Roma-Familie aus Paderborn soll nach Serbien – »Kinder seit Jahren integriert« Abschieben oder nicht?

Paderborn (WB). In Paderborn setzen sich Lehrer für eine Roma-Familie ein, die nach Serbien abgeschoben werden soll. »Die Kinder sind seit Jahren integriert, haben Freunde und geben sich richtig Mühe«, sagt Schulsozialarbeiterin Cordula Busse-Mikus.

Von Christian Althoff
Schulsozialarbeiterin Cordula Busse-Mikus (l.) und Lehrerin Dagmar Gröblinghoff-Mulatsch (r.) mit Schülerin Engrita.
Schulsozialarbeiterin Cordula Busse-Mikus (l.) und Lehrerin Dagmar Gröblinghoff-Mulatsch (r.) mit Schülerin Engrita. Foto: Jörn Hannemann

 1999 beantragte Familie Selimi in Paderborn Asyl – vergebens. Sie musste ausreisen, kehrte aber zurück. Von den vergangenen 16 Jahren verbrachten die Selimis etwa elf Jahre in Paderborn, und hier wuchsen auch die Kinder auf.

 Ihre Hoffnung ist ein besseres Leben. »Ich möchte Kinderkrankenschwester werden. Das könnte ich als Roma in Serbien niemals«, sagt Mirveta (17), die in Paderborn zur Hauptschule geht. Das Wort Armutsflüchtlinge – es beschreibt nur die halbe Wahrheit. Zwar hält die Bundesregierung Serbien für ein sicheres Herkunftsland, doch haben Gerichte wie zuletzt im November das Verwaltungsgericht Münster Zweifel daran, dass das auch für Roma gilt.

»Wir wurden wir Dreck behandelt«

 Die Zustände in Serbien, die einige Gerichte kritisieren – die Selimis haben sie nach eigener Schilderung zuletzt 2012 erlebt, als sie eine Aufforderung des Ausländeramts zur Ausreise befolgten. Tochter Mirveta (17): »Meine Geschwister und ich wurden dort wie Dreck behandelt, weil wir Roma sind und nicht serbisch sprechen.« Ihre Mutter Mirvet (43) soll in Serbien Opfer einer Gewalttat geworden sein, über die sie nicht sprechen will. Und: Für Tochter Engrita (21), die geistig behindert ist, habe sich dort keine Schule gefunden, sagt Vater Nedzip Selimi (44). So reiste die Familie nach drei Monaten zurück nach Paderborn – illegal. Arbeiten darf Nedzip Selimi hier nicht. Die Familie lebt von Sozialleistungen, die etwa Hartz IV entsprechen. Kindergeld bekommt sie nicht. Das Ausländeramt hat Vater, Mutter und die fünf Kinder jetzt zur Ausreise aufgefordert und droht für den Weigerungsfall mit einer Abschiebung.

Anwalt Gerhard Bauer aus Lichtenau: »Die Stadt handelt nach Recht und Gesetz. Sie hätte aber auch die Möglichkeit, statt Härte Milde zu zeigen und der Familie ein Bleiberecht einzuräumen.« Denn der Petitionsausschuss des Landtags, angerufen von Engritas Lehrerin Dagmar Gröblinghoff-Mulatsch, empfiehlt, die Familie nicht abzuschieben. Der Ausschuss sehe eine Ausreise der Familie mit den Kindern, »die sich in Deutschland schulisch sehr gut entwickelt haben«, als »sehr problematisch«, heißt es in einem Schreiben des Petitionsausschusses. Er empfiehlt der Stadt, die Änderung des Aufenthaltsgesetzes abzuwarten, die von der Großen Koalition beabsichtigt ist. Danach sollen Familien, die seit mindestens vier Jahren in Deutschland leben und deren Kinder im Unterricht mitmachen, ein Bleiberecht bekommen können.

Anwalt bewundert Eltern

Im Fall der Familie Selimi lehnt Bürgermeister Michael Dreier ein Entgegenkommen ab. Er verweist darauf, dass die mehrfach illegal eingereiste Familie die vergangenen vier Jahre nicht ununterbrochen in Deutschland gelebt hat. Rechtsanwalt Bauer: »Wäre die Familie 2012 der Aufforderung zur Ausreise nicht gefolgt, sondern in Deutschland untergetaucht, hätte sie jetzt einen Bleibeanspruch. Das kann doch nicht richtig sein!«

Der Anwalt sagte, er bewundere die Eltern, die trotz extremer Enge im Asylbewerberheim dafür sorgten, dass ihre Kinder immer ihre Schularbeiten machten. »Politiker klagen ständig, dass es zu wenig Rentenbeitragszahler gibt. Wir brauchen Kinder wie die Selimis, die integriert sind und lernen wollen.«

Zuspruch bekommt die Familie auch aus der Hermann-Schmidt-Förderschule, in der Engrita betreut wird. Lehrerin Dagmar Gröblinghoff-Mulatsch: »Frau Selimi kümmert sich hervorragend um ihre behinderte Tochter und kommt zu allen Elternsprechtagen. Das kann man nicht von allen Eltern sagen.«

Zudem hat sich der Flüchtlingsrat Paderborn, der sich als Lobby für Flüchtlinge und Asylsuchende versteht, in einem offenen Brief an Paderborns Bürgermeister gewandt. »Überhaupt nicht hinzunehmen ist die Situation der behinderten Tochter, für die es in Serbien keine Förderung gibt«, heißt es in dem Schreiben. In dieser Zeit, in der so viel über Flüchtlinge diskutiert werde, solle Paderborn »ein Zeichen der Menschlichkeit setzen«.

Rechtsanwalt Bauer: »Ich habe schon hunderte von Asylbewerbern vertreten, aber ich bin noch nie mit einem Fall an die Öffentlichkeit gegangen. Bei Familie Selimi erscheint mir das aber angebracht. Vielleicht überdenkt die Stadt die Sache ja noch einmal.«

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Abschieben unter Vorbehalt

In Serbien dürfen Roma nicht mal ins Restaurant.Sie müssen tel. bestellen. Es ist hart, Gesetz ist aber Gesetz.

Abschieben

Abschieben. Mehrmals illegal eingereist, mehrmals deutsches recht gebeugt und gebrochen. Gesetz ist Gesetz, wer sich als Deutscher nicht daran hält kommt ins Gefängnis und ein abgelehnter Asylbewerber gehört dann erst recht abgeschoben. Das Einzelschicksal ist dabei doch egal, jeder könnte irgendwas erzählen, jedes einzelschicksal ist tragisch, überprüfen lässt sich das kaum.

Abschieben!

Wenn sich die Damen im Artikel dafür einsetzen geistig Behinderte aufzunehmen so möchten sie doch bitte alle Kosten dafür persönlich tragen. Ansonsten ist das was sie tun asozial gegenüber unserer Gemeinschaft.



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