KFD Lichtenau feiert 100. Jubiläum unter veränderten Bedingungen Gemeinschaft damals wie heute

Lichtenau (WB/han). Eines hat sich nie geändert: »Das Gemeinschaftsgefühl ist dasselbe geblieben«, sagt Maria Berlage, Ehrenvorsitzende der KFD Lichtenau. Doch sonst ist so einiges anders geworden in der Frauengemeinschaft, die in diesem Jahr 100. Jubiläum feiert.

Bei Kaffee und Kuchen stöbern die Ehrenvorsitzenden Marietheres Zimmermann (links) und Maria Berlage (rechts) gemeinsam mit Petra Tölle, die aktuell zum Vorstand der KFD Lichtenau gehört, in alten Fotos und Unterlagen.
Bei Kaffee und Kuchen stöbern die Ehrenvorsitzenden Marietheres Zimmermann (links) und Maria Berlage (rechts) gemeinsam mit Petra Tölle, die aktuell zum Vorstand der KFD Lichtenau gehört, in alten Fotos und Unterlagen. Foto: Hanne Hagelgans

Und die Veränderungen betreffen nicht nur Lichtenau. Das Leben, das Frauen heute führen, ist ein anderes als noch vor einer oder erst recht vor zwei Generationen. Mütter wollen und müssen heute meist recht schnell nach der Geburt der Kinder wieder arbeiten.

Und auch in der Freizeit sind die Angebote und Möglichkeiten gewachsen. Das Zeitfenster für ehrenamtliches Engagement ist deutlich kleiner geworden.

»Darauf muss auch die KFD reagieren«, sagt Petra Tölle, die nicht nur zum Vorstandsteam der Lichtenauer Gemeinschaft gehört, sondern auch stellvertretende Diözesanvorsitzende ist. Die KFD sei heute nicht mehr der »Mütterverein«. Frauen ohne Kinder seien ebenso willkommen im größten katholischen Frauenverband Deutschlands, der auch gesellschafts- und kirchenpolitisch viel erreicht habe.

Dem Diözesanverband Paderborn gehören 650 Gemeinschaften mit rund 112.000 Mitgliedern an. »Im vergangenen Jahr haben 80 Prozent unserer Gemeinschaften neue Vorstände gewählt«, erzählt Petra Tölle. Oft sei es dabei schwierig, eine neue Leitung zu finden.

Gelingt das gar nicht, ist die Vakanz die Folge: Es gibt keinen Vorstand, die Arbeit der KFD geht bestenfalls auf Sparflamme weiter oder ruht ganz. »Oft merken die Frauen dann, dass im Ort doch etwas Wichtiges fehlt, und sind bereit, sich zu engagieren, damit es weitergeht«, weiß Petra Tölle aus Erfahrung.

Um den Frauen die Entscheidung dafür einfacher zu machen, setzen die meisten Gemeinschaften heute nicht mehr auf einen streng hierarchischen Vorstand, der für vier Jahre gewählt wird, sondern auf ein Leitungsteam, in dem jeder entsprechend seinen Talenten und Interessen Aufgaben übernehmen kann. »Ein Ehrenamt soll schließlich auch Spaß machen«, sagt Petra Tölle, »und nicht jeder muss alles selbst machen.«

Das war zu Zeiten von Maria Berlage, die von 1981 bis 1993 Vorsitzende der KFD Lichtenau war, noch anders. Obwohl: »Spaß hat es mir auch immer gemacht, ich möchte nichts davon missen«, erzählt sie. Doch als Vorsitzende war sie grundsätzlich immer, bei jeder Veranstaltung mit dabei.

Kurse, berichten sie und ihre Amtsnachfolgerin Marietheres Zimmermann, habe es früher deutlich mehr als heute gegeben. Die Frauen übten sich bei der KFD im Töpfern, Stricken und Nähen oder lernten neue Kochrezepte kennen. Damals wie heute gehören dagegen ein mehrtägiger Jahresausflug und spirituelle Angebote wie Wallfahrten und Gottesdienste fest zum Programm dazu.

Das Angebot wandelt sich und passt sich dem an, was heute möglich und gewünscht ist. »Unsere Mutter-Kind-Gruppen haben wir kürzlich eingestellt«, nennt Petra Tölle ein Beispiel.

Denn in Lichtenau können Babys und Kleinkinder nun schon mit sechs Monaten im Familienzentrum betreut werden, und viele Mütter gehen früh wieder arbeiten. Eine Krabbelgruppe, über die früher viele junge Mütter den Weg in die KFD fanden, ist da weniger gefragt.

Andere feste Punkte im Jahresprogramm bleiben, verändern sich aber. So ist es seit den 1980er Jahren und auch heute noch Ehrensache, dass auch die KFD Lichtenau an einem Tag in der Libori-Woche am Konrad-Martin-Haus Butterbrote verkauft.

Schön sei das immer gewesen, erinnern sich Maria Berlage und Marietheres Zimmermann: »Am Abend waren wir richtig kaputt, aber wir haben zum Abschluss immer noch alle zusammen ein Eis gegessen, das gehörte einfach dazu.« Früher allerdings waren die Frauen einen ganzen Tag lang im Einsatz, heute reicht die Personaldecke nur noch für einen halben.

Zum Handarbeitsnachmittag treffen sich die Frauen aber heute wie damals in den Wintermonaten im Pfarrheim. »Das ist immer gemütlich«, erzählt Maria Berlage. »Jeder bringt seine Handarbeit mit, »und wenn wir keine Lust haben, schwatzen wir einfach«. Damit gehört der Handarbeitskreis zu den Dauerbrennern im KFD-Programm – ebenso wie das Gemeinschaftsgefühl, das alles auch unter veränderten Bedingungen zusammenhält.

Programm zum Geburtstag

Das 100. Jubiläum der KFD Lichtenau steht unter dem Leitwort »Dankbar zurückschauen - aktiv die Zukunft planen«. Im Jubiläumsjahr wartet ein abwechslungsreiches Programm auf Mitglieder und Interessierte.

Ein Besuch beim WDR in Bielefeld, eine Acht-Seen-Radtour um Paderborn und eine Abendwanderung mit spirituellen Impulsen gehören zu den Angeboten, die Frauen in jedem Alter ansprechen sollen. Der Jahresausflug führt für vier Tage nach Salzburg. Auch der beliebte Freundinnenabend mit Modenschau ist wieder mit dabei.

Die Jubiläumsfeier findet am Samstag, 5. Mai statt. Nach einem Festgottesdienst erwartet die Gäste ein Abendprogramm mit vielen Überraschungen.

Im Rahmen eines unterhaltsamen Gesprächs­forums nimmt KFD-Diözesanpräses Roland Schmitz mit Zeitzeuginnen zahlreiche Lichtenauerinnen in den Blick, die in den vergangenen Jahrzehnten ihre KFD geprägt haben

. Zu den weiteren Höhepunkten des Abends zählt das Angebot der Künstlerin Dorothea Wenzel. Sie gestaltet mit viel Gespür aus Geschenkpapier und Verpackungsmaterial aufsehenerregende Kopfbedeckungen.

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