Streit um Expertin Verteidiger halten Sachverständige für nicht kompetent

Paderborn (WB). Der Prozess gegen die Paderborner Ärztin Dr. Susanne C. (44), die 522 ahnungslosen Patienten Kortison gespritzt haben soll, ist bereits am zweiten Verhandlungstag ins Stocken geraten.

Von Christian Althoff
Die angeklagte Ärztin Dr. Susanne C. mit Dr. Detlev Binder, einem ihrer beiden Verteidiger.
Die angeklagte Ärztin Dr. Susanne C. mit Dr. Detlev Binder, einem ihrer beiden Verteidiger.

Die Verteidiger lehnten am Freitag die vom Gericht beauftragte Sachverständige Prof. Dr. Karin Hengst von der Uni Münster ab. Sie meinen, der Internistin fehle in wesentlichen Punkten die Sachkunde. Sie soll sich vor allem dazu äußern, ob die Beschwerden der Patienten (wie Wachsstumsstörungen bei Kindern) auf Kortison oder eine homöopathische Therapie zurückzuführen sind.

Ganz offensichtlich substanzlos scheint die fünfseitige Begründung der Anwälte Torsten Giesecke und Dr. Detlev Binder nicht zu sein, denn das Gericht entschied am Freitag noch nicht über den Antrag. Es schickte die fünf Arzthelferinnen, die als Zeuginnen geladen waren, nach Hause und will in Ruhe beraten. Das Ergebnis soll in zwei Wochen am nächsten Verhandlungstag bekanntgegeben werden.

Diskussion um C30

Die Angeklagte, Dr. Susanne C., hatte am ersten Prozesstag von ihren Anwälten erklären lassen, sie habe ihren Patienten, die homöopathisch behandelt werden wollten, unter anderem das kortisonhaltige, aber hochverdünnte »Triamcinolonacetonid C30« gespritzt. Dazu hatte die Sachverständige angemerkt, »C30« sei ihr nicht bekannt. Verteidiger Dr. Binder: »Wer sich mit Homöopathie befasst, muss diese Bezeichnung kennen. Die C-Skala beschreibt den Grad der Verdünnung eines Wirkstoffs. C30 bedeutet eine so hohe Verdünnung, dass der Ursprungsstoff kaum noch nachzuweisen ist.«

Die Anwälte meinen außerdem, die Sachverständige liege mit ihrer Einschätzung falsch, dass bei Mädchen das Wachstum im Alter von 14 Jahren »plus minus einem Jahr« abgeschlossen sei. Mädchen wüchsen länger, glauben die Verteidiger.

Es geht um Hautkrankheiten

Anwalt Torsten Giesecke: »Es ist unbestritten, dass die Sachverständige herausragende Erfahrungen auf den Gebieten des Magen-Darm-Trakts, der Rheumatologie und in Sachen Hormone hat. In diesem Prozess geht es aber vor allem um Kinder mit Hautkrankheiten, die homöopatisch behandelt werden sollten, und das sind nicht ihre Spezialgebiete.«

Die Sachverständige nahm zu dem Antrag der Verteidigung Stellung. Sie erklärte, sie sei sehr wohl kompetent, die Fragen in diesem Prozess zu beantworten.

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