Bürgermeister will Alanbrooke-Pläne als Verwaltungssitz begraben und 35 Millionen sparen »Wir ziehen zum Hoppenhof«

Paderborn (WB). Die Alanbrooke-Kaserne ist als neuer Sitz der Paderborner Stadtverwaltung wohl kein Thema mehr. Bürgermeister Michael Dreier verwirft  Pläne seines Vorgängers Heinz Paus. Jetzt soll das so genannte Orga-Gebäude am Hoppenhof zur Stadtverwaltung werden. Dreier will mit dieser Lösung 35 Millionen Euro sparen.

Von Karl Pickhardt
Bürgermeister Michael Dreier will mit der Stadtverwaltung ins Orga-Gebäude am Hoppenhof ziehen. Ein zweiter Standort des Stadthauses bleibt am Abdinghof in der Innenstadt.
Bürgermeister Michael Dreier will mit der Stadtverwaltung ins Orga-Gebäude am Hoppenhof ziehen. Ein zweiter Standort des Stadthauses bleibt am Abdinghof in der Innenstadt. Foto: Jörn Hannemann (Foto/Montage)

Damit deutet sich in der Standortfrage der künftigen Stadtverwaltung eine rasante Wende an, nachdem zwei Jahre lang eine Nutzung der  zwölf denkmalgeschützten Alanbrooke-Kasernengebäude  in der Elsener Straße nach einem Abzug der Briten von 2016 an als »neue« Stadtverwaltung vermeintlich als so gut wie sicher galt. Die Deutsche Immobilien Leasing (Düsseldorf), eine Tochter der Deutschen Bank,  hatte im Frühjahr der Stadt das vermietete Orga-Firmengebäude am westlichen Stadtrand erneut  zum Kauf angeboten und damit  die Kasernen-Planungen nochmals ins Wanken gebracht. Offenbar ist die Immobiliengesellschaft mit dem Preis nach unten gegangen, nachdem sie im Frühjahr 2011 noch zwölf  oder mit Sanierung 15 Millionen Euro haben wollte.

Jetzt will der Bürgermeister zugreifen,  das komplette Orga-Gebäude kaufen und zeitgleich Alanbrooke-Pläne verwerfen. Der neue Plan: Eine Stadtverwaltung mit zwei Standorten. Denn nicht die gesamte Verwaltung (800 Mitarbeiter) zieht zum Hoppenhof. Am Abdinghof  bleibt  »so viel wie möglich« (Dreier). Auch der Bürgermeister residiert weiterhin am Abdinghof. Das Technische Rathaus in der Pontanusstraße werde  aber aufgegeben: Die Baubehörden ziehen zum Hoppenhof. Im Orga-Gebäude hat die Stadt als Mieterin schon heute zwei Türme für die Ämter Jugend, Soziales, Sport und Schule bezogen.

Mit Kämmerer Bernhard Hartmann hat der Bürgermeister ausgerechnet, dass eine Stadtverwaltung in einer aufwändig sanierten  Alanbrooke-Kaserne   und etlichen Umbauarbeiten zusammen mit dem  Teilstandort Abdinghof (mit Bürgerbüro) in 25 Jahren 150 Millionen Euro koste. Die Lösung Hoppenhof mit Teilstandort Abdinghof koste in diesem Zeitraum »nur« 115 Millionen Euro. »35 Millionen Euro Erspartes sind ein Wort«, sagt Bürgermeister Dreier.

So tritt der Bürgermeister mit seinem 35-Millionen-Euro-Sparvorschlag  (Kauf Orga-Gebäude am Hoppenhof und Aufgabe der Alanbrooke-Kaserne) an die Politik. Dreier ist zuversichtlich, dass der Stadtrat noch in diesem Jahr einem neuen Verwaltungssitz in dem 15 Jahre alten Orga-Gebäude mit  Teilstandort am Abdinghof zustimme.  CDU-Chef  Markus Mertens hat gestern für die größte Fraktion im Rathaus schon Zustimmung signalisiert.

Bürgermeister Dreier und Sozialdezernent Wolfgang Walter sind sicher, dass  die Alanbrooke-Kasernen statt  zum Verwaltungssitz auch zu  Wohnräumen umzubauen seien. Das zeigten Beispiele in anderen Städten.  Die Jugendherberge, die ihr Gebäude am  Mas­pernplatz verlassen möchte, könne dort ein neues Domizil finden, sagte Walter. Der südliche Bereich der Kasernenflächen ist nach dem Briten-Abzug ohnehin als neue Wohnsiedlung mit Park (heute Exerzierplatz) vorgesehen.

Kommentare

Schon länger wird ein Umzug der Stadtverwaltung diskutiert. Erst ein neuer Standort an
der Florianstrasse, dann die Lösung Alanbrooke Kaserne und jetzt hat man sich für die
maroden Orgatürme entschieden. Man spart laut Milchmädchen Rechnung 35 Mio.
Da ist man dann der Vorstadt Stadtverwaltung näher gekommen. In jeder Stadt findet man
die Verwaltung zentral, nur in Paderborn soll sie in die Vorstadt verlagert werden. Der Herr
Bürgermeister hat dabei nicht an die Bürger gedacht, die auf den öffentlichen Nahverkehr
angewiesen sind, denn der Bereich wird nur mit der Haltestelle "Stedener Feld" abgedeckt.
Diese Menschen müßten dann noch einen fast 1000 meter Fußmarsch bewältigen.
Alte Menschen und Behinderte hätten dann kaum noch eine Möglichkeit, die Verwaltung
zu erreichen, denn sie werden nicht mit einem Dienstwagen mit Fahrer bis vor die
Eingangstür gefahren, Herr Bürgermeister. Vielleicht sollte Herr Dreier einmal in einem
der überfüllten Padersprinter fahren, mit einem Rollstuhl oder Rollator, es ist grauenvoll.
Für uns Bürger wäre die Florianstrasse die beste Lösung, denn der Standort ist von allen
Stadtteilen gleichgut erreichbar, wäre ein Neubau, der nicht in den nächsten Jahren
immer wiederkehrende Renovierungen nach sich ziehen würde. Wenn man im Jugendamt
genau hinsieht, dann sieht man die Schäden bereits.

1 Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.