Bürgermeister beklagt Ausweisung neuer Gebiete in Lichtenau Windräder kommen Paderborn zu nah

Paderborn/Lichtenau (WB). Die Stadt Paderborn will der Nachbarstadt Lichtenau bei der geplanten Ausweisung neuer Windkraftgebiete Steine in den Weg legen. Paderborn beschwert sich, dass neue Windriesen dem Stadtteil Dahl zu sehr auf die Pelle rückten.

Von Karl Pickardt
Foto: Mike-Dennis Müller

Deshalb fordert der Paderborner Bürgermeister Michael Dreier (CDU) seinen Amtskollegen Josef Hartmann (SPD) im Lichtenauer Rathaus »eindringlich« auf, die Lichtenauer Pläne zur Ausweisung neuer Windkraftgebiete an der Stadtgrenze zu überarbeiten und auf die Ausweisung einer Konzentrationsfläche an der Dahler Ortsgrenze zu verzichten.Noch ist der Dreier-Brief nicht auf dem Weg nach Lichtenau. Der Paderborner Bürgermeister will sich seine Beschwerde und Aufforderung zum Lichtenauer Verzicht an diesem Donnerstag, 4. Dezember, im Bau- und Planungsausschuss absegnen lassen. Den Politikern der Domstadt, die in Dahl selbst Windkraftanlagen genehmigten, liegt der Bürgermeister-Brief als Entwurf vor.

Paderborn verlangt von den Nachbarn eine Gleichbehandlung. So beklagt Michael Dreier, dass die Stadt Lichtenau ihre Ortsteile vor einer Windkraftanlagenflut verschonen wolle und deshalb sechs von zunächst 21 geplanten Windkraftzonen herausgenommen oder in ihrer Ausdehnung erheblich beschnitten habe. Der Dahler Bevölkerung mute die Stadt Lichtenau dagegen eine Belastung durch neue Windkraftanlagen zu.

Dahl sei bereits heute »im Norden, Südwesten und Süden von Windparks umstellt«, merkt Bürgermeister Dreier an: »Diese Situation würde sich bei Umsetzung der beabsichtigten Planung auf Lichtenauer Stadtgebiet noch einmal erheblich verschärfen.« Dreier spricht von einer »Einkreisung«, zumal auch auf Borchener Gebiet in Dörenhagen in Dahler Nachbarschaft Windriesen Strom erzeugten. Damit gingen Dahl auch die letzten von Windkraftanlagen freigehaltenen Sichtschneisen verloren. Die Rotoren neuer Lichtenauer Anlagen ragten über den Wald hinaus und seien in Dahl vollständig zu sehen. 

Der Paderborner Bürgermeister sieht für Lichtenau durchaus Möglichkeiten, mit dem Argument »Einkreisung« weitere Windkraftgebiete im Dahler Sichtfeld aufzugeben. Mehrere Urteile von Oberverwaltungsgerichten in Sachsen-Anhalt oder Berlin-Brandenburg gäben Kommunen Recht. Sie dürften nach diesen Urteilen Windkraftgebiete aufgeben, die »zu einer nicht mehr hinnehmbaren Belastung des Orts- und Landschaftsbildes sowie zu einer Einkesselung bestehender Siedlungsbereiche führen würden.« Dreier mahnt Lichtenau: »Wir möchten Sie dringend bitten, von diesen planerischen Spielräumen auch im Hinblick auf die Situation in Paderborn Gebrauch zu machen.«

Paderborn sieht auch im Artenschutz Spielraum, auf eine neue Windkraftzone im Bereich der Dahler Ortsgrenze zu verzichten. Hier brüteten Rotmilane. Es gebe mehrere Horststandorte. Dreier: »Bei Umsetzung der vorliegenden Planung ist daher ein Verstoß gegen das artenschutzrechtliche Tötungsverbot zu befürchten.« In Dahl befinden sich 13, in Dörenhagen 33 Windmühlen. Weitere vier sind in Dahl genehmigt. Kreisweit erzeugen derzeit 370 Windkraftanlagen Strom. 188 weitere seien beantragt, sagt Pressesprecherin Manuela Pitz von der Kreisverwaltung

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