650 Mitarbeiter bangen beim Software-Hersteller um ihre Arbeitsplätze Orga Systems insolvent

Paderborn (WB). Schlimme Nachrichten kurz vor Ostern: 650 Mitarbeiter des Paderborner Softwareunternehmens Orga Systems müssen um ihre Jobs bangen. Das IT-Unternehmen hat am Mittwochabend beim Amtsgericht Paderborn Insolvenz beantragt. In Paderborn beschäftigt Orga gut 200 Mitarbeiter.

Von Edgar Fels

Zu den Gründen der Insolvenz machte Unternehmenssprecher Andreas Freund am Donnerstag keine Angaben. Er deutete nur an, dass der internationale Markt im Telekommunikationsbereich, in dem Orga Systems viele Kunden habe, sehr schwankend sei.

Laut Bundesanzeiger hatte Orga Systems indes bereits in seiner Bilanz 2013 einen Jahresfehlbetrag von 32,3 Millionen Euro ausgewiesen – nach einem Minus von 346000 Euro 2012. Zahlen für 2014 nennt Orga nicht und macht auch keine Angaben zum Umsatz. Bestehende Kreditverträge mit Banken über 25 Millionen Euro mussten jedoch zum 31. März verlängert werden. Das dürfte die Insolvenz ausgelöst haben.

Die Mitarbeiter sind laut Freund am Donnerstag von der Geschäftsleitung sowie dem vorläufigen Insolvenzverwalter Dr. Frank Kebekus (Düsseldorf) informiert worden. Kebekus habe erklärt, dass die Gehälter im Zuge des Insolvenzverfahrens für drei Monate gesichert seien. Der Geschäftsbetrieb wird Freund zufolge weitergeführt – was nicht nur für die Mitarbeiter selbst, sondern auch für die Kunden weltweit wichtig sei.

Orga Systems ist in Deutschland in Paderborn (200 Mitarbeiter) sowie mit einem Büro Berlin (etwa 15 Mitarbeiter) vertreten. Größere internationale Standorte sind in Brasilien Rio de Janeiro (gut 100 Mitarbeiter) und Buenos Aires (etwa 80) sowie in Indien Kolkata (früher Kalkutta) mit mehr als 100 Mitarbeitern. Das Unternehmen entwickelt Software für »echtzeitbasierte Abrechnungen von mobilen Diensten.« Darunter falle etwa beim Handy die Prepaidkarte. In Italien gehört die Mobilfunkgesellschaft TIM zu den Kunden. In Deutschland hat Orga keinen Kunden im Mobilfunkbereich.

Ferner ist Orga Systems tätig für Energieversorger (Stromabrechnung), Eisenbahngesellschaften (interne Kommunikation in Zügen) sowie für Autohersteller. Für den Münchner Autobauer BMW entwickelte Orga etwa die Software für das Fahrerassistenzsystem Connected Drive.

Nach Angaben des Sprechers ist die Günther-Holding in Hamburg Eigentümer von Orga Systems. Diese hatte bereits 2014 eine »Restrukturierung« eingeleitet, in deren Folge etwa 60 Mitarbeiter das Unternehmen verlassen mussten. Begründung damals: Geschäftsergebnisse hätten sich schlechter entwickeltet als erhofft und der Umsatz habe nach unten korrigiert werden müssen.

Das Orga-Gebäude steht offenbar seit längerem zum Verkauf. Schon 2011 hatte die Deutsche Immobilien Leasing (Düsseldorf) das Gebäude für zwölf Millionen Euro, mit Sanierung für 15 Millionen Euro, angeboten. Damals hatte die Stadt Paderborn als Interessent den Kauf aber abgelehnt. 2011 beschäftigte Orga noch 320 Mitarbeiter in Paderborn.

Orga Systems entstand 2003, als sich der damalige Mutterkonzern Orga in Orga Systems und Orga Kartensysteme aufspaltete. Orga Kartensysteme nennt sich heute Morpho Cards (Hersteller von SIM-Karten, weltweit gut 8600 Mitarbeiter, davon 587 in Deutschland) und gehört zum französischen Konzern Safran. Erst im November hatte Safran angekündigt, den Entwicklungsstandort Paderborn mit 154 Mitarbeitern zum Sommer dieses Jahres aufzugeben.

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