Sieben Jugendliche aus Paderborn werden auf die »Queen Mary« eingeladen Filmkarriere im Legoland

Paderborn  (WB). Die Schauspieler geben keine Widerworte und gehorchen dem Regisseur aufs Wort. Davon träumt wohl jeder Filmemacher. Für sieben Jungs aus Paderborn ist das Realität: Sie drehen Filme mit Lego-Figuren, das aktuelle Meisterwerk spielt auf der »Queen Mary II«. Die Reederei war davon so begeistert, dass die Nachwuchsfilmer aufs Schiff eingeladen wurden.

Von Meike Oblau
Die Schüler Sebastian Brumby, Tim Darms, Timo Deutschmann, Tim und Luca Olszewski, Ben Pleininger und Julian Schlangenotto drehen mit viel Leidenschaft Brickfilme. Das aktuelle Meisterwerk spielt auf der »Queen Mary II«.
Die Schüler Sebastian Brumby, Tim Darms, Timo Deutschmann, Tim und Luca Olszewski, Ben Pleininger und Julian Schlangenotto drehen mit viel Leidenschaft Brickfilme. Das aktuelle Meisterwerk spielt auf der »Queen Mary II«. Foto: Jörn Hannemann

Die Schüler Sebastian Brumby, Tim Darms, Timo Deutschmann, Tim und Luca Olszewski, Ben Pleininger und Julian Schlangenotto drehen mit viel Leidenschaft Brickfilme. Das aktuelle Meisterwerk spielt auf der »Queen Mary II«. Foto: Jörn HannemannDie jungen Lego-Bauer vor dem Original-Schiff: Ein Besuch auf dem Luxus-Liner ist ein Geschenk der Reederei.Foto: WVIhre »Queen Mary II« besteht aus zehntausend Legosteinen und wiegt zehneinhalb Kilo. Nichts gegen den Koloss, der die Weltmeere bereist – aber eine Heidenarbeit für Kulissenbauer Tim Olszewski. Mit seiner Leidenschaft für Lego und der Idee, daraus nicht nur die Gegenstände zu bauen, die die klassischen Lego-Anleitungen vorgeben, fing alles an. »Vor anderthalb Jahren haben wir einen Brickfilm, also einen Film mit Legofiguren und -gegenständen, auf Youtube gesehen und wollten so was auch mal ausprobieren«, erzählt der 17-Jährige.

Brickfilme

Brickfilme (von englisch Brick = Baustein) sind Filme mit Legofiguren und/oder Legosteinen, die mit Hilfe der Stop-Motion-Technik erstellt worden sind. Um einen Brickfilm zu drehen, werden Bewegungssequenzen in Einzelbildern aufgenommen und ergeben beim schnellen Abspielen flüssige Bewegungen. Erste Filme wurden in den 1980ern gedreht, aber die Szene der Brickfilmfans entstand mit der Einführung des Lego-Studio-Sets von Lego.

Mit der noch simplen Schnittfolge über die Lego-Polizei aber gab er sich nicht zufrieden. Inzwischen schreiben Tim Olszewski, sein Bruder Luca (12) und ihre Freunde Ben Pleininger (12), Timo Deutschmann (17), Sebastian Brumby (14), Julian Schlangenotto (14) und Tim Dahm (15) komplette Drehbücher und entwerfen pro Film dutzende Szenen und Spielorte. »Allein der Setaufbau dauert Stunden«, sagt Tim Olszewski. Etwa zehn Fotos pro Sekunde werden »geschossen«, dann Figuren, Schiffe oder Autos um Millimeter verrückt und neue Fotos geschossen. Fertig zusammengeschnitten bewegen sich die Legomännchen wie von Geisterhand.
Den Hobbykeller von Tims Eltern in Schloß Neuhaus haben sich die Jungs, die sich alle aus dem Domchor kennen, passend ausgebaut – samt drehbarer Bau-Platte und verschiedenfarbiger LED-Beleuchtung, mit der zum Beispiel auch Abendstimmung simuliert werden kann. Immer neue Ideen entstehen, Tim baut gerade an einer Nebelmaschine, und für die schon fertig gefilmte Reise der »Queen Mary II« haben die Schüler Sehenswürdigkeiten wie die Oper Sydney oder die Londoner Tower Bridge nachgebaut.

Das gefiel der Marketingabteilung der Reederei so gut, dass die Paderborner auf die »echte« Queen Mary II eingeladen wurden. »Man hat eigentlich keine Möglichkeit, das Schiff zu besichtigen«, weiß Tim Olszewski, dass ihr Ausflug nach Hamburg etwas ganz Besonderes war. Nebenbei nutzten sie den Trip für einen Besuch im Lego-Store – Nachschub besorgen.

Der nächste Film ist bereits in Planung, dann wollen die Sieben die »Titanic« untergehen lassen. 20 Minuten soll das Ganze dauern, dafür müssen dann etwa 12 000 Fotos geschossen und am Computer zusammengeschnitten werden. Zu sehen ist zum Beispiel, wie der Speisesaal geflutet wird, und später natürlich auch, wie das Schiff auseinanderbricht.

Bei den Dreharbeiten geht nicht immer alles glatt. Das liegt nicht an den Schauspielern, »Versprecher« und »Texthänger« gibt es nicht, aber es kommt schon mal vor, dass aus Versehen ein Gebäude einkracht, dass Schatten oder Finger im Bild zu sehen sind oder die Kamera nicht scharf gestellt hat. Für den Titanic-Film müssen bis zu 40 verschiedene Sets aufgebaut werden, vom Speisesaal bis zum Maschinenraum.

Ein aktuelles lokales Ereignis hat die sieben Schüler ebenfalls inspiriert: Das »Tor des Monats« von Moritz Stoppelkamp wollen sie mit Lego nachspielen und filmen. Tim Olszewski hat bereits begonnen, die Benteler-Arena zu bauen, musste aber eine unfreiwillige Pause einlegen: »Akuter Steinemangel«, seufzt er, vor allem graue Steine, um die »Außenhülle« der Arena nachzubauen, fehlen. Seinen Plan möchte er aber trotzdem nicht aufgeben. Vielleicht proben dann bald tausende Lego-Männchen die La-Ola-Welle.

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