25-Jähriger wird vom Vorwurf der Vergewaltigung einer Militärpolizistin freigesprochen Im Zweifel für den Angeklagten

Paderborn (WB). Nach dem alten Grundsatz »Im Zweifel für den Angeklagten« hat das Landgericht Paderborn gestern einen 25-Jährigen freigesprochen. Er war angeklagt, eine britische Militärpolizistin nach einer Kneipentour vergewaltigt haben.

Von Ulrich Pfaff

Aber die Zweifel an seiner Täterschaft überwogen für die Strafkammer. Die 28-jährige Britin war Anfang Februar vergangenen Jahres im Bereich der Benhauser Straße am frühen Morgen desorientiert und nur teilweise bekleidet aufgegriffen worden: Ein Junge auf dem Schulweg hatte beobachtet, wie ein Unbekannter die Frau zum Oralverkehr gezwungen hatte und nach der Entdeckung geflüchtet war. Das Opfer beschuldigte den 25-Jährigen, den sie zuvor in einer von britischen Soldaten häufig besuchten Paderborner Kneipe kennen gelernt hatte, des Übergriffs.

Glaubwürdigkeit des Opfers im Mittelpunkt

Auch am dritten Verhandlungstag gestern stand die Glaubwürdigkeit des Opfers im Mittelpunkt der Beweisaufnahme: Erneut wurden Kameraden der Militärpolizistin zu deren Person und Verhaltensweisen befragt.

Die 28-Jährige, die in den Normandy Barracks in Sennelager stationiert ist, soll an dem Abend erheblich dem Alkohol zugesprochen haben, was sie auch zuvor bereits öfter getan habe – auch sei sie bei ihren Kameraden sowohl vor als auch nach dem Vorfall durch falsche Anschuldigungen aufgefallen. »Sie hat einen Kameraden beschuldigt, er habe sie im Schlaf mit einem Kissen ersticken wollen«, berichtete ein 24-jähriger Soldat. Eine andere Zeugin, die mit der Geschädigten befreundet war, nannte sie »eine verwirrte und gestörte Person«: »Ich habe versucht, ihr eine Freundin zu sein, als sie keine Freunde hatte. Aber sie hat Lügen über mich verbreitet.«

DNA-Spuren geben keinen Aufschluss

Es waren nicht allein die Zweifel an der grundsätzlichen Glaubwürdigkeit des Opfers, die der Kammer letzten Endes den Freispruch nahe legten, obwohl die Staatsanwaltschaft drei Jahre und zehn Monate Haft forderte: Ein Gutachten des Landeskriminalamtes kam zu dem Ergebnis, dass sich an der Kleidung der Frau DNA-Spuren des Angeklagten nur minimal und als Beimengung in so genannten Mischspuren hätten finden lassen, diese aber für einen »sicheren Abgleich« unzureichend seien.

Die Herkunft dieser Spuren könne auch auf körperliche Kontakte des Angeklagten mit der 28-Jährigen zurückzuführen sein, die sich im Laufe des alkoholgeschwängerten Abends in der Kneipe ergeben hätten – die beiden waren auf der Herrentoilette von einer Mitarbeiterin »halb bekleidet« beim Austausch von Zärtlichkeiten angetroffen worden.

 »Das ging in eine eindeutige Richtung«, kommentierte Richter Bernd Emminghaus die Situation und betonte daher »gewichtige Gründe«, die für eine Täterschaft des 25-Jährigen sprächen. Letztlich überwogen aber die Zweifel daran, dass der Paderborner tatsächlich der Täter sei – dass die Frau vergewaltigt worden war, sei jedoch erwiesen.

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