Verteidiger lehnt Gericht wegen Befangenheit ab – Gutachter hält Angeklagten für voll schuldfähig »Scheunenmord«: Doch noch kein Urteil?

Paderborn/Büren (WB). Im Prozess um den »Scheunenmord« von Büren zieht sich in die Länge. Wegen eines Befangenheitsantrags gegen das Gericht könnte das Urteil nun doch später gesprochen werden, als erwartet.

Von Christian Althoff
Der Tatort – eine Feldscheune in Büren.
Der Tatort – eine Feldscheune in Büren. Foto: Besim Mazhiqi

Verteidiger Jerrit Schöll hat  das Gericht als befangen abgelehnt. Darüber müssen nun drei andere Berufsrichter entscheiden. Schöll kritisiert, dass das Gericht ihm nicht erlaubt hat, dem Gutacher Prof. Tilmann Elliger eine bestimmte Frage zu stellen. Elliger hatte während des Prozesses sämtliche Aussagen mitgeschrieben und hätte darüber Auskunft geben können, was der Rechtsmediziner Dr. Karger wörtlich gesagt hat. Darüber sind sich nämlich Verteidigung und Gericht uneins. Schöll sagte, das Gericht erwecke den Eindruck, als wolle es um jeden Preis ein bestimmtes Beweisergebnis (Mord) erreichen.

Der Anwalt hatte schon zuvor einen Antrag gestellt: Schöll wollte mit einen weiteren Rechtsmediziner als Sachverständigen hören, weil dem Rechtsmediziner Dr. Bernd Karger von der Uni Münster in einem wesentlichen Bereich dieses Falls »die Sachkunde fehlt«, wie Schöll sagte.

Der Angeklagte mit seinem Verteidiger Jerrit Schöll. Archivfoto: Besim Mazhiqi

Worum geht es? Der Angeklagte (19) hatte angegeben, er habe seinem Freund (17) den Kopf mit einem Stahlrohr eingeschlagen und ihm dann die Kehle durchgeschnitten. Der Staatsanwalt nimmt dagegen an, der Angeklagte sei nach den Schlägen erst zu McDonalds gefahren und nach einer halben Stunde zurückgekehrt, um dem Schwerverletzten die Kehle durchzuschneiden. Das wäre dann wohl ein Mord, während bei einer Tateinheit von schlagen und schneiden Totschlag möglich wäre.

Karger hatte erst gesagt, zwischen den Verletzungen hätten mindestens 20 Minuten gelegen, was die Version des Staatsanwalts gestützt hatte. Auf Vorhalte des Verteidigers musste Karger dann einräumen, auch zehn Minuten seien möglich. Zu wenig, um zu McDonalds zu fahren.

Da das Gericht aber erkennen ließ, dass es von 20 Minuten ausgehen will, wollte der Anwalt unbedingt einen zweiten Rechtsmediziner hören.

Das Gericht lehnte den Antrag nach Beratung ab – was zu erwarten war.

Gutachter Dr. Tilman Elliger wurde dagegen angehört. Elliger ist bundesweit bekanntgeworden, nachdem er im Kachelmann-Prozess ein Gutachten für die Verteidigung erstellt und die Glaubwürdigkeit des mutmaßlichen Opfers angezweifelt hatte. Der Gutachter meint, dass der Angeklagte nach Jugendstrafrecht verurteilt werden soll. Er hält den 19jährigen für voll schuldfähig

Das Urteil soll noch am Dienstag gesprochen werden.

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