Stadtrand oder in den Stadtteilen nutze. Das treffe auch den Wochenmarkt empfindlich.

Ohne Haltestellen am Rathaus und am Kamp drohe dem Paderborner Hauptknotenpunkt Westerntor sowie den Haltestellen an der Rosenstraße eine deutlich höhere Verkehrsbelastung durch Omnibusse. Auch der Autoverkehr nehme zu: Täglich parkten 550 Autos mehr als heute auf den City-Parkplätzen. Zur Entlastung müsse die Stadt am Le-Mans-Wall für etwa 600.000 Euro drei Doppelhaltestellen sowie vom Rosentor bis zum Westerntor Busspuren für 500.000 Euro bauen.

Zu den Kosten kommt der Verlustausgleich

Zu diesen 1,1 Millionen Euro kommen noch einmal bis zu 527.000 Euro höherer Verlustausgleich (weniger Fahrgäste) aus der Stadtkasse an den Padersprinter hinzu. Zudem müsse Padersprinter neue Busse kaufen: Die Betriebskosten erhöhten sich bei weniger Fahrgästen.

Aber es gibt auch Gewinner einer busfreien Innenstadt: Davon profitierten Anwohner und auch Gäste, denen nicht ständig Busse begegneten (»höhere Aufenthaltsqualität«). Auch die Außengastronomie profitiere von einer Innenstadt ohne Busse ebenso wie hochwertiger Einzelhandel in der Nähe der heutigen Busführung.

Bürgermeister Dreier ist dagegen

Bürgermeister Michael Dreier will das Projekt »busfreie Innenstadt«, das Paderborn seit Jahrzehnten diskutiert, aufgeben. In einer Vorlage für den Stadtrat am 25. Juni empfiehlt er der Politik, an den Buslinien in der Innenstadt festzuhalten. Außerdem soll der FBI-Antrag auf einen Ratsbürgerentscheid zum Thema »Busse in der City« zurückgewiesen werden.

So deutet sich an, dass nur zu Libori, zum Weihnachtsmarkt, zum Frühlingsfest und Frühlingserwachsen, in der »Powerwoche« oder bei Veranstaltungen wie jetzt zum Deutschen Wandertag Linienbusse die Fußgängerzone meiden. »An 50 Tagen im Jahr bleiben die Busse aus der Fußgängerzone«, hat Padersprinter-Chef Peter Bronnenberg ausgerechnet

Kommentare

Busse auf jeden Fall in der Stadt lassen!

Die Busse sollten auf jeden Fall in der jetztigen Weise weiter durch die Stadt fahren dürfen. Wir haben sonst an allen Ecken und Enden Verlierer. Die Stadt hätte hohe Investitionen und eine doppelte Verkehrsbelastung an anderer Stelle. Es würden mehrere hundert Parkplätze zusätzlich benötigt, etc.

Die Habenseite kann dagegen nicht überzeugen! Im Gegenteil - die Busse bringen nicht nur ältere und geheingeschränkte Einzelpersonen recht praktisch an den Zielort, sondern auch Leben in die Innenstadt. Leben, das der Einzelhandel angesichts einer immer härter werdenden Internetkonurrenz dringend benötigt.
Die Stadt wäre doppelt schlecht beraten diesen Vorteil aufzugeben. Und mal ganz ehrlich, die Busse stören die Fussgänger nicht wirklich, sie sind integrierter Bestandteil der lebendigen Paderborner Innenstadt. Die im Verhältnis geringe Anzahl der betroffenen Anwohner hat sich seit eh und je an die Busse gewöhnen können. Vor Jahren gab es zusätzlich auch noch regulären PKW-Verkehr am Kamp bis zum Rathausplatz. Doch diese Zeiten sind schon lange vorbei. Auch damals hatte keiner Anlass zur Beschwerde, denn man hat sich schliesslich grundsätzlich für die Innenstadt mit allen Emissionen entschieden.
Der Rat ist gut beraten, diesen von wenigen geforderten Bürgerentscheid fallen zu lassen. Die Sachlage ist allzu klar und die Gefahr ist gross, dass ein klar zu beurteilendes Thema nur Spielball von Stimmungsmache und der Sachlage nicht gerecht wird. Diesen Aufwand kann man sich von vornherein sparen. Hoffentlich ist der Rat vernünftig genug! Der Bürgermeister hat hier den richtigen Schritt gemacht!

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