Umweltschützer kritisiert Fällung in Lichtenau-Atteln Streit um abgeholzte Böschung

Lichtenau (WB/han). Umweltsünde oder notwendige Maßnahme für die Sicherheit? An einer abgeholzten Straßenböschung zwischen Atteln und Henglarn scheiden sich die Geister.

Die Straßenböschung zwischen Atteln und Henglarn ist abgeholzt worden.
Die Straßenböschung zwischen Atteln und Henglarn ist abgeholzt worden. Foto: Besim Mazhiqi

Auf einer Länge von etwa 200 Metern sind entlang der Straße zwischen den beiden Dörfern Bäume und Büsche der Motorsäge zum Opfer gefallen. Ulrich Eichelmann, aus Atteln stammender Umweltschützer, bedauert, dass teilweise 80 Jahre alte Eichen, Hainbuchen und Eschen entfernt worden seien.

Für ihn ist die Abholzung ein Beispiel für eine Haltung, die gerade auf dem Lande immer mehr um sich greife: »Natur stört.« Die Landwirtschaft werde immer intensiver und industrieller, die Landschaft immer aufgeräumter. Wertvolle Lebensräume gingen verloren: »Und dann wundern sich die Leute, dass es immer weniger Insekten gibt und Vögel keine Nahrung mehr finden.«

Bäume seien nicht standsicher gewesen

»Es ging ausschließlich um die Sicherheit«, betont dagegen Grundstückseigentümer Josef Niggemeyer. Der Landesbetrieb Straßen NRW habe ihn angeschrieben und darauf hingewiesen, dass mindestens vier Bäume nicht mehr standsicher seien und entfernt werden müssten, um der Verkehrssicherungspflicht nachzukommen.

Doch nicht nur diese vier Bäume, bei denen bereits die Wurzelballen freigelegen hätten, hätten entfernt werden müssen, erläutert Niggemeyer. Auch die weiteren Bäume und Sträucher hätten über Radweg und Straße gehangen und bereits schräg gestanden.

Boden habe keinen Halt geboten

Der Boden auf dem Hang sei angeschüttet und habe vor allem Flachwurzlern wie Fichten nicht genug Halt geboten. Bei einem stärkeren Sturm, von denen es schließlich immer mehr gebe, hätten sie leicht umkippen können.

»Ich will es mir nicht vorwerfen, wenn dort jemand zu Schaden kommt«, betont der Grundstückseigentümer. Der Rad- und Fußweg zwischen den beiden Nachbardörfern werde häufig von Kindern mit Fahrrädern und Müttern mit Kinderwagen genutzt.

Bereits während der Fällarbeiten sei er mehrfach von Passanten angesprochen worden, die die Maßnahme begrüßten, weil sie sich unter den Bäumen nicht mehr sicher gefühlt hätten.

Zu viel des Guten

Den Aspekt der Verkehrssicherheit sieht Ulrich Eichelmann ein. Allerdings seien Eigentümer nur verpflichtet, Bäume mit offensichtlichen Mängeln zu entfernen. Die Abholzung der gesamten Böschung hält er für »übers Ziel hinausgeschossen«.

Eine gute Lösung wäre es aus seiner Sicht, wenn Gelände wie das zwischen Atteln und Henglarn, das wirtschaftlich ohnehin nicht zu nutzen ist, an die öffentliche Hand gingen. Eine Behörde könnte dann die Verkehrssicherungspflicht übernehmen, aber auch sicherstellen, dass der ökologisch wertvolle Bewuchs erhalten bleibt.

Aktion ins Leben gerufen

Im Frühjahr vergangenen Jahres hat Eichelmann die Aktion »Hecken braucht das Land« ins Leben gerufen, um das Problem ins Bewusstsein der Menschen zu rücken. Auf der Dorf-Homepage www.atteln-online.de können sich Besucher über die ökologische Funktion von Hecken und Gehölzen informieren und mitteilen, wenn irgendwo in Atteln oder Umgebung wieder eine Hecke oder ein alter Baumbestand abgeholzt worden ist.

Mehr als 40 Meldungen seien bereits eingegangen, erzählt Ulrich Eichelmann. Zugleich sollen über das Portal aber auch Möglichkeiten gesammelt werden, wo neue Hecken angepflanzt werden könnten.

Kommentar

Wer möchte wohl in der Haut des Grundstückseigentümers stecken, wenn sich durch einen seiner Bäume ein möglicherweise tragischer Unfall ereignet hat? Zumal der Landesbetrieb ihn bereits auf eine bestehende Gefahr aufmerksam gemacht hat. Dass er auf »Nummer sicher« geht, und gleich alle Bäume entfernen lässt, ist darum nachvollziehbar.

Paradoxerweise verschwinden aber gerade auf dem Land immer mehr wertvolle Ökosysteme. Eine alte Baum-Allee ist den sperrigen Transporten zu den neuen Windkraftanlagen im Weg oder eine Hecke behindert den Wendekreis bei der Feldarbeit – also weg damit! Hier wäre ein Umdenken wünschenswert. Und weil es nicht genügen wird, auf Freiwilligkeit zu setzen, könnte es in begründeten Fällen wohl notwendig sein, Eigentümern behördlicherseits auf die Finger zu klopfen, bevor die Motorsäge kreischt.

Hanne Hagelgans

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